Buchmesse: die große E-Verwirrung

Herbstzeit ist Buchmesse-Zeit. Und wie jedesmal in den zurückliegenden Jahren steht auch diesmal die Frankfurter Buchmesse “im Zeichen des E-Books”. In den Medien wird ein “Siegeszug der E-Books” vermeldet, “Leser stehen unter Strom”, “das digitale Zeitalter bricht an” und das “Buch von Morgen” wird bejubelt. Gleichzeitig veröffentlicht das Marktforschungsunternehmen GfK eine Studie, laut der E-Books in Deutschland weiter ein Nischendasein mit 0,7 Prozent Marktanteil führt. Ja, was denn nun?

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Herbstzeit ist Buchmesse-Zeit. Und wie jedesmal in den zurückliegenden Jahren steht auch diesmal die Frankfurter Buchmesse “im Zeichen des E-Books”. In den Medien wird ein “Siegeszug der E-Books” vermeldet, “Leser stehen unter Strom”, “das digitale Zeitalter bricht an” und das “Buch von Morgen” wird bejubelt. Gleichzeitig veröffentlicht das Marktforschungsunternehmen GfK eine Studie, laut der E-Books in Deutschland weiter ein Nischendasein mit 0,7 Prozent Marktanteil führt. Ja, was denn nun?

Die gegensätzlichen Signale, die in Sachen E-Book von der Frankfurter Buchmesse ausgehen, kommen nicht von ungefähr. Sie sind vielmehr Symptom einer tiefen Zerrissenheit der Branche. Einerseits gibt man sich gerne hochmodern, bietet billige E-Book-Reader feil, stellt YouTube-Videos ins Netz und kündigt iPhone Apps an. Andererseits will man sich das schöne Geschäft mit teuren Hardcover-Büchern und Taschenbüchern inklusive Buchpreisbindung nicht kaputt machen. "You can’t have the cake and eat it", heißt es im Englischen. Die Botschaft muss bei den Buch-Managern wohl erst noch ankommen.

Die zur Buchmesse aktualisierte GfK-Studie zur E-Book-Nutzung in Deutschland dürfte der nüchternen Realität dabei näher sein als die aktuell verbreiteten Jubel-Meldungen der Verlage und Buchhandelsketten. Werfen wir einen Blick auf die neuen GfK-Zahlen: Demnach lag der Marktanteil von E-Books am gesamten deutschen Buchmarkt im ersten Halbjahr 2011 bei 0,7 Prozent, was knapp 13 Mio. Euro entspricht. Im Vorjahr waren das noch 0,5 Prozent. Der Marktanteil ist also gestiegen aber in homöopathischer Dosierung, die in keiner Weise dem Hype gerecht wird, der um die neue Leseform gemacht wird.

Im Ausland sieht das schon ganz anders aus. Laut Buchreport ist der Marktanteil von E-Books in den USA zwischen 2008 und 2010 von 0,6 auf 6,4 Prozent gestiegen. In Großbritannien liegt der Marktanteil aktuell ebenfalls bei über 6 Prozent. Laut GfK besaßen im Juli dieses Jahr knapp 800.000 Deutsche einen E-Reader. Im Januar seien es noch 380.000 gewesen. Rechnet man dazu noch potenzielle E-Leser mit Tablets, erhält man eine theoretische Reichweite für E-Books von rund 1,5 Mio. Personen. Immerhin kauften die deutschen E-Book-Leser im ersten Halbjahr 2011 1,4 Mio E-Books. Das sind bereits 60 Prozent des gesamten Vorjahresgeschäfts.

Interessant ist auch, was die Leute so an E-Books konsumieren. Vor einigen Jahren seien die meist verkauften E-Books hierzulande noch Infotainment-Titel, Reisebücher, Ratgeber und Sachbücher gewesen. Seit Weihnachten 2010 hat sich das laut GfK fundamental geändert. Seither sind 80 Prozent der verkauften E-Books der Belletristik zuzuordnen. Vor allem leichte Unterhaltung ist auf E-Readern gefragt, also Thriller, Science-Fiction und Fantasy-Literatur. Bei gedruckten Büchern liege der Anteil an Unterhaltungsliteratur dagegen “nur” bei rund 50 Prozent.

Der E-Book-Markt in Deutschland wächst also langsam, aber er wächst. Und das trotz nach wie vor widriger Rahmenbedingungen. Immer noch sind zahlreiche populäre Titel überhaupt nicht als E-Book zu haben. Immer noch werden für die rein digitalen E-Books viel zu hohe Preise aufgerufen, die viel zu dicht an den Preisen der gedruckten Bücher liegen, immer noch gibt es eine ärgerliche Format-Verwirrung mit unterschiedlichen Kompatibilitäten von E-Pub mit oder ohne Adobe-Kopierschutz bis zum Amazon-exklusiven Kindle-Format, immer noch fehlt es an mutigen Ideen und Initiativen (digitale und gedruckte Bücher im Doppelpack, E-Book-Ausgaben mit Zusatz-Inhalten etc.). Diese Missstände anzugehen wäre aus Kundensicht tausendmal wünschenswerter als den x-ten technisch minderbemittelten Billig-E-Reader auf den Markt zu werfen (Hallo, Weltbild!?).

E-Books verbreiten sich in Deutschland also nicht wegen, sondern eher trotz des Engagements von Verlagen und Händlern. Aber auch das kann man ja als gutes Zeichen werten.

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