Occupied WSJ: das Sprachrohr des Protests

Was mit ein paar Protestlern auf einem kleinen Platz in direkter Nähe der Wall Street in New York City begann, hat sich innerhalb weniger Wochen zu einer weltweiten Massenbewegung ausgebreitet. Unter dem Motto “Occupy” protestieren Menschen heute in mehreren Städten gegen das Finanzsystem. In den USA ist man schon einen Schritt weiter: Die Demonstranten haben ihre eigene Zeitung, das Occupied Wall Street Journal. Ein Gegenentwurf zu Rupert Murdochs Wirtschaftsblatt.

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Ihr Anliegen nennen sie “Occupy Wall Street” oder die “Bewegung der 99 Prozent”. Und wie bei den Protesten in Ägypten wurde seit Mitte September viel gebloggt, getwittert und der Protest auf Facebook aufrecht erhalten. Doch seit rund einer Woche werden die Demonstranten an ihrer Kommandozentrale, dem New Yorker Liberty Park in direkter Nähe zu Ground Zero, mit einer Zeitung versorgt. Gedruckt in den New Yorker Gewerkschaftsdruckereien versorgt das “Occupied Wall Street Journal” die Demonstranten auf die altmodische Weise mit Informationen rund um die Proteste.

In New York findet das kostenlose Blatt reißenden Absatz. Die ersten Auflage lagen bei 20.000 Exemplaren, jeweils in englischer und spanischer Sprache. Die zweite Ausgabe lag schon bei 50.000 Exemplaren. Michael Levitin, Chefredakteur des OWSJ, erklärt im Tagesspiegel, dass man mittlerweile Ausgaben für alle großen Städte planen, um umfassend über die Proteste zu berichten. Levitin hat zuvor unter anderem für die AP, die Newsweek und den Daily Telegraph gearbeitet. Dank des großen Erfolges peilt das kleine Führungsteam nun ein Auflage von 250.000 Exemplaren an. Die Ausgabe lassen sich auch online als Pdf und Google Doc lesen.

Wie die sich dann finanzieren, ist noch fraglich. Das Startkapital stammte allerdings von Kickstarter.com, einem Spendenportal, bei dem Menschen für ihre Ideen werben und dafür Kapital einsammeln können. Parallelen zur Prawda will Levitin aber vermeiden. Die russische Tageszeitung erschien erstmals kurz vor der Oktoberrevolution 1917, mutierte dann aber zum Parteiblatt der KPdSU. Man sehe sich vielmehr als ein Organ der vielen US-Bürger, die sich ein neues Amerika wünschen.

In Deutschland steckt die “Occupy”-Bewegung im US-Vergleich noch in den Kinderschuhen. Den weltweiten Auftakt zur zweiten Protestwelle haben Asien und Australien gemacht. In Deutschland organisiert sich der Protest unter anderem über die Fanpage “Occupy Germany”, deren Mitgliederzahl stetig wächst. Beinahe im Minutentakt laufen Neuigkeiten über die geplanten Demonstrationen in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg und Düsseldorf ein.

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