„Es wäre besser, TV im Gericht zuzulassen“

Wieder erregt ein Gerichtsprozess die Öffentlichkeit. In den USA muss sich Michael Jacksons Leibarzt Conrad Murray wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Das Verfahren wird live übertragen und gerät zu einem Medienspektakel. Rechtsanwalt Matthias Prinz, der auch in New York sein Examen ablegte, tritt dafür ein, dass sich auch das deutsche Rechtssystem für Kameras im Gerichtssaal öffnet. "Der Bürger soll seiner Justiz auf die Finger schauen können und nicht nur umgekehrt", sagt er im MEEDIA-Interview.

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Herr Prinz, der Prozess gegen den Leibarzt von Michael Jackson hat am Dienstag in den USA begonnen. Anders als in Deutschland werden die Sitzungen live übertragen. Im TV und Web können Interessierte die Anhörungen verfolgen. Gehören Sie auch dazu?
Wenn ich die Zeit finde, werde ich sicher zuschauen. Ich mag Rechtsvergleichung sehr. Da kann man immer was lernen und dieser Prozess hat Einiges zu bieten.
Begrüßen Sie es, dass der Prozess öffentlich geführt wird und jeder daran teilhaben kann?
Die Öffentlichkeit des Verfahrens ist eine wichtige Errungenschaft der Französischen Revolution. Keine Geheimprozesse mehr. Der Bürger soll seiner Justiz auf die Finger schauen können und nicht nur umgekehrt.
Was macht den Prozess so spannend?

Amerikanische Geschworenenprozesse können ziemlich spannend sein. Nicht nur in John Grishams Büchern sondern auch im wirklichen Leben. Und hier kommt dann noch das Interesse an Michael Jackson und seinen Lebensumständen hinzu.
Gibt es im amerikanischen Recht Unterschiede zwischen Promi und Nicht-Promi, wenn es um einen öffentlichen Prozess geht?

Das amerikanische Recht bemüht sich alle gleich zu behandeln, das hat man zuletzt bei Strauss-Kahn in Handschellen gesehen.
Anders als damals bei O.J. Simpson geht es in diesem Fall nicht um einen Prominenten, sondern um dessen Leibarzt. Ist ein öffentlicher Prozess gerechtfertigt?

Für öffentliche Prozesse bin ich immer, sofern nicht ganz besondere Umstände einen Ausschluss der Öffentlichkeit rechtfertigen. Daher also auch in diesem Fall und nicht wegen der Prominenz des Angeklagten oder des Opfers.

Inwiefern beeinflusst ein Medienspektakel, wie es derzeit zu verfolgen ist, die Rechtsfindung?
Natürlich kann ein Medienspektakel die Rechtsfindung beeinflussen. Egal ob mit Fernsehübertragung oder ohne. In Deutschland sind Fernsehkameras während der Verhandlung verboten und dennoch hatten wir im Fall Kachelmann ein unglaubliches Spektakel. Dabei ist die Gefahr der Manipulation bei uns viel größer. Die Öffentlichkeit kann sich nur an den subjektiven Berichten orientieren, die Gisela Friedrichsen, Alice Schwarzer etc. aus dem Gerichtssaal liefern. Da wäre es doch besser, Fernsehen zuzulassen damit wir uns alle selbst ein Bild machen können. Die Persönlichkeitsrechte der Zeugen und Angeklagten sind – wie der Kachelmann-Prozess bewiesen hat – auch ohne Fernsehberichterstattung in großer Gefahr. Dann lieber unverfälschte Berichterstattung durch Poolkameras im Gerichtssaal.

Zum Auftakt hatte der Staatsanwalt eine Multimedia-Show veranstaltet. Er hatte das Foto des leblosen King of Pop an die Wand projiziert und ein Tonband des Sängers abgespielt. Halten Sie das für eine Inszenierung oder eine zutreffende Beweislieferung?
Bei einem Geschworenenprozess ist jede "zutreffende Beweislieferung" zugleich "Inszenierung". Das lässt sich nicht trennen.

Viele internationale Boulevard-Zeitungen druckten das Foto in ihrer Mittwochsausgabe ab. Was halten Sie davon?
Wahrheitsgemäße Berichterstattung aus Gerichtsverhandlungen ist zulässig.

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