Die Hassliebe der Medien zum iGod

Steve Jobs wird nach seinem Tod als Visionär und genialer Manager gelobt. Und das sicher zu Recht. Jobs hat aber mit den Apple-Produkten und seiner absoluten Konsequenz und Hingabe auch die Medien-Industrie fundamental verändert. Nicht immer zu deren Freude. Neben Jobs sahen die wichtigen Medien-Bosse oft aus wie blutige Anfänger und Bittsteller. Der iGod hat der Medienbranche zu seinen Lebzeiten ihre Grenzen aufgezeigt. Von Apple werden die Medien auch nach Jobs' Tod nicht loskommen.

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Dabei fing alles vergleichsweise harmlos an. Als Steve Jobs den allerersten iPod im Oktober 2001 vorstellte, hat noch niemand geahnt, was die kleine weiße Schachtel anrichten würde. Der iPod war “nur” ein Musik-Abspieler, eine Art Walkman auf Steroiden mit bis dahin nicht für möglich gehaltener Speicherkapazität. Wer zittern musste, das war die Musikindustrie, nicht die Medien. Kritiker bezeichneten damals den iPod und das bald dazugehörige iTunes-Programm als unverhohlene Aufforderung zum Raubkopieren, weil sich kein Mensch vorstellen konnte, dass jemand die aberwitzige Speicher-Kapazität des iPod mit tatsächlich gekaufter Musik füllen würde.

Der eigentliche Geniestreich der Firma Apple und ihre Vordenkers Jobs sollte aber erst noch folgen: das iPhone. Das Erscheinen des iPhones im Jahr 2007 änderte alles. Diesmal auch für Medienunternehmen. Das Gerät und die zahlreichen Nachbauten von anderen Firmen wurde mit der Erfindung der Miniprogramme, der Apps, zu einem digitalen Schweizer Taschenmesser. Ein elektronischer Alleskönner für die Hosentasche. Und immer noch waren die Medien begeistert, ja geradezu euphorisch. Vielen sahen im iPhone (und später auch im iPad) in erster Linie einen weiteren Absatzmarkt für ihre Inhalte. Eine neue Spielwiese, auf der man mit dem üblichen Schlipsträger-Dreiklang aus Werbung, Marketing und Vertrieb die Kundschaft zur Kasse bitten konnte. Nur diesmal eben digital und in schick.

Doch Steve Jobs zeigte den Medienhäusern die kalte Schulter. Bzw., fast noch schlimmer, er ließ sie spüren, dass sie ihm relativ egal waren. Jobs und Apple brauchten keine Medien-Inhalte. Sie mussten keine Werbung verkaufen und keine unaufgeforderten Angebote verschicken. Apple verdient sein Geld mit dem Verkauf von teuren Produkten und diktierte weiter die Zugangsbedingungen zur eigenen digitalen-Vertriebsplattform, dem App-Store. Das Gegreine von Verlegern von verlorenen Kundenbeziehungen (wahrscheinlich gemeint ist das Sammeln von Adressen) und gierigen Provisionen (Apples einbehaltene 30 Prozent von App-Store-Umsätzen) wurde gepflegt ignoriert.

Trotzdem kamen die Verleger und Medienmanager an Jobs und Apple nicht vorbei. Zumindest hierzulande legendär wurde der verbale Kniefall des Axel-Springer-Vorstandchefs Mathias Döpfner, der in einer US-Talkshow sagte, man müsse Jobs jeden Tag dafür danken, dass er das iPad auf den Markt gebracht und damit die Verlage gerettet habe. Wenig später wurde dann wieder über die angeblichen Allmachts-Ansprüche von Apple geschimpft. Die Medien und Apple, das war und ist eine echte Hassliebe. Eine, die auch über den Tod von Steve Jobs hinaus Bestand haben wird.

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