iPhone 4S: das Versprechen vom Sprechen

Grundstürzend Neues gab es bei der jüngsten Apple-Produktvorstellung nicht. Das neue iPhone ist schneller, hat einen besseren Akku, eine bessere Kamera usw. Und es bekam ein “S” an den Namen gehängt. Das “S” im iPhone 4S kann für “Speed” stehen aber auch für “Speech”, Sprache. Die eine Neuheit ist nämlich der eingebaute Sprach-Assistent Siri. Wenn das im Alltag so funktioniert wie versprochen, würde mit dem iPhone 4S ein alter Traum war: der vom Gerät, das seine Nutzer versteht.

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Es gibt da eine Szene aus dem Film “Star Trek 4 – Zurück in die Gegenwart”. Die Besatzung vom Raumschiff Enterprise wurde durch einen hanebüchenen Zeitsprung in unsere Gegenwart katapultiert. Weltraum-Mechaniker und Ober-Beamer Scotty versucht mit einem handelsüblichen Computer zu arbeiten – lustigerweise einem alten Apple MacIntosh! – und redet erstmal auf ihn ein: “Computer!” Als der Mac nicht reagiert, drückt ihm Dr. McCoy die Maus in die Hand. Ah! Scotty glaubt zu verstehen, hält die Maus an seinen Mund und flötet hinein: “Hallo, Computer!?” Eine Szene mit Symbol-Charakter

Vielleicht geht es uns in ein paar Jahren ähnlich wie dem Bord-Mechaniker der Enterprise. Der Traum von sprachgesteuerten Maschinen, die verstehen was wir meinen, ist ein alter Traum, der bislang unerfüllt blieb. Mit Apples Siri könnte er vielleicht ein kleines bisschen realer werden. In der Präsentation und in einem Werbevideo wird gezeigt, wie man mit seinem iPhone 4S fast wie mit einem Menschen reden kann. Das Gerät versteht offenbar ganze Sätze und auch Ergänzungen zu bereits Gesagtem. Dazu gibt es eine Sprachausgabe, die wenigstens halbwegs freundlich klingt und nicht ganz so furchteinflößend Domina-mäßig wie die herrische Synthetik-Stimme aus der Navigations-Software der Android-Handys.
###YOUTUBEVIDEO###
Apples Werbevideo für den Sprach-Assistenen Siri beim iPhone 4S
Erste Tests von Journalisten, die Siri ausprobiert haben, scheinen zu bestätigen, dass die Spracherkennung im Prinzip gut zu funktionieren scheint. Man muss ja vorsichtig sein. Auch Apple betont, das sich die Funktion noch im Beta-Stadium befinde, also noch nicht hundertprozentig ausgereift ist. Für die Schrauber aus Cupertino ist das schon ein ungewöhnlicher Schritt, mit einer Beta-Software an den Markt zu gehen. Das zeigt aber auch, wie kompliziert das Thema Spracherkennung sein muss. Schon das iPhone 3GS versprach Sprachsteuerung. Man drückt etwas länger den Home-Button seines iPhones und es erscheint eine Reihe von Sprachbefehlen, die man dem iPhone zurufen kann: “Wähl”, “Spiel Album”, “anhalten” usw.

Das funktioniert in einer ruhigen Umgebung sogar einigermaßen ordentlich. Allerdings zeigt die bisherige Spracherkennung des iPhones, woran Sprach-Software bisher krankte: Der Mensch wurde gezwungen, seine Sprache zu verkrüppeln, auf ein paar Kommandos mit komischem Satzbau zu reduzieren, damit Kollege Computer kapierte, was gemeint ist. Bei ganzen Sätzen, vielleicht auch mal vor Hintergrundgeräuschen gesprochen oder ein bisschen genuschelt, kapitulierte die Maschine.

Kein Wunder, dass kaum ein iPhone-Nutzer die Spracherkennung seines Gerätes nutzt. Viele haben offenbar sogar vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Siri beim iPhone 4S könnte das Prinzip umdrehen: Hier soll der Mensch sprechen ein Mensch und der Computer soll ihn verstehen. Wenn das wirklich funktioniert, wäre ein Traum wahr geworden. Für die Bedienung von Computern und Telefonen wäre das noch bedeutend revolutionärer als der Touch-Bildschirm. Warten wir also ab, ob es von Apple diesmal eingelöst wird: das Versprechen mit dem Sprechen.

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