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Facebook wird zum Tagebuch des Lebens

Es sind die größten Neuerungen seit der Einführung des Like-Buttons: Facebook hat auf der Entwicklerkonferenz f8 einige grundlegende Änderungen präsentiert. Die wichtigste ist die Neugestaltung des Profils, das Mark Zuckerberg zur Timeline umfunktioniert. In anderen Worten: Nutzer sollen in Facebook ihr digitales Leben erzählen. Gleichzeitig wird Facebook durch Partnerschaften mit Spotify, Hulu und Netflix zur regelrechten Medienzentrale. Auch eine neue Generation von Apps soll folgen.

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Facebook geht aufs Ganze: Mit einer bisher nicht gekannten Produktoffensive will sich das weltgrößte Social Network, das inzwischen offiziell 800 Millionen Nutzer umfasst, vor dem 2012 erwarteten Börsengang offenbar neu erfinden. Gleich drei Baustellen eröffnet Mark Zuckerberg auf einmal: Facebook tritt verstärkt als Anbieter von Medieninhalten wie Musik, Filmen und TV-Serien auf, Applikationen werden vielfältiger und allgegenwärtiger, und das Profil wird wieder einmal überarbeitet.  

Letzterer Eingriff ist massiver als bei vorangegangenen Relaunches: Das Profil, die digitale Visitenkarte eines Nutzers, wird nicht nur im Design (etwa mittels eines überdimensionierten Profilsbildes) oder der Funktionalität verändert – es  hat künftig nicht weniger als den Anspruch, die Biographie eines Mitglieds abzubilden. "Es geht darum, die Geschichte des eigenen Lebens zu erzählen", schwadroniert Mark Zuckerberg. "Alle wichtigen Geschichten deines Lebens stehen auf einer Seite."

Zeittafel: Das digitale Leben durchdesignen – und neu schreiben

Dabei sollen nicht nur die bisher veröffentlichten Inhalte in besserer Form abrufbar sein (bisher war dafür lästiges Scrollen nötig, nun reichen Klicks auf die Jahreszahlen) – die Nutzer sollen Facebook natürlich auch wieder freiwillig mit Daten füttern: "Timeline"( zu deutsch: "Zeittafel") nennt Facebook sein neues Profil.

Tatsächlich ist die Neudefinierung nicht unangemessen: Die Timeline sieht nicht mehr aus wie ein Steckbrief, sondern mehr wie ein Blog oder ein magaziniger Webauftritt – die graphischen Elemente sind klar in den Vordergrund gerückt. Die eigenen Highlights – wie etwa Fotos – können per Mausklick festgelegt werden.

Die Aktivitäten in der Vergangenheit, die bisher chronologisch geordnet waren, werden gebündelt wiedergegeben – etwa, wie viele neue Freunde ich im August hinzugefügt habe, welche Orte ich besucht habe, wie viel Kilometer ich gelaufen bin, usw., usf.

Medienzentrale: Songs, Filme und TV-Serien via Facebook

Unter der Oberfläche spielt sich indes die eigentliche Weiterentwicklung ab, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gestern ebenfalls mit neues Features ausrollte: So werden Applikationen auf Facebook künftig eine wichtigere, d.h. sichtbarere Rolle spielen. Der gerade als Newsfeed eingeführte Ticker informiert ständig über die Aktivität eines Mitglieds – also auch über eine Applikationsnutzung. Im Verborgenen FarmVille zu spielen, ist vorbei. Künftig soll sogar angezeigt, wenn zwei Nutzer miteinander ein Spiel spielen.

Damit nicht genug: Gleichzeitig stellte Zuckerberg eine neue Generation von Apps vor, die gleichzeitig in die Timeline eingebunden werden – nämlich neue Medieninhalte, die Mitglieder künftig direkt über das Social Network nutzen können. Gleich drei Partnerschaften verkündete Zuckerberg gestern: Die erwartete Kooperation mit dem Musik-Streaming-Dienst Spotify, durch den Mitglieder (zumindest in den USA) bald Songs anhören können, während die Partnerschaften mit den Verleihern Netflix und Hulu Filme und TV-Serien im Social Network erlebbar machen.

"Riskanteste Wette seit der Gründung"

Mit diesen neuen Änderungen, die nicht weniger als den umfangreichsten Relaunch in der siebeinhalbjährigen Firmengeschichte darstellen, geht Mark Zuckerberg in die Offensive. Die Frage, ob die Nutzer wirklich Lust darauf haben, sich auf Facebook noch intensiver mit ihrem Leben zu beschäftigen, stellt sich der 27-Jährige nicht – Zuckerberg geht schlicht davon aus, dass die virtuelle Inszenierung der eigenen Biographie das nächste Level im sozialen Internet ist. 

So selbstbewusst dieser nächste Schritt in der Weiterentwicklung von Facebook erscheint, so gewagt ist er auch in der Annahme, dass das weltgrößte Social Network das Rad der ständigen Neuerfindung immer weiterdrehen kann: "Es ist Zuckerbergs riskanteste Wette seit dem Start 2004", findet etwa das Technologieblog Mashable.

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