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Apples iPhone-Event: Dominanz ohne Magie

Dass bei Apple eine neue Ära anbrechen würde, war seit Steve Jobs’ Rückzug Ende August klar. Wie sie aussieht, wird vielen Apple-Fans aber wohl erst gestern bewusst geworden sein: Neu-CEO Tim Cook konnte nicht aus dem Schatten seines übermächtigen Mentors treten – Steve Jobs wurde auf der Keynote schmerzlich vermisst. Trotzdem bedeutet das längst nicht das Ende von Apples Erfolgssträhne: Tim Cook dürfte die Vormachtstellung mit schärfster Disziplin verwalten. Das iPhone 4S ist nur logischer Teil der Erfolgsstrategie.

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Dass bei Apple eine neue Ära anbrechen würde, war seit Steve Jobs’ Rückzug Ende August klar. Wie sie aussieht, wird vielen Apple-Fans aber wohl erst gestern bewusst geworden sein: Neu-CEO Tim Cook konnte nicht aus dem Schatten seines übermächtigen Mentors treten – Steve Jobs wurde auf der Keynote schmerzlich vermisst. Trotzdem bedeutet das längst nicht das Ende von Apples Erfolgssträhne: Tim Cook dürfte die Vormachtstellung mit schärfster Disziplin verwalten. Das iPhone 4S ist nur logischer Teil der Erfolgsstrategie.

War es die erste Handschrift des kühlen Rechners? Betont reduziert trat der neue CEO auf, die ersten Sätze wirkten arg steif, die nächsten ziemlich emotionslos. Tim Cook ist nicht Steve Jobs, das ist schon nach den ersten Worten klar. "Guten Morgen", sagt Cook. Und schiebt dann noch mal nach: "Guten Morgen", wie ein Schulleiter, der auf der Bühne seine Ansprache halten muss und nicht so recht weiß, wie er starten soll.

Cook erklärt, dass es seine erste Produktvorstellung ist, nach dem er zum Vollzeit-CEO ernannt worden ist: "Ich bin sicher, das wussten Sie nicht." Es soll ein Witz sein. "Es ist mir eine große Freude, heute Ihr Gastgeber zu sein", empfängt Cook die nur wenigen hundert Zuhörer, die auf dem Apple-Campus geladen sind.

Alles ist kleiner als sonst bei iPhone-Launches, reduzierter. Eine Botschaft? "Ich liebe Apple", lautet Tim Cooks Treuebekenntnis zum bis gestern wertvollsten Konzern der Welt. Man glaubt es ihm, doch es ist eine andere Art von Liebe als die, die Steve Jobs geprägt hat und seine Anhänger millionenfach bis zur Selbstaufgabe zelebriert haben: Leidenschaft ist nicht das erste Attribut, das man Tim Cook zuschreiben würde.

Tim Cooks Aufgabe: Er muss Steve Jobs’ Reich verwalten

Keine Frage: Tim Cook ist kein Steve Jobs. Tim Cook weiß das wohl am besten von allen. Trotzdem muss er auf diese Bühne, auf der er nur verlieren kann. Er spricht bedacht, aber völlig ohne Pathos. Manche Gesten erinnern an Jobs, die Sätze immer. Das Skript hätte ein Ghostwriter für den Apple-Gründer schreiben können, man hört Steves Stimme förmlich aus dem Off – gespenstisch.

An dieser Stelle fängt es an, ungerecht zu werden. Denn tatsächlich ist das nicht Tim Cooks Aufgabe, sondern der größte Denkfehler von Apple-Enthusiasten, aber auch -Gegnern, die auf den Fall des Tech-Titanen warten. Tim Cook muss heute nicht Steve Jobs sein. Er muss Jobs’ Reich verwalten können. Und das macht er besser als vielleicht jeder andere, denn Cook hat 14 Jahre unter seinem Mentor gelernt.

Warum dauerte das Upgrade so lange?

Natürlich stehen die Schlagzeilen nach der bestenfalls mittelmäßigen Keynote, auf der Marketing-Chef Phil Schiller die Hauptrolle spielt, schnell fest. "Ohne Steve nichts los", ist da etwa zu lesen. Und natürlich wird Tim Cook gleich für den als Enttäuschung wahrgenommenen Produkt-Launch verantwortlich gemacht. Das Eine ist jedoch so voreilig wie das Andere. Es gab schließlich auch unter Steve Jobs mittelmäßige Keynotes. Und: Das iPhone 4S dürfte schon lange vor dem Rücktritt des Apple-CEOs festgestanden haben.

Woher kommt also die große Enttäuschung? Weil die Erwartungen nach der längsten Wartezeit seit der Einführung des ersten iPhones entsprechend in die Höhe geschraubt worden waren. Tatsächlich wirft das iPhone 4S zwei Fragen auf: Warum schaffte es Apple diesmal nicht, ein Upgrade-Modell binnen von zwölf Monaten zu präsentieren? Und warum kündet das mobile Betriebssystem iOS 5 bereits von der nächsten iPhone-Generation, wenn Apple doch nur die Speed-Version des erfolgreichen Vorgängers auf den Markt bringt?

Angriff auf den Massenmarkt – ein iPhone für jeden

Letzteres ist eine Frage der Vermarktung, Ersteres deutet tatsächlich daraufhin, dass intern etwas schief gelaufen sein könnte. Geschadet hat es Apple indes nicht. Im Gegenteil: Die größte Überraschung in gigantischen Bilanz des letzten Quartals lag im phänomenalen iPhone-Abverkauf, der – anders als in den Vorjahren – vor dem Launch eines neuen Modells sogar deutlich zulegte. Das iPhone 4 ist ein absoluter Welterfolg.

Was also läge näher, diesen Erfolg weiter laufen zu lassen? Während sich Technik-Freaks darüber echauffieren, dass sie in den nächsten Wochen nicht mit einem erkennbar neuen Spielzeug  angeben kann, dürfte sich der Massenmarkt freuen, auch endlich zum Zuge zu kommen. Das iPhone, das inzwischen meistverkaufte Smartphone der Welt, ist unter der Oberfläche noch ein ganzes Stück besser geworden. Es dürfte viele Erstkunden geben, die darauf gewartet haben. Und wem es zu teuer ist, kann immer noch vergünstigt das klassische 4er-Modell wählen.

Motto der Ära Tim Cook: If it ain’t broke, don’t fix it

Schließlich – und das wird gerne unterschätzt – birgt ein Design-Wechsel immer erhebliche Risiken. Tim Cook hat sich dafür entschieden, die Erfolgswelle weiter zu reiten und dabei mit den vorherigen Modellen den Billigmarkt anzugreifen. Das wird Apple-Aficionados zwar nicht gefallen, macht betriebswirtschaftlich aber absolut Sinn. Die Upgrades der Wall Street sind Cook morgen vor Handelsstart gewiss.

So konnte der iPhone 4S-Launch – so voreilig die Schlussfolgerung ist – der erste Fingerzeig der Ära Cook sein. Der Erfolg wird verwaltet, neue Käuferschichten, vor allem im mittleren und unteren Preissegement, werden erschlossen. Den Hipstern unter den Apple-Anhängern mag das nicht gefallen, notorische Skeptiker dürften aber noch länger auf ihre Abgesänge warten.

Es sieht nicht danach aus, als ob Tim Cook den Leo Apotheker geben würde und sich in wilden Alleingängen versucht. "If it ain’t broke, don’t fix it", dürfte vielmehr das Apple-Motto der kommenden Jahre lauten. Bis zum nächsten "One more thing", dessen Prototyp längst in der Schublade liegen dürfte.

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