Der „lässige“ Fit for Fun-Relauch

Der Turnaround scheint jetzt schon geglückt: Denn bei den kommenden IVW-Print-Auflagen wird Burdas Fit for Fun erstmals seit über zwei Jahren den Auflagenschwund gestoppt haben. Die Stabilisation der Verkäufe ist nur der erste Schritt, denn ab dem heutigen Donnerstag liegt eine vom neuen Chefredakteur Alexander Steudel komplett überabeitete Ausgabe des Fitness-Lifestyle-Magazins am Kiosk. Sein wichtigster Auftrag dabei: Der Ausbruch aus dem engen Konzept-Korsett des stärker, schöner, schlankers.

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Andreas Mayer, der Geschäftsführer der Burda News Group formuliert eine ganz klare Ansage an seinen Chefredakteur: "Meine Erwartung ist, dass Alexander Steudel mit seinem Team einen neuen Wurf für Fit for Fun hinlegt, mit dem die Marke spannend und zeitgemäß interpretiert wird." Neben klaren Style-Highlights sollen auch endlich wieder mehr männliche Leser zurückgeholt werden.

Das frische Fit-Cover (re.) und die neue Seite drei

Exakt zu diesen Direktiven hat Steudel einen passgenauen Relaunch hingelegt. Denn bereits beim Blick auf das neue Cover wird klar: Die Fit ist maskuliner und stylischer geworden. Dafür steht das eher männliche Titelthema "Fitness 3.0". Für den Style sorgt eine für Fitnesshefte ungewöhnliche Titelfotografie, die auf mehr Natürlichkeit setzt. "Das Heft war einfach zu clean“, sagt Steudel gegenüber MEEDIA. "Eine schöne heile 90er-Jahre Welt. Nur dass sich längst die Zeiten geändert haben."
Ganz bewusst hat sich der Blattmacher, der vor wenigen Monaten erst von Springers Sport Bild zur Verlagsgruppe Milchstrasse wechselte, gegen das obligatorische Mädchen in Bademode entschieden. "Am Anfang habe ich am Kiosk erst einmal alle Titelseiten der Wettbewerber durchgesehen. Auf den meisten sind Frauen in Bikinis zu sehen und im Heft findet man dann keine einzige mehr. Das sorgt für eine gewisse Produktenttäuschung. Das will ich nicht."
Steudel will ein Magazin produzieren, in denen überwiegend Menschen zu sehen sein werden, mit denen sich der Leser identifizieren kann. "Ich will ein Heft machen für Menschen, die auf sich achten, Sport treiben und lässig angezogen sind, ohne dass sie ständig auf ihre Essgewohnheiten achten, den ganzen Tag trainieren und nur sündhaft teure Designerklamotten einkaufen müssen."
Ganz praktisch bedeutet dies, dass das überarbeitet Heft mehr auf Mode und Lifestyle Wert legt und sich zudem mehr mit den kommenden Trends beschäftigt. So ist die Titelgeschichte extrem technik-lastig, eine große Modestrecke konzentriert sich auf einen natürlichen und entspannten Chic und zeigt Freizeitkleidung anstatt Trainingshemden. Der Kernkomptenz wird mit einen großen Laufschuhtest Rechnung getragen, und für die obligatorischen Work-Out-Tipps sorgt diesmal Star-Kicker und Bayern-Stürmer Mario Gomez.

Die Titelgeschichte "Fitness 3.0". Die wichtigsten neuen Seiten, sehen Sie in der MEEDIA-Galerie zur überarbeiteten Fit for Fun

Ein echtes Magazin-Vorbild für die neue Fit for Fun gab es nicht. Vielmehr gibt es einzelne Elemente aus anderen Zeitungen und Zeitschriften, die der Chefredakteur hofft, ein wenig einbauen zu können: "Der Witz der Süddeutschen Zeitung. Und die Fähigkeit von Neon, Geschichten so zu erzählen, dass die Leser sich gar nicht erst fragen, ob Mann oder Frau angesprochen wird."
Ein weiterer wichtiger neuer redaktioneller Ansätze war: Möglichst nicht zu viele Infos liefern, die man auch einfach mit wenigen Klicks im Web bekommt. "Wir haben in unsere Redaktion so viele phantastische Fachleute, von studierten Ökotrophologen bis hin zu ehemaligen Leistungssportlern. Das ist eine Kompetenz, die wir künftig noch viel stärker spielen wollen."
Sowohl Steudel, wie auch Mayer gehen ganz realistisch an das Thema Relaunch. Für beide wird die Rennovierung des Fitness-Klassikers nur dann ein Erfolg, wenn auch die Auflage weiter steigt. Im zweiten Quartal 2011 verkaufte das Burda-Magazin 167.985 Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Minus von zwölf Prozent. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre gingen sogar 35 Prozent verloren.
Dieses happige Minus will auch der Geschäftsführer nicht leugnen. Passend zum Segment spricht er aber lieber von einer „Formkrise“. „Die bisherigen kleineren Taktikveränderungen haben nicht ausgereicht, daher ist jetzt ein mutiger, größerer Schritt notwendig. Die Vielzahl der neuen Wettbewerber hat ihr übriges dazu beigetragen, da die Käufer natürlich auch gerne Neues ausprobieren, insbesondere dann, wenn sich die Titelthemen zwischen den Wettbewerbern kaum unterscheiden“, sagt Mayer in Richtung der vielen Neulige im Segment wie Woman`s Health.
Von dem geplanten McFit-Magazins Loox bekommt der Burda-Manager erst einmal keine schlaflosen Nächte. "Neue Wettbewerber sollte man per se zunächst einmal ernst nehmen. Anlass zur Sorge sehen wir allerdings nicht, da sich das neue Magazin von McFit nach unserem derzeitigen Informationsstand eher im engeren Raster von Fitnessübungen und Ernährung zu bewegen scheint." Seine Fit dagegen will jetzt mit mehr Nutzwert, Hintergrund und Lebensgefühl punkten. Angesprochen werden soll "die stetig wachsende Zielgruppe des Urban Fitness-Styles: Menschen, für die sich Sport und Fitness in Verbindung mit einer gesunden Ernährung und einem lässigen Chic zu einem modernen, selbstverständlichen Lebensstil formt".
Wenn man den Chefredakteur fragt, wie die neue Fit for Fun werden soll, bekommt man eine klare und knappe Antwort: "lässig". 

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