Die miese Zwischenbilanz der ARD-Talks

Der historische Minusrekord, den Das Erste im September bei den Monats-Marktanteilen erdulden musste, ließ es schon vermuten. Eine detaillierte MEEDIA-Quoten-Analyse der fünf ARD-Talks zeigt nun: die neue Programmstruktur mit fünf Talkshows wird vom Publikum bisher noch überhaupt nicht angenommen. Einzig "Günther Jauch" konnte mit seinen ersten vier Sendungen überzeugen, die anderen vier Gesprächsformate verloren im Vergleich zum Vorjahr zum Teil dramatisch.

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Für unsere Analyse haben wir sämtliche Zuschauerzahlen der bisher nach den Sommerpausen gelaufenen Ausgaben der fünf ARD-Talks ausgewertet und Durchschnittswerte gebildet. Diese setzen wir ins Verhältnis zu den entsprechenden Startzahlen des Vorjahres und zu den ARD-Normalwerten. Aus diesen Daten haben wir schließlich ein Ranking der fünf Shows gebildet, bei dem die Marktanteile das wichtigste Kriterium waren:

1. "Günther Jauch"
Der Neuzugang im ARD-Talkteam ist gleichzeitig der einzige, der bisher überzeugen konnte. Mit durchschnittlich 4,63 Mio. Zuschauern erreichte Jauch in den ersten vier Sendungen einen starken Marktanteil von 17,0%. Die Vorlagen des "Tatorts" konnte Jauch damit deutlich besser verwandeln als "Anne Will" auf dem gleichen Sendeplatz vor einem Jahr. Sie erreichte mit ihren vier Sendungen nach der Sommerpause 2010 nur 3,72 Mio. Seher und 13,6%. Auch im jungen Publikum ist Jauch erfolgreicher als Will vor einem Jahr: mit 0,94 Mio. 14- bis 49-Jährigen (7,8%) gegenüber 0,61 Mio. (5,1%). Die 7,8% reichen sogar, um den 12-Monats-Durchschnitt des Ersten (6,6%) zu übertreffen – für Polit-Talks in der jungen Zielgruppe eine Seltenheit.

2. "Anne Will"
Obwohl sie nun auf einem ganz anderen Sendeplatz zu sehen ist, konnte sich "Anne Will" von den vier Talkmastern, die vor einem Jahr schon dabei waren, am besten halten. 1,52 Mio. Leute schalten ihre Show am späten Mittwochabend durchschnittlich ein – ein Marktanteil von 10,5%. Damit liegt sie erwartungsgemäß deutlich unter den Zahlen ihrer Sonntags-Sendungen (3,72 Mio. / 3,6%), allerdings auch klar unter den ARD-Normalwerten der vergangenen 12 Monate (12,5%). Als Erfolg kann ihre Sendung also trotz des zweiten Platzes nicht verbucht werden. Das gilt auch für das junge Publikum, wo 0,28 Mio. 14- bis 49-Jährige nur für 4,2% reichen.

3. "Menschen bei Maischberger"
Vor einem Jahr hatte Sandra Maischberger zu diesem Zeitpunkt mit 13,7% sogar den besten Marktanteil der vier ARD-Talks, nun liegt sie mit nur noch 10,3% auf Platz 3. Das Minus von 3,4 Prozentpunkten ist um so ärgerlicher, als Maischberger als einzige ihren Sendeplatz am späten Dienstagabend behalten durfte. Ihre durchschnittliche Zuschauerzahl liegt nach sechs Sendungen derzeit bei 1,49 Mio. – vor einem Jahr bei 1,77 Mio. Im jungen Publikum verlor Maischberger ebenfalls – von 0,41 Mio. (6,9%) auf 0,27 Mio. (4,2%).

4. "Hart aber fair"
Frank Plasberg konnte seine absolute Zuschauerzahl von 3,13 Mio. (Herbst 2010) auf 3,14 Mio. (Herbst 2011) sogar leicht ausbauen, allerdings läuft seine Sendung nun ja auch wesentlich früher, nämlich montags um 21 Uhr, statt mittwochs um 21.45 Uhr. Der Marktanteil stürzte daher von 13,0% auf 10,3% und damit ebenfalls deutlich unter die ARD-Normalwerte. Bei den 14- bis 49-Jährigen fiel "Hart aber fair" von 5,2% auf 3,9% – den schlechtesten Marktanteil der fünf ARD-Talks in dieser Zielgruppe.

5. "Beckmann"
Der große Verlierer der ARD-Talk-Reform ist eindeutig "Beckmann". Bei seinem Sendeplatzwechsel vom Montag, 22.45 Uhr, auf den Donnerstag, 22.45 Uhr, stürzte sein Marktanteil von soliden 12,2% auf miserable 8,0% herab. Damit liegt er am deutlichsten unter den ARD-Normalwerten. Von den 1,69 Mio. Zuschauern, die "Beckmann" mit den ersten sechs Sendungen nach der Sommerpause 2010 erreichte, sind nur noch 1,09 Mio. übrig. Auch im jungen Publikum ging es nach unten: von 0,33 Mio. (5,2%) auf 0,27 Mio. (4,2%).

Fazit:
Um es deutlich zu formulieren: Die Talkreform der ARD ist bisher ein gigantischer Misserfolg. Alle vier Sendungen, die es auch vor einem Jahr schon gab, haben massiv Zuschauer bzw. Marktanteile verloren. Ob es der Talk-Overkill ist, oder das wilde Wechseln der Sendeplätze – das Publikum bleibt weg. Einziger Lichtblick: der Transfer von Günther Jauch zur ARD hat sich gelohnt. Seine Sonntagabend-Show hält bisher deutlich mehr "Tatort"-Zuschauer im Ersten als Anne Will vor einem Jahr. Sollte bei den anderen vier Formaten aber nicht bald ein Aufschwung einsetzen, muss sich der Sender dringend etwas einfallen lassen.

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