„Tatort“: solide schwäbische Krimikost

Der neueste Stuttgarter "Tatort" beginnt mit einem ziemlich kreativen Mord. Ein Radlader bohrt seine Schaufel in einen Baucontainer und den darin arbeitenden Mann. Die Kreativität wird in den folgenden 85 Minuten zwar nicht mehr erreicht, doch spannend ist "Das erste Opfer", der neunte Fall für die Kommissare Lannert und Bootz, allemal. Dass er dennoch nicht zu den besten "Tatorten" gehört, liegt auch an einigen nervigen und an Irrelevanz nicht zu toppenden Nebenhandlungssträngen.

Anzeige

Das Opfer des kreativen Radlader-Mordes ist Bauunternehmer Detlef Börner. Kurz vor seinem Tod rief er einen alten Studienfreund an. Warum, kann der sich nicht erklären. Er habe seit mehr als zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu Börner gehabt. Doch Michael Joswig verschweigt etwas. Das wird um so deutlicher, als ein zweiter Mord begangen wird, wieder an einer Person, die Joswig aus seiner Vergangenheit kennt. Wird Joswig das nächste Opfer? Oder hat er gar etwas mit den Morden zu tun?

Ohne zu viel vorweg zu nehmen, wird die eigentliche Krimihandlung sehr stringent, mit viel Spannung und einer durchaus überraschenden Auflösung erzählt. Dass Menschen mit Liebe zum Detail am Werk waren, erkennt man auch an Gimmicks wie dem Nummernschild des Autos, mit dem der zweite Mord begangen wird – oder soll "S-AM 777" etwa ein Zufall sein? Wohl eher eine Reminiszenz an den US-Serienkiller David Berkowitz alias "Son of Sam", der im Sommer ’77 gewütet hat.

Dass "Das erste Opfer" dennoch nur ein ordentlicher und kein exzellenter Krimi geworden ist, hat mit den Nebenhandlungen zu tun. Da ist zum Beispiel Assistentin Nika, die als eine Art CSI-Ermittlerin für Arme auftritt und lächerlicherweise beim Rekonstruieren einer Anrufbeantworter-Nachricht eine Schutzbrille trägt. Oder der angebliche Psychoterror gegen Kommissar Lannert (Richy Müller), der sich am Ende als erbärmlicher Schülerstreich entpuppt. Oder der Handlungsstrang um Kommissar Bootz (Felix Klare), dessen Frau ein paar Tage nicht da ist und den die Situation "allein mit den Kindern zu Haus" etwas überfordert – auch dieser Strang ist komplett überflüssig.

Die Irrelevanz der Nebenhandlungen ist um so ärgerlicher, als gerade diese Teile in den ersten "Tatorten" mit dem Stuttgarter Team so spannend waren und neugierig machten. Lannerts dunkle Vergangenheit, das Hin und Her zwischen ihm und seiner Nachbarin – all das spielt in "Das erste Opfer" keine Rolle. Will sich der Stuttgarter "Tatort" auch in Zukunft von der Masse abheben, muss er wieder zulegen – sonst droht das Mittelmaß.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige