Wenn Vettel siegt, gewinnt auch Pirelli

Niemand zweifelt mehr daran, dass Ausnahme-Talent Sebastian Vettel in der Formel 1 zum zweiten Mal in Folge Weltmeister wird. Vor dem anstehenden Rennen in Suzuka braucht der 24-Jährige nur noch einen Punkt, um sich den Titel zu sichern. Doch es gibt einen weiteren großen Gewinner: Reifen-Hersteller Pirelli. Der italienische Konzern, der die Formel 1 nach dem Ausstieg der Konkurrenten Bridgestone und Michelin seit 2011 exklusiv beliefert, landete mit seinen Reifen einen PR-Coup.

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Formel 1-Experten haben seit Jahrzehnten für die Spezial-Reifen der Hightech-Renner einen Begriff geprägt: das "schwarze Gold". Wie Motoren und Chassis entscheidet die richtige Reifen-Wahl über den Erfolg auf der Rennstrecke. Doch nach der Stagnation vergangener Jahre, als die Teams von unterschiedlichen Herstellern beliefert wurde, gibt es inzwischen nur noch ein Unternehmen, das den Zuschlag des Weltverbands FIA erhält. Seit dieser Saison ist dies Pirelli, und anders als früher müssen die Italiener kein Geld mitbringen, sondern werden für die Entwicklung der Gummimischungen mit Millionenbeträgen entlohnt.
Neben einer Reihe von Regeländerungen, die von der FIA 2011 umgesetzt wurden, zählt auch eine besondere Anforderung an den Reifenhersteller, die wie die übrigen Neuerungen dazu beitragen sollten, die in den letzten Jahren zum Teil ereignisarm geratenen Rennen zu beleben. Das ist gelungen: Die Formel 1 hat sich in dieser Saison mit spannenden Rennen und vielen Überholmanövern nahezu neu erfunden, wozu auch die Auswahl der Gummis mit verschiedenen Mischungen (von supersoft bis hart) beigetragen hat – die Unterschiede in den Rundenzeiten waren je nach Reifen-Wahl enorm, entsprechend groß war die Zahl der Überholmanöver.
Im Kalkül von Pirelli liegt es dabei, den Image-Gewinn buchstäblich auf die Straße bringen. Anfang September stellte der Konzern mit großem Brimborium in Mailand einen Formel 1-nahen "Serienreifen" vor – den P Zero Silver, laut Hersteller der erste Reifen, der direkt technische und optische Elemente aus der Formel 1-Produktion übernimmt. "Technologie-Transfer" nennt der Hersteller das.
Pirelli-typisch fand die Präsentation natürlich nicht in der Garage an einer Teststrecke statt, sondern in den zeitgenössischen Kunsträumen des Hangar Bicocca im Zentrum der Stadt. Besucher wurden zunächst von einem virtuellen Regenwald mit Musikuntermalung inspiriert, bevor neben den üblichen Top-Managern und Vertretern der Formel 1 (u.a. Ex-Weltmeister Jenson Button) auch Vorträgen eines Wirtschaftsökonoms und einer Schauspielerin lauschen durften.
Bei soviel Nachhaltigkeit blieb nur eins auf der Strecke: der neue Reifen, den es weder zu sehen noch anzufassen gab. Das, versicherten die Veranstalter, sei gerade das Konzept: Man wolle die Spannung vor der Einführung des P Zero Silver erhöhen. Auch der Preis Hightech-Pneus wurde (wohl aus gutem Grund) nicht genannt – Pirellis Bester wird einem kleinen Kreis von gut Betuchten vorbehalten sein, wenn er im Frühjahr nächsten Jahres zu erwerben ist. Mindestens 19 Zoll-Felgen sind Voraussetzung, damit der P Zero überhaupt montiert werden kann.

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