Die bittere MDR-Bilanz von Udo Reiter

Der ausgekungelte Nachfolger von MDR-Gründungsintendant Udo Reiter, der Leipziger-Volkszeitungs-Chef Bernd Hilder, wurde am Montag abgelehnt. Die Affäre um das Finanzgebaren des Ex-Unterhaltungschefs Udo Foht nimmt weiter Fahrt auf. Reiter steht am Ende seiner 20-jährigen Amtszeit vor einem Scherbenhaufen. Unter seiner Führung wurde der MDR zum Skandalsender Nummer Eins der Republik. Ein unangenehmes Biotop aus Stasi-Fällen, Korruption und Balla-Balla-TV.

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Es ist ja nicht so, dass der Fall Udo Foht ein Einzelfall wäre. Der frühere Unterhaltungschef des MDR galt als “König der Volksmusik”, der Stars wie Florian Silbereisen für den MDR aufgebaut hat. Nun kam scheibchenweise heraus, dass Foht sich von diversen Produktionsfirmen und Personen aus der Medien- und Unterhaltungsbranche, die mit dem Sender geschäftlich zu tun hatten, Geld lieh und teilweise nicht zurückzahlte. Schmiergeldvorwürfe stehen im Raum, die Staatsanwaltschaft ermittelt, Noch-Intendant Udo Reiter wusste von nichts und verspricht Aufklärung. Business as usual beim MDR.

Kurz vor der Affäre Foht hatte der Sender die Kika-Affäre zu verdauen. Ein Mitarbeiter prellte den lustigen Kinderquatsch-Sender um über 8 Millionen Euro, Sicherungssysteme und Kontrollen versagten in Serie. Beim für den Kika zuständigen MDR wurde Aufklärung und Besserung gelobt. Und man hat ja von nichts gewusst.

Anfang 2011 verschwanden MDR-Moderatoren reihenweise vom Bildschirm. Es gab Stasi-Enttarnungen in Serie. Sabine Hingst, Moderatorin der MDR-Politmagazins "Fakt", Horst Mempel, von der Reise-Sendung "Biwak", Ingolf Rackwitz, Nachrichtenchef MDR Info, der bekannte ARD und MDR Wintersportexperte Hans-Joachim Schröter und weitere mussten vom Bildschirm entfernt werden, weil ihre Stasi-Vergangenheit ans Licht kam. In der FAZ bezeichnete der Berliner Bürgerrechtler Konrad Weiß den MDR als „die DDR im Gurkenglas“. Intendant Udo Reiter versprach "rückhaltlose Aufklärung".

Im Jahr 2009 war es mal wieder das liebe Geld gewesen, das den MDR in Negativ-Schlagzeilen brachte. Der sächsische Landesrechnungshof mahnte an, dass Ende 2005 über 530 Mio. Euro vom MDR in Fonds angelegt wurde, die wegen der Finanzkrise drastisch an Wert verloren hatten. MDR verzockt Gebührengelder mit Finanzspekulationen lautete der Vorwurf. Der Sender bestritt das. Interessanterweise mit dem Hinweis, die Anlagepolitik des Senders sei zwischen 2001 und 2005 “durchaus erfolgreich gewesen”.

Das war nicht immer der Fall. 1999 gab es schon einmal massiven Ärger, als sich der MDR mit einer Spekulation auf die ecuadorianische Währung Sucre verzockte und einen Millionenverlust einfuhr. Intendant Udo Reiter wusste in bewährter Manier von nicht, ein Verwaltungsdirektor übernahm damals die Verantwortung.

2005 war das Jahr, in dem die Affäre Mohren stattfand. der frühere Sportchef des MDR soll gegen Geld Veranstaltungen auf Sendung gebracht haben. Der Fall stand damals im Zusammenhang mit dem noch weit größeren Korruptionsfall rund um den früheren HR-Sportchef Jürgen Emig. Mohren wurde 2009 schließlich wegen Vorteilsnahme, Steuerhinterziehung und Betrug verurteilt.

Wenn man sich all diese Skandale und Skandälchen des MDR der zurückliegenden Jahre vor Augen führt, dann erkennt man, dass es eigentlich immer um zwei Dinge geht: Korruption und vertuschte Stasi-Akten. Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Probleme eng in der DNA des Senders verwoben sind. Nach dem Ende der DDR baute der aus Bayern stammende Udo Reiter den neuen Sender auf. Es sollen wilde Zeiten gewesen sein. Das Geld war knapp, die eine oder andere Spekulation am Finanzmarkt klappte vielleicht ganz gut. Bei den Stasi-Akten der Mitarbeiter wurde ein Auge zugedrückt. “Jeder hat doch schon mal gelogen”, soll Reiter einmal gesagt haben. Der Satz bringt eine gewisse Laissez-Faire-Haltung zm Ausdruck, die für die Entwicklung eines öffentlich-rechtlichen Senders eher ungesund ist, wie man mittlerweile weiß. Hauptsache die Quoten stimmten. Der MDR schuf sich sein Profil als Schunkelkanal, es ging voran nach dem Motto "Augen zu und durch". Über die Jahre wurde ein Skandal nach dem anderen ausgesessen. Man wusste von nichts, man versprach Aufklärung, man setzte vielleicht eine Kommission ein. Im Prinzip aber kultivierte man das Wegschauen. Nach 20 Jahren an der Spitze des Senders, bekommt Udo Reiter nun die Quittung dafür. Am Ende ist es eine bittere Bilanz.

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