Das blöde Werbe-Eigentor vom Media Markt

Am Wochenende startete die Elekronik-Handelskette mit großem Brimborium ihre neue Werbekampagne der Agentur Ogilvy. Media Markt verabschiedet sich damit von dem alten Claim “Ich bin doch nicht blöd” und ruft “Das Ende des Preis-Irrsinns” aus. Kunden sollen sicher sein können, bei Media Markt immer einen “hoch attraktiven Preis” zu bekommen. Media Markt verkauft die Kampagne als neue Unternehmensstrategie - und seine Kundschaft für blöd.

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Der surreale Werbe-Spot mit einem Schwein, einem Mann, der in der Badewanne sitzt und von allerlei Preisrummel-Online-Scharlatanen halluziniert, wirkt, als sei er direkt für eine Auszeichnung bei Werbe-Kreativpreisen entworfen worden. Der Spot soll die Verwirrung der Konsumenten angesichts zahlreicher, schwer zu vergleichender Preis-Suchmaschinen und angeblich unseriöser Online-Billighändler suggerieren. Ob diese Botschaft bei der anvisierten Kundschaft ankommt, darf bezweifelt werden.
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Denn zum einen hat Media Markt in den vergangenen Jahren wirklich alles dafür getan, sein Image als Ober-Billigheimer zu zementieren. So etwas kann man nicht Handstreich-artig mit einem einzigen Spot umkehren. Zum anderen dürften die Konsumenten nicht so ratlos, hilflos und verwirrt von der Preisvielfalt im Internet sein, wie sich das die Media-Markt-Strategen in ihrer Verzweiflung herbeiwünschen. Der typische Online-Schnäppchenjäger ist heutzutage durchaus in der Lage, Versandgebühren beim Preisvergleich einzukalkulieren – er ist ja nicht blöd.
Und wer einmal eine typische Vor-Ort-”Beratung” in einem Media Markt genossen hat, weiß Nutzer-Kommentare bei großen Online-Shops als Hort der fundierten Sachkenntnis erst richtig zu schätzen. Media Markt und das Schwester-Unternehmen Saturn hatten sich stattdessen zu lange auf ihre “Ich bin doch nicht blöd” und “Geiz ist geil”-Sprüche zurückgezogen und fungieren mittlerweile nur noch als Konsum-Auffangbecken für Leute, die zu doof oder zu alt sind, um das Internet zu bedienen. Alle anderen gehen höchstens noch hin, um sich die Produkte ihrer Wahl anzuschauen und anzufassen, bevor sie sie bei Redcoon.de (gehört ironischerweise auch zu Media-Saturn) oder Amazon bestellen. Dass die Produkte im Online-Handel ewig unterwegs seien und ungewiss sei, ob überhaupt geliefert werden, wie die neue Media-Markt-Werbung weismachen will, ist für jeden, der schon mal online bestellt hat, ohnehin ein Ammenmärchen. Folgerichtig ergießt sich im Internet über der neuen Kampagne auch viel Hohn und Spott.
Die Media-Saturn-Holding ist bekannt dafür, viel Geld in die Werbung zu stecken. Laut Nielsen waren es vergangenes Jahr über 580 Mio. Euro. Media-Markt-Chef Horst Norberg sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in einem vor Naivität und Hilflosigkeit strotzenden Interview, dass es bei dieser Größenordnung bleibt. Im Oktober soll nun Saturn endlich mit einem eigenen Online-Shop an den Start gehen und nächstes Jahr (!) soll Media Markt folgen. Was für ein Armutszeugnis!
Irgendjemand sollte den Chefs bei Media-Saturn mal erzählen, dass zuerst das Produkt stimmen muss und danach die Werbung kommt. Diese Binsenweisheit scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben.

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