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Visionär Steve Jobs: einer „wie Mozart und Picasso“

Steve Jobs:  Apple-Gründer und Techpionier
Steve Jobs: Apple-Gründer und Techpionier

Mit dem Tod von Steve Jobs geht eine Ära zu Ende: Dem visionären Apple-Gründer, der zwischenzeitlich aus dem eigenen Unternehmen vertrieben wurde, ist die größte Turnaroundstory in der Wirtschaftsgeschichte gelungen, die er mit Apples Aufstieg zum wertvollsten Unternehmen der Welt krönte. Die Welt verneigt sich heute vor dem größten Erfinder und Manager seit dem Zweiten Weltkrieg. Steve Jobs gelang alles – selbst aus dem Scheitern zog er Kraft. Ein Nachruf auf die größte Ikone unserer Zeit.

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Es ist der Tag, den seit Jahren niemand wahrhaben wollte, Apple-Anhänger schon gar nicht: Steve Jobs ist tot. Die Technologiebranche verliert den kreativsten Kopf, den sie vermutlich je gesehen hat. Steven Paul Jobs veränderte die Welt unserer Tage maßgeblich, wie auch US-Präsident Obama herausstellte: „Steve Jobs ist eine seltensten Heldentaten in der Menscheitsgeschichte gelungen: Er hat die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, verändert.“

Die Huldigung könnte größer nicht sein. Doch was ist das größte Vermächtnis, das Steve Jobs hinterlässt: das iPhone, der größte Verkaufserfolg eines Technologieproduktes aller Zeiten? Das iPad, das am schnellsten wachsende Technologieprodukt aller Zeiten, das sich anschickt, den Erfolg des iPhones zu übertreffen? Der Macintosh, mit dem vor 27 Jahren die Neuzeit des Personal Computings begonnen? Oder am Ende der Ufo-Campus, der der Nachwelt auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte verdeutlichen soll, welches Königreich Apple mit seiner iWelt erschaffen hat?

Vielleicht ist die Dimension am Ende aber noch eine andere – nämlich die, die eines Shakepearschen-Drama würdig wäre, weil sie epische Anleihen hat: Jobs’ eigene Geschichte von rasantem Aufstieg, tiefem Fall, unglaublichem Erfolg im zweiten Anlauf, um dann auf dem Gipfel von höheren Mächten – nämlich dem eigenen Körper – gestoppt zu werden.

Quantensprung unserer digitalen Zeit

Steve Jobs ist der Thomas Edison, der Henry Ford unserer Zeit – er hat mit Apple einen Technologiekonzern geschaffen, wie ihn sich der Verbraucher in seiner Einfachheit immer gewünscht hat, seit die IT-Branche versucht, mit Hard- und Software das Berufs- und Alltagsleben zu verbessern. Wie unglaublich sperrig und lebensfeindlich wirkten noch die staubigen PCs der 90er Jahre, wie beschränkt die Handy-Welt vor dem ersten iPhone. Die Eleganz und Ästhetik, die seine Produkte stets umgab, war es wohl, die US-Blogger und Web-Investor Marc Andreessen konstatierten ließ, dass Steve Jobs „der Beste der Besten“ gewesen sei: einer „wie Mozart und Picasso“.

Mit Steve Jobs ist der PC zunächst als bunter iMac zum wohl gelittenen Begleiter geworden – zu einem Arbeitsgerät, von dem Springer-Chef Mathias Döpfner einst sagte, er lasse seine Mitarbeiter den Arbeitsalltag mit vielleicht etwas mehr Motivation beginnen. Und so wie die Macs die Arbeitswelt angenehmer gemacht haben, so haben die iPods, iPhones und iPads ihren Weg in unsere Freizeit gefunden, weil sie es endlich geschafft haben, den eigentlichen Rohstoff der digitalen Revolution – das Internet – nutzbar zu machen.

iPhones und iPad sind nahezu Science Fiction-esque Hilfsmittel, mit denen wir Dinge tun können, die wir uns vor fünf Jahren noch gar nicht vorstellen konnten: Das echte Internet immer und überall dabei, tausende Musik, Bücher, Fotos und Videos in einem flachen Gerät versammelt, das kleiner ist als ein Wochen-Magazin – was ist das, wenn nicht der Quantensprung unserer digitalen Zeit?

14 Jahre als Apple-CEO: Mehr als 6000 Prozent Plus für Aktionäre

Die Art und Weise jedoch, in der Jobs seine iRevolution vorangetrieben hat, hat seine Legende ins Unsterbliche verklärt – und damit ist nicht der spleenige Auftritt im schwarzen Rollkragen-Pulli, der Bluejeans und New Balance-Turnschuhen und das „One More Thing“ am Ende der ikonischen Keynotes gemeint.

Tatsächlich hat es eine solche Turnaround-Story in der Wirtschaftswelt noch nicht gegeben. Als Jobs Apple im September 1997 zum zweiten Mal übernahm, hatte der einstige Computerpionier gerade einen Milliardenverlust angehäuft, Apple hatte sich hoffungslos in seinen unzähligen Modellen und Produktangeboten verzettelt, die Barmittel wurden knapp.

Was Steve Jobs in den folgenden 14 Jahren gelang, ist – rein ökonomisch betrachtet – die größte Wertschöpfung aller Zeiten. Splitbereinigt lag die Apple-Aktie am 16. September 1997, als Steve Jobs zum Interims-Vorstand (iCEO) ernannt wurde, bei weniger als 6 Dollar. Gestern waren es 376 Dollar. Das entspricht einer Wertsteigerung von mehr als 6000 Prozent in 14 Jahren. Oder andersherum ausgedrückt: Wer im Herbst 1997 für 16.000 Dollar Apple-Aktien gekauft hätte, wäre heute Dollar-Millionär. Und das ungeachtet aller Börsenkrisen, die Anleger in den letzten anderthalb Jahrzehnten viel Rendite gekostet haben.

Krönung zum Schluss: Apple wertvollster Konzern der Welt

Anfang August  schließlich zementierte Apple seinen unglaublichen Gipfelsturm mit einem letzten großen Sprung auf den Börsenolymp: Apple überholte Exxon Mobil und war – zunächst für einige Stunden, dann einen Tag später auch auf Schlusskursbasis – das wertvollste Unternehmen der Welt.

Steve Jobs war am Ziel: Der „CEO of the Century“, als den ihn Rupert Murdoch unlängst höchstpersönlich adelte,  war nun auch endlich offiziell der CEO des wertvollsten Konzerns des Planeten. Es scheint fast, als habe Steve Jobs auf diese allerletzte Krönung gewartet, bevor er die Regentschaft abgeben wollte. Wie unglaublich tragisch, dass ihm keine zwei Monate mehr blieben, um sein Wirken zu überblicken, sein Erbe zu verwalten und seinen Lebensabend zu genießen.

Doch Tragik war dem bekennenden Buddhisten stets fremd. Die letzten Keynotes im März und Juni zeugen von einer Ruhe und Gewissheit, wie man sie nur erlangt, wenn das Ende nah scheint – die letzten Auftritte vor dem Gemeinderat in Cupertino im Juni und dem Dinner mit US-Präsident Obama im Februar hatten bereits die ikonischen Züge seines überlebensgroßen Vermächtnisses.

Eine Rede für die Ewigkeit: „Habt den Mut, Eurem Herzen zu folgen“

Und doch wird am Ende von Steve Jobs immer eine Rede stehen, die so gar nicht von bis ins feinste Detail ausgeklügelten Produktlaunches, dieser „einer Sache“, kündet, sondern von der Lebensweisheit eines Mannes, der dem Tod mehrfach ins Auge gesehen hat.

2005 erklärte der bekennende Buddhist vor Absolventen der Eliteuniversität Stanford: „Der Tod ist wohl die beste Erfindung im Leben. Er ist die Kraft, die Veränderung ins Leben bringt. Er räumt das Alte aus und macht Platz für Neues. Gerade jetzt seid Ihr das Neue, aber eines Tages, in gar nicht so langer Zeit, werdet Ihr langsam zum Alten werden.

Eure Zeit ist begrenzt, also verschwendet sie nicht, indem Ihr das Leben anderer Leute lebt. Lasst Euch nicht von Dogmen einfangen. Lasst nicht zu, dass der Lärm fremder Meinungen Eure eigene innere Stimme übertönt. Und vor allem, habt den Mut, Eurem Herzen und Eurer Eingebung zu folgen.“

Steve Jobs folgte dieser Intuition bereits im frühsten Erwachsenenalter und arbeitete später, in seiner zweiten Amtszeit für Apple, 14 Jahre lang so, als wäre jeder Tag sein letzter Tag. Das Ergebnis dieser Ära ist so, wie Steve Jobs Apple-Produkte selbst gerne beschrieb: „truly magical“ – einfach magisch.

Als „die Suche des Zauberers“ beschrieb die New York Daily Graphic im späten 19. Jahrhundert einst Thomas Edisons Schaffenskraft. Steve Jobs‘ Stern strahlte nicht weniger hell. Goodbye, Steve. You’ll be greatly missed.

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