„Tatort“: ein Trauerspiel am Bodensee

"Das schwarze Haus" ist wieder mal ein "Tatort" vom Bodensee mit Eva Mattes als Klara Blum und Sebastian Bezzel als ihr eher farbloser Assi Kai Perlmann. Mit von der Partie ist auch Hannes Jaennicke, der den mysteriösen Krimischriftsteller Ruben Rath mimt, eine Art Schmalspur-Jussi Adler-Olsen vom Bodensee. Von dem dänischen Star-Autoren oder seinen krimischreibenden Landsleuten hätten sich die Macher dieser "Tatort"-Folge besser ein bisschen was abgeschaut.

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"Das schwarze Haus" ist leider ganz und gar kein guter Krimi geworden. Dafür ist der Film schlicht und ergreifend viel zu langweilig. Die Episode krankt an der alten "Tatort"-Krankheit: viel zu langsame und deprimierende Erzählweise, schlechtes Drehbuch. Dabei können es Autor und Regisseur Thomas Bohn doch besser. Sobald gute Leute mit einem "Tatort" zu tun haben, arbeiten Sie plötzlich, als habe man sie vor den Dreharbeiten mit Tranquilizern vollgepumpt. Die sehr gute Schauspielerin Eva Mattes übt sich ständig im Gucken und Kopf-Drehen. Viel mehr ist nicht drin. Ein Trauerspiel.

Zweimal wird sie in dieser Folge von Filmfiguren gefragt, ob sie das jetzt wirklich ernst meine, als das Drehbuch von ihr mal wieder unglaubwürdige Handlungs-Kapriolen und Quatschsätze abverlangt. Leider meint sie es immer ernst – so todernst und sterbenslangweilig wie dieser ganze verhunzte Sonntagabendkrimi.

Da wird geschwelgt in düsteren Bildern, kahle Äste wehen im Wind. Ein Wohnwagen, die Filmcrew sagt wahrscheinlich "Trailer" dazu, steht am Bodensee-Strand. Darin haust der mittellose Komponist. Einzelne Sätze werden zwischen den Kiefern zerkaut und zerredet, und dann wird wieder ewig in der Gegend herumgeschaut.

Das ist alles so hundserbärmlich langatmig und wichtigtuerisch. Warum machen die das bloß so? Wollen Zuschauer das wirklich so sehen? Halten die Macher das für gutes Fernsehen? Oder verwechselt da irgendwo irgendjemand Langeweile mit Realismus? Realistisch ist er jedenfalls auch mal wieder nicht, der "Tatort". In einer Künstlerkolonie geht ein Serienmörder um, der Vorstandsmitglieder nach dem Muster von Ruben Raths Krimis meuchelt. Es gehört aber vermutlich schon eine erhebliche Kraftanstrengung dazu, einen Serienkiller-Plot so einschläfernd und einfallslos darzubieten, wie es hier geschieht.

Autor Ruben Rath hat zu allem Überfluss einen leicht autistischen Sohn. Jonathan Müller muss in der Rolle des am Asperger-Syndrom leidenden Ferry Rath aber nichts groß anders machen, als das übrige "Tatort"-Ensemble. Auch der Autist glotzt bedeutungsschwanger in die Gegend und wartet eine gefühlte halbe Stunde, bevor er auf eine Frage antwortet. Immerhin hat er eine echte Nacktszene. Wäre das im Film nicht dauernd betont worden, man hätte nicht gemerkt, dass der Sprössling von Ruben Rath (wer denkt sich eigentlich solche Namen aus?) Autist sein soll. In diesem "Tatort" scheinen alle neben sich zu stehen.

Die Auflösung kommt dann so bestürzend unspektakulär um die Ecke geschlichen, dass man es kaum noch mitbekommt. "Ach, der war’s dann", hört man sich sagen. Warum der "Tatort" "Das schwarze Haus" heißt? Keine Ahnung. Vielleicht, weil es bedeutungsschwanger und deprimierend klingt. Vielleicht bringt das neue "Tatort"-Team aus Dortmund ja ein bisschen frischen Wind in die angestaubte ARD-Vorzeigeserie. Nötig wär’s.

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