Kindle Fire: Amazons Großangriff auf Apple

Was für eine Offensive von Amazon: Zum absoluten Kampfpreis drängt das weltgrößte Online-Kaufhaus auch in den Tablet-Markt. Gerade mal 199 Dollar kostet das von Jeff Bezos vorgestellte Amazon-Tablet "Kindle Fire". Es ist mit nur sieben Zoll deutlich kleiner als das iPad, besitzt keine Kamera, kein Mikrofon und keinen 3G-Anschluss – nur über WLAN kommt man ins Internet. Doch das Android-Gerät ist eben konkurrenzlos günstig. Nicht nur Apple, sondern vor allem RIM und Microsoft dürfte Bezos weh tun.

Anzeige

Vielleicht ist Leo Apotheker schuld. Der gefeuerte HP-Chef landete den wohl denk- und fragwürdigsten Coup seiner nur elfmonatigen Amtszeit beim Computer-Pionier mit der Schließung der Tabletsparte zu Ramschpreisen von 99 Dollar. Kurzfristig war das Touchpad in aller Munde – und in den Bestsellerlisten.   

Seitdem ist klar, was ein Tablet leisten muss, das das iPad schlagen will – es muss vor allem günstig sein. Amazon-Gründer Jeff Bezos ist bekannt dafür, dass er kein Problem damit hat, mit Kampfpreisen den Markt aufzurollen: Jahrelang eroberte der Online-Einzelhändler Markanteile mit seinem aggressiven Preisangebot, das Wall Street-Analysten immer wieder düpierte – doch der Erfolg gab Bezos recht.

USA-Start am 15. November

Seine bislang größte Wette geht der 47-Jährige mit der notorischen Lache nun auf dem Tabletmarkt ein: Ab dem 15. November betritt Amazon pünktlich zur bevorstehenden Weihnachtssaison in den USA das Spielfeld, das bisher konkurrenzlos von Apple dominiert wird. "Kindle Fire" heißt Amazons Kampfansage – und sie kommt für den Schnäppchenpreis von nur 199 Dollar in den USA in die Regale. Bezos unterbietet damit sogar die kühnsten Schätzungen.  

Allerdings müssen sich Fire-Käufer im Vergleich zum iPad mit einigen erheblichen Einschränkungen zufrieden geben: Ganze 7 Zentimeter kleiner ist das Amazon Tablet. Ohne WLAN gibt es keine Internetverbindung. Eine Kamera für Videos oder Fotos? Videotelefonie via Skype & Co? Wunschdenken!

Schneller Browser, viele Inhalte

Dafür präsentierte Jeff Bezos gestern auf dem Pressevent in New York mehr als nur ein Me-too-Tablet: Der Kindle Fire kommt mit einem neuen mobilen Browser daher, der Silk heißt – und die Webseiten nach den Worten des Amazon-Gründers schneller laden soll jedes andere Tablet.

Der Kindle Fire basiert auf Googles mobilen Betriebssystem Android und verfügt wie Apple ebenfalls über ein großes Angebot an Inhalten: Amazon-Kunden in den USA können zum Start bereits aus 100.000 Filmen und TV-Serien auswählen, gar 17 Millionen Songs umfasst das Musik-Angebot. Und einen App Store hat Amazon ebenfalls bereits zu bieten.

Börse feiert Bezos

Deswegen werde der Kindle Fire vor allem den iPad-Konkurrenten weh tun, glaubt Techblogger Robert Scoble.  "Apple wird heute (an der Börse) etwas verlieren. Aber wer wird von Amazons Ankündigung noch härter getroffen? RIM und Microsoft", folgert Scoble. "Das Playbook ist jetzt absolut tot. Kein Ökosystem. Keine Apps. Ein hoher Preis." Microsoft? "Nachdem Kunden gesehen haben, was Apple und Amazon anbieten, schaut keiner mehr auf Windows."

An der Börse wurde Bezos für seine Produktvorstellung – neben dem Tablet präsentierte Amazon auch zwei neue Kindles – gefeiert: Die Amazon-Aktie gewann gegen den Marktrend knapp 3 Prozent an Wert, Apple und Microsoft gaben leicht nach, RIM-Papiere verloren mehr als drei Prozent.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige