BBC lässt Hobby-Trader Crash erklären

So schnell geht es im viralen Internet: Ein Hobby-Trader zieht sich schick an, gelt die Haare – und gibt den großen Börsen-Versteher. Abgekauft hat das Alessio Rastani ausgerechnet die eigentlich knochentrockene BBC, in der der 34-Jährige einen Drei-Minuten-Auftritt hatte. Dort singt der Anleger ein Hohelied auf die kommenden Rezession. Im Internet wurde der Clip zum Kult – dabei sind Rastanis vermeintlich große Worte eigentlich erschreckend banal.

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So schnell geht es im viralen Internet: Ein Hobby-Trader zieht sich schick an, gelt die Haare – und gibt den großen Börsen-Versteher. Abgekauft hat das Alessio Rastani ausgerechnet die eigentlich knochentrockene BBC, in der der 34-Jährige einen Drei-Minuten-Auftritt hatte. Dort singt der Anleger ein Hohelied auf die kommenden Rezession. Im Internet wurde der Clip zum Kult – dabei sind Rastanis vermeintlich große Worte eigentlich erschreckend banal.

Vielleicht fehlte einfach noch das Gesicht zur Krise: UBS-Zocker Kweku Adoboli versenkte unlängst 1,5  Milliarden Euro – doch eine Erklärung für die misslungene Spekulation, die als Parabel für den gegenwärtigen Börsencrash taugen könnte, fehlte.

An diesen bühnereifen Auftritt machte sich nun der unabhängige Börsenhändler Alessio Rastani. Und das im entsprechenden Broker-Outfit: Mit gegelten Haaren und geckenhafter Krawatte trat Rastani am Montag vor die BBC-Kameras und erklärte sich zur aktuellen Börsenlage: Die Euro-Krise werde sich verschlimmern, der Markt sei kaputt, die großen Player wüssten das und hätte ihre Gelder längst abgezogen, erklärte der Händler, der auf eigene Rechnung arbeitet.

"Krise ist wie ein Kresbgeschwür"

So weit, so banal – Einschätzungen in diesen oder ähnlichen Worthülsen füllen die Nachrichtensender tagein, tagsaus. Danach sollte es spruchreifer werden: Rastani machte eine Pause und erklärte, dass ihn die Krise gar nicht interessiere, er sei Trader und wolle Geld machen, egal ob bei steigenden oder fallenden Kursen. Er selber sehne sich diesen Markt seit drei Jahren herbei, erklärte Rastani: "Ich gehe ins Bett und träume von einer Rezession." Es gab schließlich auch in den 30ern Leute, die "darauf vorbereitet waren und aus dem Crash Geld gemacht haben." Das gehe jetzt auch.

Für die etwas konstanierte BBC-Moderatorin und die TV-Zuschauer hat Rastani dann noch mehr viel zitierfähiges Material bereit: Diese Krise sei wie ein Kresbgeschwür,  sie breite sich aus. Die Regierungen hätten nicht mehr das Heft des Handelns in der Hand, sondern die wertvollste US-Investmentbank, Goldman Sachs. Deshalb müsse man vorbereitet sein und sich entsprechend positionieren. "Seien Sie vorbereitet zu handeln", wiederholte Rastani immer wieder. Das größte Risiko sei, nichts zu tun.

Auffälliger Auftritt, schwache Performance

All das ist nichts Verwerfliches, sondern in erster Linie Trader-Wunschdenken: Shortselling, also das Verdienen am fallenden Kursen, ist Börsenalltag – und höchst legal. Offenbar ist der jedoch nicht der Mehrheit des sozialen Internet bekannt. Mehr als eine Million Mal wurden Rastanis Börsenweisheiten binnen der letzten 48 Stunden inzwischen bei YouTube angeklickt und als großes Krisenbekenntnis gefeiert.

Warum eigentlich, erscheint ebenso rätselhaft wie überhaupt der Gastauftritt des Traders. Wie sich gestern herausstellte, ist Rastani alles anderes als der Starinvestor, als der er erscheint. Nach Recherchen des Daily Telegraph sind seine Trading-Erfolge tatsächlich höchst begrenzt. Nach vier Jahr im Börsenhandel liegt Rastanis Konto um mehr als zehntausend Pfund im Minus.

Web-Hype: 1 Million YouTube-Besuche, 8000 Facebook-Fans

Besser als an der Börse verkaufen kann sich Rastani offenbar in der Öffentlichkeit: "Ich suche die Aufmerksamkeit", gestand der 34-jährige, dem eine Kommunikationsfirma gehört, dem Daily Telegraph. Und die Medien arbeiten sich geduldig Hobby-Trader ab: Auch CNN gewährte Rastani gestern ein Interview,  BBC-Chefredakteur Robtert Pestn pries das eigene Gespräch vorher als "must-see" an. 

Für Rastani haben sich seine 3 Minuten Berühmtheit unterdessen gelohnt – der Clip läuft auf YouTube heiß, seine frisch eingerichtete Facebook-Fanpage bringt es schon auf 8.000 Fans. Fast jeder Eintrag ist voll des Lobes. Bleibt am Ende eine einfache Frage: Wer ist eigentlich naiver – die BBC, Rastanis Facebook-Fans oder die Anleger an der Börse, die zuletzt so viel verloren haben?

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