So nutzen Journalisten Social Media

Deutsche und finnische Journalisten nutzen überwiegend Wikipedia, in England ist Twitter das beliebteste Tool, und die schwedischen Redakteure setzen vor allem auf Facebook. Das ist das Ergebnis der Cision Studie aus England. Analysiert wurde, wie oft und in welcher Weise die europäischen Journalisten während ihrer Arbeit auf Social Media zurückgreifen. 96 Prozent der Befragten gaben an, die Dienste regelmäßig zu nutzen. Vor allem wird Wikipedia von 76 Prozent stets angesurft.

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Das Web-Lexikon ist damit der beliebteste Dienst der Journalisten, gefolgt von sozialen Netzwerken (68 Prozent), Blogs (54 Prozent), Video-Diensten wie Youtube (50 Prozent), Twitter (45 Prozent) und berufsbezogene Netzwerke wie LinkedIn (36 Prozent). Dabei sind Radio-Macher besonders aktiv: 67 Prozent von ihnen twittern, 68 Prozent surfen bei Facebook. Im Vergleich: Von den Zeitungsjournalisten sind ein Viertel beim Mikrobloggingdienst registriert, 57 Prozent von ihnen nutzen Facebook zur Kontaktpflege. Insgesamt verwenden nur 14 Prozent der Befragten berufsbezogene soziale Netzwerke als Quelle für einen Beitrag im Gegensatz zu privaten Netzwerken wie Facebook (40 Prozent.) 
Wikipedia spielt bei der Recherche insbesondere für die deutschen Journalisten eine wichtige Rolle. Sie nutzen es als Quelle für eine Story (68 Prozent), mehr als die Hälfte (54 Prozent) verifiziert dort Fakten und weniger als ein Drittel (29 Prozent) verwendet die Plattform zur eigenen Veröffentlichung. In England, Finnland und Schweden ist es umgekehrt: Dort wird Wikipedia eher als Authentifizierung denn als Quelle genutzt. Die wenigsten nutzen das Online-Nachschlagewerk als Verbreitung der eigenen Arbeit.
Allerdings nutzt die große Mehrheit Social Media in Verbindung mit anderen Quellen. Dabei spielen die persönlichen Kontakte mit 89 Prozent die größte Rolle, danach folgen mit 80 Prozent die Nutzung von Pressemitteilungen. Soll heißen: Wikipedia, Facebook, Twitter, Blogs und Co. ersetzen nicht die traditionellen Kanäle, sondern dienen der ergänzenden Recherche.
Demzufolge haben Journalisten auch eine gewisse Skepsis gegenüber Social Media und die Verlässlichkeit sowie Richtigkeit der darüber gespielten Informationen. Denn das ist auch ein Ergebnis der Analyse: Die Mehrheit ist besorgt, dass der Grad an Sorgfalt und Glaubwürdigkeit in der journalistischen Arbeit durch die Nutzung von sozialen Medien leidet. Mehr als die Hälfte gab an, dass soziale Medien den Trend hin zu "Soft News", also zu kurzen Nachrichten mit eher unterhaltendem Charakter, verstärken, so dass die Qualität ihrer Produkte langfristig abnimmt.
Für die Cision-Studie wurden insgesamt 1.560 Journalisten im Zeitraum zwischen 8. Juni 2011 bis zum 15. Juli 2011 befragt. Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund der Länderverteilung zu interpretieren: 667 Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, 189 aus Deutschland, 448 aus Finnland und 256 aus Schweden nahmen an der Umfrage teil.

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