„Tatort“: Kekilli überzeugt, Milberg glänzt

Konkurrenz für den Kieler Ermittler: In "Borowski und die Frau am Fenster" muss der dröge, mundfaule Polizist, gespielt von Axel Milberg, mit Kommissars-Anwärterin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) zusammenarbeiten. Die kecke Neue fordert den Alten ganz schön heraus und macht ihm schnell klar, dass das Warten auf Beschlüsse von oben "oldschool" ist und man mithilfe von Trojanern schneller an Informationen herankommt. Das Debüt des neuen Duos ist sehr sehenswert, allerdings liegt das weniger an Kekilli.

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Ihren Einstand im Kieler "Tatort" feierte die Deutschtürkin bereits vor knapp einem Jahr in einer Nebenrolle. Damals rauschte die 31-Jährige in den alten VW-Passat von Borowski hinein und legte – trotz der Ungeschicklichkeit – einen selbstbewussten, charmanten Auftritt hin. Daran hält sie auch in der neuen Folge fest.
Sarah Brandt ist eine Art Überflieger-Frau, die ihren ambitionierten männlichen Konkurrenten so das Wasser abgräbt, dass diese schon freiwillig das Feld verlassen. Sie beeindruckt mit ihrer forschen, scharfsinnigen Art, eckt aber zugleich auch damit an, wenn sie sich über jegliche Regeln hinwegsetzt und eine One-Woman-Show abzieht. Dennoch hält es Borowski nicht davon ab, die junge Polizistin, die eigentlich zur Reiter-Staffel wollte, an der sie jedoch ihre Heu-Allergie hinderte, in den aktuellen Fall einzubinden.
Und der führt das ungleiche Team in ein Dorf in Schleswig-Holstein. Dort wird eine Frau als vermisst gemeldet. Ihr Freund, der Streifen-Polizist Hans Nielsson (Dirk Borchardt), ist davon überzeugt, dass sie umgebracht wurde. Einzig eine Zahnspange ist als mögliches Beweisstück für ein Verbrechen vorhanden – alle anderen Spuren wurden professionell verwischt.
Der Zuschauer weiß von Anfang an, wer hinter dem Mord steckt. Drehbuchautor Sascha Arango und Regisseur Stephan Wagner machen die eifersüchtige Nachbarin, die Tierärztin Charlotte Delius (großartig gespielt von Sibylle Canonica), zur Täterin, die durch ihre Persönlichkeitsstörung und Blutsucht auch für sämtliche Verletzungen an Tieren in der Umgebung verantwortlich ist. Doch durch ihre ärztliche Hilfe und ihr vorgegaukeltes Gutmenschentum kommt keiner auf die Idee, dass sie nicht nur tierische Leichen im Keller hat.
Die Episode "Borowski und die Frau am Fenster" zeigt mit wuchtigen Bildern, wozu auch der Abtransport eines Pferdekadavers oder eine in der Mikrowelle platzende Zecke gehören, wie das perfekte Verbrechen und die dazu passende Mörderin aussehen können. Durch das hervorragend besetzte Ensemble, die stimmige Dramaturgie und Hintergrundmusik stört es auch nicht, dass man von Beginn an weiß, wer der Täter ist. Das tut der Spannung keinen Abbruch. Dazu bieten die Dialoge zwischen Borowski und seinem Vorsitzenden Schladitz (Thomas Kügel), der kurzerhand bei ihm einzieht und den Haushalt schmeißt, beste Unterhaltung.
Kekilli überzeugt in ihrem Ermittler-Debüt, auch wenn die ihrer Rolle aufgedrückte geheimnisvolle Krankheit zunächst überflüssig erscheint. Star des Kieler Tatortes bleibt aber Milberg. Der Schauspieler glänzt mit humorvollen Einlagen, ohne klamaukig zu sein, und liefert nach vielen langweiligen Episoden den Beweis, dass Witz und Spannung sich im "Tatort" nicht ausschließen müssen.

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