„Lindenstraße“ gewinnt Quatsch-Preis der taz

Klingt gaga, ist aber preisgekrönt: Für den Satz "Wer auf Island zischt ein Bier, wird zur Elfe im Geysir" hat die "Lindenstraße" den Wahrheit-Unterbring-Wettbewerb der taz gewonnen. Die ARD-Serie hatte in Folge 1348 den Nonsens-Satz, der von der taz vorgegeben war, platziert. Seit Jahren vergibt die Tageszeitung aus Berlin regelmäßig eine Flasche Brandy an die Redaktion, die die schwachsinnige Formulierung in ihren Medien unterbringt. Preisträger der vergangenen Jahre waren die FAZ und die Zeit.

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Der Preis, der taz-intern auch Jieper-Preis bezeichnet wird, geht auf eine Idee der Redaktion im Jahr 2000 zurück. Damals hing an der Wand des Wahrheit-Büros der Nonsens-Satz "Wer Jieper hat, muss schmackofatzen". Auf der taz-Seite heißt es dazu: "Wochenlang überlegten wir, wie und vor allem wo der Satz in irgendeinem Text unterbracht werden könnte, bis wir endlich auf die Idee kamen, dass das doch bitteschön andere Presseorgane für uns übernehmen sollten. Der Wahrheit-Unterbring-Wettbewerb war geboren." Seitdem wird in unregelmäßigen Abständen eine Flasche Brandy, redaktonsintern auch als "große Ente" bekannt, an die Redaktion vergeben, die dem taz-Quatsch den besten Raum bieten.
Der erste Jieper-Preis ging an FAZ-Autor Dr. Alfons Kaiser. Er brachte den Satz in einem Artikel über den ehemaligen Finanzminister Hans Eichel unter. Im zweiten Wettbewerb 2004 ging es dann um folgenden Nonsens-Preis "Wer kalift, muss mutaboren". Wieder bewies ein FAZ-Autor das beste Einfallsreichtum. Axel Wermelskirchen heimste "Die große Ente" für das Märchen mit dem Titel "Beim Barte des Mutabors" ein.
2006 lautete der Satz "Beim Wullacken niemals mit dem Mottek wackeln" in Anspielung an die Zwillinge Kaczynskis, die damals an der Staatsspitze Polens waren. Sieger war der Umschau-Verlag aus Neustadt/Weinstrasse, der den Blödsinn in einem Kartoffeln-Kochbuch verwurstete. Zuvor hatte die taz in einem Wahrheit-Kommentar die beiden Brüder als "Kartoffeln" bezeichnet.  
Zwei Jahre später machten die taz-Redakteure das Präsidentenwahljahr in den USA zum Gaga-Thema und schrieben den Satz "Wer einmal mit Obama pennt, gehört schon zum Establishment" für den Wettbewerb aus. Das Berliner Stadtmagazin Zitty wurde damals zum Sieger gekürt. Die Redaktion hatte den Satz in ein Foto montiert.
Dass auch die Zeit Platz für Kokolores hat, bewies sie im vergangenen Jahr. Urs Willmann brachte den Satz "Der Tango macht den Gaucho heiß, wie jedes Rind der Pampa weiß" in einem Artikel für das Ressort Wissen unter – aber nicht auf ganz ehrliche Art. Und zwar legte er den Gaga-Satz dem 1948 gestorbenen Naturforscher Arnold Schultze in den Mund.   
Mit der "Lindenstraße" hat es erstmals eine Fernsehsendung geschafft, den Wahrheit-Unterbring-Wettbewerb zu gewinnen. Die Flasche Brandy wird ihnen am kommenden Samstag traditionell beim Wahrheitklub-Treffen auf der Frankfurter Buchmesse überreicht. Die Macher der ARD-Serie bauten den Satz aber nicht in einen Dialog ein, sondern geschickt in eine im Hintergrund laufende Nachrichtensendung.

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