Akuter Jacken-Notstand beim WDR

Der Westdeutsche Rundfunk ist die größte und reichste Anstalt der ARD. Aber auch dort gibt es Probleme. Diese Woche berichtete der Express, dass der WDR seit eineinhalb Jahren vergeblich nach neuen Jacken für Außendienstmitarbeiter sucht. Und sonst: Die TV-Version der Auflagen-Rakete Landlust könnte eine gute Sache sein. Preis.de hat die Werbe-Versprechen der aktuellen Media-Markt-Kampagne überprüft, und eine S-Bahn-Fahrt bot die Gelegenheit zur Mikro-Marktforschung zur Zukunft der Zeitung.

Anzeige

Armer, reicher WDR. Der größte Sender im ARD-Verbund hat Probleme, seine Außendienst-Mitarbeiter (Reporter, Kameraleute) mit schicken, neuen Jacken auszustatten. Das Online-Fachorgan für alles Kölsche, Express.de, berichtet diese Woche darüber, dass der WDR seit nunmehr eineinhalb Jahren vergeblich nach Jacken sucht, die den hohen öffentlich-rechtlichen Ansprüchen gerecht werden. Eine Sprecherin des Senders wird folgendermaßen zitiert: „Die Jacken müssen sicherheitstechnische und ergonomische Ansprüche erfüllen. Die bisherigen funktionalen Wetterschutzjacken entsprechen nicht mehr den geltenden Arbeitsschutzbestimmungen.“ Man könnte sich ja womöglich bei der Zoch-Berichterstattung einen Zug holen! Gerade im Raum Köln müssen die neuen WDR-Wunderjacken sicher auch verschärftem Kamellen-Beschuss standhalten und über eine Alkohol abweisende Teflon-Beschichtung verfügen.

Die Print-Auflagenrakete der vergangenen Jahre, Landlust, kommt ins Fernsehen. Der NDR zeigt ab 2. Dezember jeden ersten Sonntag im Monat “Landlust TV”. 90 Minuten soll die Sendung dauern und von der Redaktion der Zeitschrift beraten werden. Thema der ersten Ausgabe: die Vorweihnachtszeit. Während ein Versuch mit der Sendung “…ins Grüne! Das Stadt-Land-Lust-Magazin” bei Sat.1 gefloppt ist, könnte die Fernseh-Landlust beim NDR durchaus erfolgreich sein. Erstens ist hier kein so großer Quotendruck da und zweitens passt die ältere Zuschauerschaft des NDR wahrscheinlich auch besser zum gereiften Landlust-Lesepublikum. Landlust TV ist jedenfalls mal ein begrüßenswertes öffentlich-rechtliches TV-Projekt.

Media Markt hat sich mit seiner neuen Kampagne ganz schön vergaloppiert. In einem wirren TV-Spot und mit ganz, ganz vielen Plakaten will der Elektro-Markt uns eintrichtern, dass er jetzt gegen den “Preis-Irrsinn” aus dem bösen Internet kämpft. Sophie Thurow von der Preisvergleichs-Website Preis.de hat sich dankenswerter Weise die Mühe gemacht und das Werbeversprechen vom “klaren Preis” bei Media Markt in der Realität überprüft. Das Ergebnis ist so vorhersehbar wie ernüchternd: Einzelne Media-Markt-Filialen unterscheiden sich nach wie vor teilweise drastisch in den Preisen für dieselben Produkte und sind tendenziell immer noch deutlich teurer als Angebote von seriösen Online-Anbietern. Mal sehen, wie lange Media Markt den Werbe-Irrsinn mit dem Preis-Irrsinn noch durchzieht.

Diese Woche habe ich die Buchmesse in Frankfurt besucht. Solche Ausflüge sind auch immer lohnenswert, weil man in öffentlichen Verkehrsmitteln den Medienkonsum von Otto Normalverbraucher on the go studieren kann. Folgenden kleinen Dialog zwischen zwei Mitreisenden habe ich in der Frankfurter S-Bahn bei der Abfahrt von der Buchmesse aufgeschnappt:
“Was haben die Leute bloß gemacht, als es noch keine Handys gab?”
“Da haben sie halt viel mehr Zeitung gelesen…”
Mikro-Marktforschung in der S-Bahn.

Schönes Wochenende!

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige