Fernsehpreis: RTL zensiert Pocher-Lästerei

Seine Sprüche hätten die quotenschwache TV-Übertragung des Deutschen Fernsehpreises auf RTL zumindest für Momente aufgepeppt: Doch die Fernsehzuschauer bekamen von den Lästereien des Laudators Oliver Pocher nichts mit - der Kölner Sender hatte die Respektlosigkeiten beim Live-Auftritt am Sonntag in der Ausstrahlung am Montag kurzerhand herausgeschnitten. Eine RTL-Sprecherin begründete dies mit Rücksichtnahme auf die "Mit-Stifter", sprich: die TV-Konkurrenz.

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Zu den Stiftern des Deutschen Fernsehpreis gehören neben RTL auch die ehemaligen Arbeitgeber von Pocher, Sat.1 und die ARD. Zudem ist das ZDF beim Deutschen Fernsehpreis engagiert. Der Comedian teilte in Richtung Sat.1, ARD, MDR und in gewohnter Weise gegen Harald Schmidt aus.
Pocher war eigentlich für eine Laudatio nach Köln bestellt worden. Doch der 33-Jährige nutzte seinen Auftritt für eine öffentliche Abrechnung. Bild.de hat die Passagen, die in der TV-Aufzeichnung nicht zu sehen waren, dokumentiert:
In Richtung Harald Schmidt hieß es von Pocher: "Ich hatte zwei Jahre eine Fernseh-Auszeit. Oder wie man in der Branche sagt, ich war bei Sat.1. Warten Sie noch mal zwei Jahre ab, dann ist der Harald auch weg."  
Über den derzeit skandalträchtigen MDR lästerte der Comedian: "Wer ist für die Gebührenerhöhung? Ja, das ist ein eindeutiges Ergebnis. Stimmung wie bei der MDR-Intendantenwahl hier im Saal. Schade, dass sie heute nicht alle da sein können. Der Einzige, der da noch nicht vorbestraft ist, ist Bernd das Brot."
Interessant dabei: Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, trat Werner Kimmig, der ebenfalls in die Affäre um den geschassten MDR-Unterhaltungschef Udo Foht als Geldgeber involviert ist, als Produzent der Verleihung auf. Auch für die ARD-Vorsitzende Monika Piel hatte Pocher einen Spruch übrig. "Viel Spaß das eine Jahr mit Gottschalk."
In seiner Laudatio auf die beste Doku konnte es der Comedian ebenfalls nicht lassen, fies zu werden. Über die Sendung des ZDF-Talkers Markus Lanz und Joey Kelly "Der Wettlauf zum Südpol: Deutschland gegen Österreich" sagte er (wieder laut Bild.de): "Da muss man sagen, hat allein eigentlich schon Joey Kelly einen Preis verdient. Weil, wer drei Wochen über Weihnachten mit Markus Lanz zusammen in einem Zelt verbringt und dann noch nicht totgequatscht wurde, der hat diesen Preis einfach heute hier verdient." Auch diesen Spruch fand man beim ehemaligen Lanz-Arbeitgeber RTL offenbar nicht lustig und schnitt ihn ebenfalls aus dem Sendeband heraus.
"Wir hatten uns an diesem Abend auf die Fahnen geschrieben, würdevoll und positiv mit Nominierten, Preisträgern und Mit-Stiftern umzugehen", begründete RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer gegenüber Bild.de die Zensurmaßnahmen. "Dies wurde an dieser Stelle der Verleihung nicht erfüllt." RTL-Neuzugang Pocher gab sich kleinlaut. Er sagte, dass man gemeinsam entschieden habe, die betreffenden Passagen nicht auszustrahlen. "Einige Teile meiner Laudatio sind spontan entstanden und waren nicht im Sinne der Veranstaltung", übte Pocher Selbstkritik.
RTL folgt damit dem Zensur-Beispiel aus den USA. Bei der Verleihung der Emmys hatte Schauspieler Alec Baldwin einen Spruch über den Abhörskandal von News Corp. gebracht und damit die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Fox, der zum Murdoch-Konzern  gehört, hatte die Passage in der Aufzeichnung der Gala entfernt.

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