Schropp: “Mein Traum fängt gerade erst an“

Jochen Schropp gilt als einer der Aufsteiger des letzten Jahres: Mit “X Factor“ moderiert er eine der bemerkenswerten Casting-Shows im deutschen Fernsehen, und am Sonntag startet bei VOX seine neue Koch-Show "Wer is(s)t besser?". Mit Christopher Lesko sprach Schropp in Berlin über Stationen seiner Entwicklung, seinen Ärger beim Vespa-Fahren und schnelle Switches als Herausforderung der “X Factor“-Moderation. Und Jochen Schropp spricht offen über schwere Zeiten: damals, als sein Vater starb.

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Jochen Schropp, Vox-Chefredakteur Kai Sturm hat Sie in meinem Interview als Kuschel-Moderator mit  ultimativem Sympathie-Gen beschrieben. Teilen Sie seine Einschätzung?
Naja, da hat Kai es vielleicht etwas zu gut gemeint! Das ist zwar nett, aber ich würde es mal so sagen: Natürlich kann ich gut mit Menschen, aber viel ist auch dem Schnitt geschuldet. Ich mache bei “X Factor“ hinter der Bühne sicher auch Faxen, die mit Kuschelfaktor weniger zu tun haben. Ich treffe durchaus  Menschen, die mit meinem Humor Probleme haben und sich eher so fühlen, als würde ich sie angreifen.

Ich liebe es, angegriffen zu werden: Haben Sie für Ihren Humor ein kleines Beispiel?
Mmmhh… ein Beispiel habe ich im Moment nicht. Ich sage halt manchmal Sachen, die andere als Beleidigung auffassen könnten, obwohl ich sie nie sagen würde, wenn das für mich eine Beleidigung wäre.

Mehr als jeden Angriff liebe ich ja Beleidigungen…

Was Sie angeht, wäre mir das nach ein paar Minuten ein wenig früh. Lassen Sie uns das parken. Wenn Sie ein Beispiel wollen: Eine Freundin von mir findet sich zu dick. Ist sie auch defintiv nicht. Ich finde diese Selbsteinschätzung albern, reite also gerne darauf herum. Sie versteht das, andere hätten mit dieser Art von Humor vielleicht Probleme.

Kai Sturm hat weiter gesagt, neben Ihnen müssten auch Ihre Eltern eine Menge richtig gemacht haben. Erzählen Sie doch ein wenig über die Atmosphäre, in die Sie hineingeboren wurden.
Meine Eltern waren sehr gesellige Menschen. Wir hatten stets viele Freunde da zum Essen oder waren auf Feiern. Mein Vater lebt ja nicht mehr. Die Bilder, die ich im Kopf habe, zeigen uns als Familie zum Beispiel bei gemeinsamen Essen bei befreundeten Familien. Ich bin ja in Langgöns bei Gießen aufgewachsen, dort waren viele Amerikaner stationiert. Meine Eltern waren in einem deutsch-amerikanischen Freundschafts-Club und hatten jedes Weihnachten immer einen Soldaten ohne Familie zum Feiern eingeladen. Also: Ich hatte eine einerseits sehr bodenständige und liebevolle Familie, andererseits gab es viel Geselligkeit, Kontakt und Austausch mit anderen.

Was hat denn Ihr Vater beruflich gemacht?
Er war Studienrat. Chemie und Bio. Mein Vater war ein sehr menschlicher Lehrer. Er hat immer die Wahl zum beliebtesten Lehrer gewonnen. Er hat seine Schüler beispielsweise auch mal nach Hause eingeladen. Er war im Naturschutzbund, da gab es die Vogelschutzhütte, und mein Vater hat im Sommer  mit Schülern gegrillt und gezeltet, er war wirklich ein toller Mensch und ein fairer Lehrer. Er hat Schüler immer als Menschen gesehen und nicht als die Kleine, die man unterwirft, wie es ja bei deutschen Lehrern viel zu oft der Fall ist.

Beruf und Beschreibung Ihres Vaters sind übrigens eine Parallele zum Vater von “DAS BO“ – auch ein menschlicher und fairer Lehrer.

Ja, das habe ich gelesen in Ihrem Interview. Vorher wusste ich das nicht. Bei “X Factor“ bleibt während der Produktion bis auf vielleicht ein Bier zum Feierabend kaum Zeit für Austausch und private gemeinsame Gespräche. Wir sind ja alle permanent konzentriert an der Arbeit.

Ihre Mutter war Hausfrau?
Nein: Früher hatte sie in der Forschung gearbeitet, dann mit zwei Kindern war sie Arzthelferin.

Was waren Ihre Schwester und Sie denn für Kinder?
Früher waren wir sehr unterschiedlich: Meine Schwester war früher sehr genügsam. Ich wollte schon früh etwas erleben, wollte raus in die Welt und auch schnell mein eigenes Geld verdienen.  Ich habe  mit schon mit zwölf Jahren Zeitungen ausgetragen für 2 Pfennig pro Stück. Als sie 18 war, habe ich ihr in Princeton bei NY eine Au-pair-Stelle organisiert. Da drehte sie total auf, fuhr nach New York und machte die Stadt unsicher, in dieser Zeit hat sie sich total verändert.  Inzwischen hat sie Pädagogik studiert und arbeitet für eine deutsche Fluggesellschaft.

Diese frühe Affinität zu den USA hat Sie auch dorthin gespült?
Ja, ich war das erste Mal mit zwölf in Amerika. Unsere Familie machte eine Rundreise. Zum Schluss blieben meine Eltern mit meiner Schwester an der Ostküste, und ich bin alleine zu einer Freundin meiner Mutter an die Westküste. Die hatte einen Sohn in meinem Alter, wir haben uns prächtig verstanden und uns in den darauffolgenden Sommern gegenseitig besucht. Irgendwann lernte ich im Flieger eine Familie kennen und begann eine Brieffreundschaft mit der Tochter der Familie. Das endete in einem Stipendium des Bundestages und des amerikanischen Kongresses für ein Austausch-Schuljahr bei dieser Familie in Kalifornien.

Haben Sie von Ihren Eltern irgendetwas gelernt, was Ihnen für Ihr Leben hat helfen können?
Ja: Es gab nie Bullshit bei uns. Wir waren immer gleichzeitig innig und ehrlich. Meine Eltern wussten immer alles von mir und umgekehrt. Das zum Beispiel war in meiner Gastfamilie in den USA anders: Dort wurde viel geheuchelt, es war ganz viel Schein, bei uns war das nie so. Diese Offenheit habe ich gelernt. Meine Mutter und mein Vater waren sehr unterschiedlich: Sie betonte auch mal die kritischen Aspekte, mein Vater sah die Dinge immer positiv, selbst noch während seiner schweren Krankheit vor seinem Tod. Beides habe ich von beiden gelernt. Die Dinge häufig zu  kritisch zu sehen und dann aber auch, ihnen entspannt und optimistisch zu begegnen.

Wann und woran ist denn Ihr Vater gestorben?
2007 an Krebs.

Hatten er -und Sie als Familie- eine lange Leidenszeit?
Das ging über drei Jahre, er ist mehrmals operiert worden. Nach der ersten OP ging es ihm zunächst wieder gut. Dann traten Rückenschmerzen auf, und die Ärzte sagten,  dies sei psychisch, weil er sich zu viel Sorgen mache. War aber nicht so, es waren Metastasen. Er hatte dann sehr große Operationen. Die Zeit war auch für mich schlimm: Mein Vater war immer derjenige, der gerne Gäste hatte, gerne kochte und aß. Er zog sich sehr zurück. Gerade er konnte durch die Chemo nichts mehr schmecken, und sein Leben veränderte sich immens. Das war furchtbar für mich, weil er einfach so hilflos war.

Wir kommen ja irgendwie auf diese Welt und sind schon mit unserer Geburt dazu verurteilt, den Löffel wieder abzugeben. Und irgendwie besteht unser ganzes Leben aus Geburt und Tod, Begegnungen und Trennungen. Die meisten Menschen verbringen die Zeit zwischen beiden “Polen“ damit, sich den zweiten Aspekt so wenig wie möglich anzuschauen. Bis es uns einholt. Viele Menschen der Medienbranche gehen in Gesprächen mit Themen von Tod und Trennung so um, wie Ihre amerikanische Host-Familie…
Ich nicht. Das war eine wirklich schwere Zeit damals. Zu versuchen, meinem Vater ein Stück seiner Lebensfreude zurückzugeben und dabei letztlich entsetzlich hilflos zu sein, das war hart. Mein Vater hat uns als Kinder von seinem Leid immer sehr verschont, um uns nicht zu sehr zu belasten. Er war einfach ein guter Mensch. Er hat während seiner schweren Krankheit häufig gesagt: „Ich will jetzt, dass Ihr Euer Ding macht. Jochen, Du sagst den Dreh jetzt meinetwegen nicht ab!“

Konnten Sie sich denn gut und klar von ihm verabschieden, oder ist irgendetwas unausgesprochen geblieben zwischen Ihnen?
Nein, da ist nichts offen geblieben.  Ich hatte nie offene Themen mit ihm, wir haben auch früher schon  immer alles geklärt. Ich persönlich kann übrigens generell gar nichts offen lassen. Ich möchte immer alles klären. Als ich kurz vor seinem Tod  nachhause kam, lag mein Vater im Bett, und es lief klassische Musik.  Mein Vater aber war ein Rocker: Ich habe ihm dann die Stones angemacht und ihm aus seinen Büchern vorgelesen, das hat ihm sehr gut getan. Natürlich hat gemerkt, wie traurig ich war. Wir haben uns gut verabschiedet.

Ich will Ihnen mal danken dafür, mit Ihnen in dieser Art so offen sprechen können. Das ist nicht selbstverständlich in der Welt von Headlines und polierten Oberflächen. Lassen Sie uns zum „anderen Pol“ zurückkehren – Begegnung oder Geburt. Wodurch entstand denn im Leben des jungen Jochen Schropp der Bezug zu Kunst, Darstellung und Medien?
Ich habe keine Ahnung! Ich habe bei Familienfesten immer schon ausgedachte Sketche aufgeführt, habe mich mit meiner Großcousine im Sommer getroffen, um gemeinsam  unsere Lieblingsbücher vorzulesen oder Radiosendungen nachzusprechen. Ich habe dann erfolgreich bei Lesewettbewerben mitgemacht.  Später brachten mir  meine Eltern eine Zeitungsanzeige: Das Gießener Stadttheater suchte Statisten. Die haben mich genommen. Mir ging es nicht ums Geld. Es gab, glaube ich, 10 DM pro Abend. Aber: Ich konnte dreimal die Woche einen Cheeseburger nebenan bei McDonald’s essen und auch noch 8 DM sparen! Das war cool. Später habe ich ein Schülerpraktikum bei Logo gemacht, musste um fünf raus, um mit der Bahn zum Lerchenberg zu fahren. Sie sind ja jemand, der stets nach Hintergründen und nicht nach der Chronik fragt, und da gilt der erste Satz: Wie das innerlich ganz genau entstand, wo es herkommt – keine Ahnung. Das war schon immer so und hat mir schon immer Freude gemacht. Meine zwei tollsten Weihnachten waren, als wir einmal eine Satellitenschüssel und ein anderes Mal einen Video-Recorder bekamen. Bei uns im Dorf gab es ja nicht einmal Kabel, und ich habe so lange Terror gemacht, bis die Schüssel da war: Weihnachten war für meine Eltern dann gelaufen, weil meine Schwester und ich uns “Stirb langsam“ 1-3 und “Ghostbusters“ anschauten und für nichts anderes zu gebrauchen waren.

Sie haben ein – wie “DAS BO“ – ein High School-Jahr in den USA gemacht. Haben Sie dort künstlerische Impulse ausgebaut?
Klar: Ich habe dort für die Zeitung geschrieben, im Chor gesungen, ich war Vice-President vom Drama-Club, habe in Musicals und Theaterstücken gespielt.

Später studierten Sie an Paul McCartney’s Liverpool Institute for Performing Arts. Wie war dieser Lebensabschnitt?
Sehr gemischt. Nachdem ich aus den USA zurückkam, habe ich Gesangs- und Sprechunterricht genommen. Meine Gesangslehrerin spielte am Broadway, ihr Mann arbeite für Disney Germany, so kam sie nach Deutschland. Sie sagte zu mir:  “Ihr Deutschen müsst immer erst einmal eine ordentliche  Ausbildung machen: Wenn Ihr fertig seid, seid Ihr festgefahren und beginnt zu spät mit Kreativem. Jochen, Du bist 18, bewirb Dich auf einer Schauspielschule, schau wie weit Du kommst. Hast Du Talent, war es gut: Hast Du keines, kannst Du mit 25 immer noch studieren.“ Meine Eltern haben zugestimmt, so kam ich nach England. Das war eine schwierige Zeit, ich habe versucht mich zu finden, in meinem Leben zu orientieren und zu definieren. Als ich nach England ging, war Liverpool damals noch nicht die Kulturstadt, die es heute ist. Die Clubs waren alle auf Studenten ausgerichtet, es fehlten die Unterschiede. “Den Grunge“, “den Techno“ gab es nicht mehr. Überall hingen dieselben Leute rum. Und dann: Ich war schon 20 und meine Kollegen waren 17. Mich nervte es, wenn ich montags in den Unterricht kam und meine halbe Projektgruppe hatte sich mit der Begründung abgemeldet, dass sie am Wochenende feiern waren. Ich mag England total gerne, aber ich habe als älterer Ausländer dort den Anschluss nicht so gefunden. Durch meinen Zivildienst hatte ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Meine jungen Mitstudenten weniger. Ich habe mich häufig einsam gefühlt. Gelernt allerdings habe ich dort sehr, sehr viel. Ich habe schon von dort damit begonnen, mich zu bewerben und bin dann bei RTL II gelandet und habe dort zur Millenium-Feier eine kleine Co-Moderation gemacht. Das hatte denen gefallen, und ich habe im Sommer drauf die Loveparade moderiert. So ging das los.

Dann kamen Schauspielrollen?
Ja, ich habe einer Schauspiel-Agentur Maria Schwarz ein viel zu langes Demo-Band geschickt, mit allem was ich jemals so gemacht habe. Aber Maria hat irgend etwas in mir gesehen. Sie hat mich sozusagen entdeckt. Mein erstes Casting war für “Sternenfänger“, und ich habe die Rolle bekommen. Dafür habe ich die Schule in Liverpool  abgebrochen und habe es bis heute nicht bereut. Ich bin mit meiner Kollegin Florentine Lahme (“Sternenfänger“, “Cobra11“, verschiedene Serien und Spielfilme, Anm.: Autor) zusammengezogen, seitdem lebe ich hier in Berlin.  Ich ufere ein wenig aus, oder?

Nein. Besser ausufern als absaufen.
Wir könnten das Interview ja auch Vox-mäßig über 12 Stunden führen…

…ja: zwei optimistische glutäugige Menschen wären immerhin von der Straße weg und einen halben Tag beschäftigt. Es gibt scheinbar einen engen Bezug zu ernährungspolitischen Themenfeldern: Im März 2005 spielten Sie  eine Rolle in der Komödie “Popp dich schlank“ und mussten dafür zwölf Kilogramm zunehmen.
Stimmt, aber nach drei Tagen war der Spaß am Essen vorbei. Jeden Tag jede Menge essen plus Astronauten-Nahrung. Das war schon auch hart.

Die Koch- & Fress-Achse ging weiter mit zwei Teilnahmen am VOX-internen Casting “Das perfekte Promi-Dinner“ und ab dem 16.10. moderieren Sie beim VOX die Geschlechterkampf Koch Show "Wer is(s)t besser?". Wo kommt denn dieser sinnliche Bezug zu Kochen und Essen her?
Vielleicht aus der Familie: Wir haben immer  gerne gekocht, gegessen und waren eine richtige Genussfamilie.

Ich rechne ja täglich damit, dass man beginnt, nun auch noch in der Tagesschau zu kochen. Ist das Genre nicht durchgenudelt?
Man kann sicherlich manche Kochformate in Frage stellen, aber solange die Zuschauer sie mögen, gibt es keinen Grund dafür. ‚Wer is(st besser?‘ ist in gewisser Weise auch eine Weiterentwicklung gewohnter Formate und bietet neue Ansätze.

Kotzen?
(lachend:) Nein. Ich war am Anfang auch erst skeptisch, habe mich aber vom Konzept überzeugen lassen und während der Sendung festgestellt, wie viel Spaß die doch macht. Bei uns wird nicht nur gekocht. Wir haben Quiz-Fragen und Spiele. Das alles hat etwas von den anarchistischen 80er-Jahre-Shows und macht wirklich viel, viel Spaß. Jede Runde hat drei Elemente: Eine Spielrunde, eine Quizrunde und eine Kochrunde. Zwei prominente Pärchen treten gegeneinander an – Männer gegen Frauen –, um in jeder der Runden Geld für das Publikum zu gewinnen. Vieles ist superalbern und macht Spaß wie auf einem Kindergeburtstag. Wer am geschicktesten ist bekommt das Geld. Einiges geht ja im deutschen TV wieder in Richtung unterhaltsamer Spiele-Shows, wie man sie in den 80er von Rudi Carrell kannte. Mir persönlich war es darüber hinaus auch wichtig, dass man über meine Gäste etwas erfährt und ein wenig herausbekommt, wie sie so ticken. Natürlich stellt sich eine Claudia Effenberg ein wenig mehr dar, als eine Isabell Varell. Aber wir wollen unsere Gäste ja auch so zeigen, wie sie wirklich sind!

Aprospros Kochen: Wann genau haben Sie denn das letzte Mal vor Wut gekocht?
Vorhin auf der Vespa. Hier in Berlin wird so viel gebaut, überall ist Stau, und alle flippen ständig aus. Autofahrer sind aggressiv, Fahrradfahrer auch.

Da dürfen die Vespa-Fahrer nicht zurückstehen.
Stimmt. Ehrlich: Zu fahren ist wirklich manchmal nervig. Gut, nun fahre ich einen Roller und schlängele mich ab und an mal vorbei. Aber deshalb fahre ich ihn ja.

Das überzeugt. Mit “X Factor“ haben Sie ja in der Moderation sehr großen Erfolg und sich qualitativ auch an etablierten Moderatoren anderer Wettbewerbsformate “vorbeigeschlängelt“. Was war  für Sie denn im Format das relativ angenehmste und was der bislang der relativ schwierigste Moment?
Angenehm ist ganz grundsätzlich, dass ich so sein darf, wie ich bin. Mir wird nichts von außen vorgegeben, ich muss keine Rolle spielen. VOX ist da sehr vertrauensvoll. Schwierig sind die permanenten Switches. Da triffst Du einen Jungen, der seine krebskranke Mutter verloren hat. Und auch, wenn Zuschauer denken: “Um Gotteswillen, schon wieder die Nummer mit einem schweren Einzelschicksal!“, ist es als Moderator eben doch sehr bewegend. Minuten später hast Du drei Kölsche Rapper, die abfeiern. Da habe ich schon manchmal geschluckt: Aus einer wirklich Berührung sehr schnell umzuswitchen, ist innerlich lange nicht so leicht, wie es im Fernsehen aussehen mag. Insgesamt war im letzten Jahr die Situation schwer: Das war meine erste, große Moderation, und im Gegensatz zur Schauspielerei, wo Du bei Licht-Umbauten immer wieder Momente der Ruhe hast, will bei der Moderation jeder etwas von Dir: verschiedene Gewerke, die ganze Zeit. Da ist es wichtig, jemanden zu haben, der einen auch mal abschottet. Insgesamt hat das gut funktioniert, auch wenn es Situationen gab, die mich manchmal an echte Grenzen brachten. Eine Umstellung war das schon.

TV als Branche, in der die Neurose für viele nach wie vor als Kernkompetenz gilt, bietet ja ein breites Spektrum an Produkten. Gibt es Formate, denen Sie sich zur Vermeidung professioneller Deformationen nicht öffnen würden?
Ja.

Schön, dass wir auch darüber noch haben sprechen können. 12 Stunden bekommen wir so nie zusammen.
Na ja: gescriptete Formate, die mit Laien-Darstellern Familien-Tragödien nachspielen, wären so ein Feld, dass ich nicht betrete.

Ich biete Ihnen zur kostenlosen Karriere-Unterstützung ein paar optionale Zukunftsthemen an, und Sie machen Ihren Daumen hoch oder runter: Sie machen den Dräger und moderieren eine Art Zonk. Voraussetzung wäre, vorher eine Nebenrolle in einem Porno absolviert zu haben.
Kann ich auch nur den Porno machen?

Auf diese Aggressivität einer Vespa-Fahrer-Antwort bin ich nicht vorbereitet. Nächste Option: Sie moderieren das “Aktuelle Sportstudio“.
Daumen runter: Ich verstehe nichts von Sport.

Motorroller-Rennen ausgenommen. Weiter: Sie gründen ein Promi-Restaurant und moderieren dort mit Daniel Hartwich zusammen einen Late-Night-Talk.
Sofort! Daniel Hartwich ist super. Mit dem würde ich das sofort machen. Oder mit Barbara Schöneberger. Die liebe ich.

Sie spielen den Hamlet oder Jedermann an einem renommierten Theater?
Davor hätte ich zu viel Respekt: Wenn Theater, würde ich erst einmal mit einem Boulevard-Stück beginnen wollen. Am liebsten am Renaissance-Theater hier in Berlin.

Christopher Lesko trifft Jochen Schropp (li.)

Sie sind ja für den Deutschen Fernsehpreis nominiert worden. Viele mögen Sie. Haben Sie auch Gegner oder Feinde?

Bestimmt. Ein Autor von der Süddeutschen zum Beispiel. Er hat mit mir vor Start von “X Factor“ ein Interview geführt und sinngemäß geschrieben, ich sei ein arroganter Fatzke, der versuchen wollte, nun in der Unterhaltung Fuß zu fassen. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, jemand findet mich richtig Scheiße, und ich weiß nicht einmal warum. Ich habe inzwischen für manches viel Lob bekommen. Seitdem komme ich bei ihm nicht mehr vor. Vielleicht ist ihm peinlich, sich mit einer falschen Einschätzung zu weit aus einem Fenster gelehnt zu haben. Die meisten Menschen allerdings sind freundlich zu mir. Anlässlich des Deutschen  Fernsehpreises in eine Reihe mit Großen wie Gottschalk gestellt zu werden, ist schon ein besonderes Gefühl. Mit Gegnern, böser Kritik oder gar Feinden habe ich insgesamt eher wenig Erfahrung. (Lachend) Vielleicht muss ich ja zu einem Therapeuten auf die Couch, wenn es zu viel wird, wer weiß?

Kennen Sie Angst? Wovor?
Ja, vor Krankheit. Und ich habe Angst vor dem Alleine-Sein. Einsamkeit und krank zu sein hängen häufig miteinander zusammen. Beides in Kombination wäre wirklich schlimm für mich.

Haben Sie einen Traum?
Mein Traum fängt ja gerade erst an. Was ich aktuell mache, war immer mein Traum. Vielleicht klingt das pathetisch: Aber, dass dies noch eine ganze Zeit so weitergeht, davon träume ich.

Vielen Dank für das Gespräch

Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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