Fußball: EuGH kippt Exklusiv-Vermarktung

Dieser Richterspruch könnten ähnliche Auswirkungen auf den Milliarden-Markt der Fußball-TV-Rechte haben wie das Bosman-Urteil von 1995, das das gesamte bis dahin gängige Transfermodell aus den Angeln hob. Am heutigen Dienstag entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg, dass der Empfang von Pay-TV-Übertragungen mit ausländischen Decoderkarten nicht verboten werden darf. Die Folge: Die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball muss möglicherweise geändert werden.

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Die Luxemburger Richter vertreten die Meinung, dass die nationalen Vorschriften, die die Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagen, gegen den Grundsatz des freien Dienstleistungsverkehrs sowie gegen das Wettbewerbsrecht der EU verstoßen.

Der Ursprung des Richterspruches ist ein Rechtsstreit zwischen der englischen Premier League und der Pub-Besitzerin Karen Murphy aus Portsmouth. Die Wirtin hatte statt der teuren BSkyB-Übertragung eine günstigere Decoderkarte aus Griechenland verwendet. Daraufhin wurde sie von der englischen Fußballliga verklagt.

Die konkreten Folgen für die TV-Vermarktung lassen sich noch kaum abschätzen, allerdings warnte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, bereits laut FAZ, dass dem Profifußball "gefährliche Zeiten" bevorstünden. Er befürchtet ein ruinöses "Preis-Dumping" im Verkauf von Fernsehübertragungsrechten. Auch der UEFA-Präsident Michel Platini fürchtet, dass das Urteil "die ganze Fußball-Landschaft verändern" könnte.

Die FAZ spekulierte bereits vor dem Urteil, dass nun die Pay-TV-Preise europaweit fallen könnten. Ob das der Fall sein wird, lässt sich allerdings noch kaum absehen. Denn in dem Grundsatzurteil ging es in Luxemburg auch um die Fragen des Urheberrechts. So entschied das EU-Gericht zudem, dass einzelne Teile einer TV-Übertragung, wie beispielsweise die Hymne einer Liga, geschützte Werke seien. Die Fußballspiele dagegen sind keine geschützten Werke. Heißt: Die Hymne dürfte nur mit Billigung der Premier League im Pub von Karen Murphy gezeigt werden, das gilt aber nicht für das Spiel.

Wenn es also der Premier League gelingt, aus der gesamten Spielübertragung ein geschütztes Werk zu machen, würde sich auch wenig ändern. Für Deutschland stellt sich beispielsweise die weitere Frage: Wie sieht es hier mit den Übertragungen aus, die mittlerweile von der Deutschen Fußballliga selbst produziert werden?

Noch lässt sich nicht seriös abschätzen, welche Auswirkungen das Urteil tatsächlich hat. Der Fall wandert nun erst einmal zum High Court in England zurück, der aus der Grundsatzentscheidung konkrete Aussagen herausarbeiten muss.

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