Scoopcamp 2011: Storystelling 2.0

Die Keynotes hätten unterschiedlicher nicht sein können: Beim Scoopcamp sprachen am heutigen Donnerstag der Ex-Focus Online-Macher Jochen Wegner und der P7S1-Digital-Chef Arnd Benninghoff über Trends des „Storytelling“ über die Grenzen eines einzelnen Mediums hinaus. Benninghoff ging mit vielen Videos in die visuelle Offensive: „Das TV bleibt Leitmedium.“ Wegner entschleunigte die Veranstaltung und beschäftigte sich mit dem Erfolgsrezept von iPad-Magazinen: „Zu viel Blättern macht die Leute fertig.“

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Den Auftakt des Scoopcamps machte Shazna Nessa von der Associated Press, (Die Director of Interactive im MEEDIA-Interview). Dann folgte Benninghoff, der mit den „Leuchtturmprojekten“ der ProSiebenSat.1-Gruppe bei den Kongress-Gästen „Gänsehaut“ erzeugen wollte: „Nirgendwo kann man mehr Emotionen zeigen als im Fernsehen.“ Mit Hilfe von einem Image-Film und einigen YouTube-Videos hoffte er zu Beweisen, wie wichtig das bewegte Bild sei.

Am Beispiel der royalen Hochzeit von William und Kate und der eigenen Fernsehshow Germany’s Next Topmodel veranschaulichte Benninghoff wie TV ins Internet gebracht werden könne und müsse. Die Zukunft sei laut Benninghoff das „Hybrid broadcast broadband TV“ (kurz: „HbbTV“) – die Verschmelzung von Fernsehen und Internet. Die Fernsehfamilie setze auf diese Verbindung in Form ihrer Plattform „ProSieben Connect“. Mit dem Portal wolle der Sender die Zuschauer mit mehr Interaktion, zusätzlichen Inhalten und soziale Vernetzungen zusätzlich zum Bildschirm auch ins Netz bringen. Extra „loyale“ Zuseher sollen zudem Gutscheine erhalten.

Jochen Wegner bewies dagegen, dass die Scoopcamp-Teilnehmer auch mit weniger Videos und Audio zu unterhalten sind. Mit einem iPad zeigte der mag10-Gründer wie digitale Magazine und Apps aufgebaut sein müssen, dass die Kunden dafür bezahlen wollen. „Schon zweidimensionales Blättern macht die Leute fertig“, sagte Wegner auf der Medienkonferenz. Das Scrollen in mehreren Ebenen sehe zwar toll aus, aber es wolle niemand lesen.

Er verstehe nicht, warum Designer alles machen müssten, was technisch möglich sei. Die Leser würden irgendwann nicht mehr wissen, wo sie in der Anwendung seien und der Inhalt gehe dann verloren. Wegner ist für eine „medienadäquate Umsetzung“ eines Magazines oder Zeitung für Tablets: „Die beste Werbung für tollen Content ist ein toller Content.“ Wichtig sei ein „guided view“ – also eine „geführtes Lesen“ – ähnlich wie bei einem Comic. Dafür lobte der Geschäftsführer auch pdf-Ausgaben wie die des Spiegels und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Zeit hätte dagegen in ihrer App nur digitale Features auf das Printprodukt „aufgepfropft“. In seinem Vortrag stellt Wegner sein neues digitales Projekt zunächst als „Dummy“ vor.

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