Zeigefinger-„Tatort“ in „Derrick“-Tempo

Die Kölner "Tatort"-Ermittler orientieren sich immer mehr am lokalen Fußballverein 1. FC Köln. Der dümpelt seit dem Wiederaufstieg vor einigen Jahren im Mittelmaß der Bundesliga herum. Ballauf und Schenk geht es ähnlich. Wer erinnert sich noch an einen richtig guten Krimi mit den beiden? Ihrem neuesten Fall "Auskreuzung" mangelt es fast komplett an Spannung, dafür nervt er mit erhobenem Zeigefinger zum Thema Gentechnik. MEEDIA hat sich den neuesten "Tatort" angeschaut - hier die Kritik.

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Zum Inhalt: Ballauf und Schenk werden in ein Institut gerufen, das aus genmanipulierten Pflanzen Heilmittel herstellen will. Eine der Forscherinnen liegt eines Morgens tot über eine Tiefkühltruhe gebeugt. Deutet bei diesem Todesfall zunächst noch alles auf einen Unfall hin, so handelt es sich beim zweiten Todesfall im Umfeld des Instituts offensichtlich um Mord. Ein aufstrebender Mitarbeiter der Firma liegt mit einer Tüte über dem Kopf auf seiner Couch. Ein Selbstmord wird schnell ausgeschlossen.

In den Fokus der beiden Ermittler rückt schnell eine Gruppe von "Feldbefreiern", Demonstranten, die Felder besetzen, auf denen genmanipulierte Pflanzen des Instituts wachsen. Alexander Geyda (Tom Schilling) hat offenbar eine Verbindung zur Instituts-Mitarbeiterin Lara Bahls (Luise Berndt). Ist er der Täter? Oder handelt es sich um Machtkämpfe innerhalb des Instituts?

Das Problem des neuesten Kölner "Tatorts" ist, dass er genau diese Fragen nur sehr schleppend beantwortet. Ballauf und Schenk ermitteln relativ bräsig und routiniert vor sich hin, interessante Wendungen gibt es nicht, Spannung kommt während der gesamten 85 Minuten eigentlich nicht auf. Noch dazu nerven die beiden Ermittler: Schenk muss mit plumpen Erhobener-Zeigefinger-Monologen den Gentechnik-Kritiker geben und bestellt deswegen sogar eine Portion Mayonnaise ohne Pommes, Ballauf bekommt Besuch vom Nachwuchs einer Verflossenen, der behauptet, sein Sohn zu sein. Auch dieser Nebenhandlungsstrang verleiht dem Krimi keinerlei Spannung.

Schade ist zudem, dass die durchaus starken Schauspieler wie Tom Schilling und Misel Maticevic alle unter ihren Möglichkeiten bleiben. Sicher liegt das auch an den nicht gerade kreativen Dialogen, die allzu oft an einen lahmen "Derrick" aus den 80er Jahren erinnern. Als "Tatort"-Fan geht es einem wie den Fans des 1. FC Köln: Man wünscht sich, dass die Kölner wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen. Für "Auskreuzung" gilt jedoch: zu lahm, null Spannung, irgendwie steril, schwache Dialoge – diesen "Tatort" muss man sich wirklich nicht anschauen.

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