WAZ-Chef Nienhaus schießt gegen Springer

Christian Nienhaus, Geschäftsführer der Essener WAZ-Mediengruppe, schießt scharf gegen das Übernahmeangebot der Axel Springer AG an die WAZ-Gesellschafter. Gegenüber der Zeit sagte Nienhaus: "Ungefragt auf die Vermögenswerte anderer Firmen zu bieten, ist eigentlich die Manier von Finanzhaien." Ein Teil der WAZ-Gesellschafter hat das Angebot bereits abgelehnt, doch Nienhaus beschwert sich vor allem über den Stil des Springer-Chefs Mathias Döpfner. Der war mal sein Chef.

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Nienhaus war zwischen 2001 und 2008 Chef der Zeitungsgruppe Bild auf Verlagsseite. In dem Job war er äußerst erfolgreich, wechselte dann aber Mitte 2008 zur WAZ-Gruppe. Zuvor war er u.a. Geschäftsführer der Badischen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung.

Gegenüber der Zeit zog Nienhaus nun gehörig über seinen ehemaligen Arbeitgeber her: "Ich habe schon überlegt, ob ich jetzt einen Brief an Friede Springer schreiben soll, ob wir das Hamburger Abendbaltt, die Hörzu und die B.Z. kaufen können, weil sie bei Springer damit wenig anfangen können – und so ein Angebot jetzt offenbar Stil des Hauses ist."

Zur Erinnerung: Springer hat den Gesellschaftern der WAZ das Angebot gemacht, 1,4 Milliarden Euro für die gesamte Gruppe zu zahlen. Tatsächlich haben es die Springers aber offenbar nur auf einige wertvolle Assets der WAZ abgesehen, darunter die Wiener Kronen-Zeitung. 

Obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass einige oder alle WAZ-Gesellschafter auf das Angebot eingehen, hat die Offerte doch Unruhe in die ohnehin schon aufgewühlte Welt der WAZ gebracht. Denn auch Gesellschafterin Petra Grotkamp trachtet danach, Mitgesellschaftern Anteile an der Gruppe abzukaufen. Zu einem niedrigeren Preis als den, den Springer-Chef Mathias Döpfner genannt hat. Dieses Vorgehen betrachten Nienhaus und vermutlich viele weitere WAZ-Obrigen als Provokation. Die öffentliche Beschimpfung des Bieters übernahm nun Nienhaus.

Zeit-Redakteur Götz Hamann verweist in seinem Artikel zurecht auf einen zehn Jahre zurück liegenden Versuch des ehemaligen WAZ-Geschäftsführers Erich Schumann, mit der WAZ bei Springer einzusteigen. Friede Springer hatte das Ansinnen damals abgelehnt. WAZ-Gesellschafterin Petra Grotkamp verzichtete daraufhin auf weitere Vorstöße – gegen den Willen der Verlegerwitwe wolle man nicht bei Springer einsteigen. Dabei blieb es. 

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