Degeto streicht Filmproduzenten das Geld

Die öffentlich-rechtliche Filmgesellschaft ARD Degeto hat sich offenbar übernommen. Weil zu viele Sendungen auf Halde liegen, stampft sie ihr Produktionsvolumen für die nächsten zwei Jahre ein. Sämtliche Projekte seien gestoppt, berichtet die Süddeutsche Zeitung. In einem Brief forderte die Produzentenallianz von ARD-Programmdirektor Volker Herres, „unter dem Gesichtspunkt der Transparenz“ zu erfahren, wie es zur Überproduktion kam. Nun soll Degeto-Chef Hans-Wolfgang Jurgan extern überprüft werden.

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Der Süddeutschen Zeitung zufolge konnte die Degeto von 2009 bis 2012 mit beinahe 1,5 Milliarden Euro planen und produzierte davon in erster Linie „klebrige TV-Schnulzen“. 2009 wandte sie für Lizenzeinkäufe, Auftrags- und Gemeinschaftsproduktionen, Kofinanzierungen, Materialbeschaffung und Synchronisation 426 Millionen Euro auf. Zum Vergleich: Der beim Bayerischen Rundfunk angelegte Sportrechte-Etat des Ersten habe im gleichen Zeitraum, inklusive Fußball-WM und Olympia, etwas mehr als eine Milliarde Euro betragen.
Die Degeto äußerte sich bisher nur schriftlich zu den Anschuldigungen. Sie gab zu, in den Jahren 2010 und 2011 ihr Engagement „sowohl im Lizenzerwerb als auch in der Produktion intensiviert“ zu haben. Dadurch liegt so viel Programm auf Halde, dass es „angesichts perspektivisch verringerter finanzieller Rahmenvorgaben und der Übernahme zusätzlicher Aufgaben zunächst im Programm ausgestrahlt werden soll“. Vor 2014 können Produzenten kein Geld für Neuproduktionen erwarten. „Die ARD Degeto bittet um Verständnis, dass sie im sorgsamen Umgang mit Gebührengeldern verpflichtet ist, zunächst vorrangig ihren Programmvorrat einzubringen, bevor wieder verstärkt Aufträge in den Markt vergeben werden können“, teilte die Firma mit.
Die Produzentenallianz zeigt sich nun in einem Brief, der MEEDIA vorliegt, verwundert darüber, dass die Degeto kein Volumen für Filmproduktionen in den kommenden zwei Jahren mehr hat. Schließlich sei es seitens der ARD-Tochter üblich, „Verträge zumeist kurz vor oder erst nach Drehbeginn“ auszufertigen. Der Verband fordert, dass der Sender ihr darlegen soll, „wie viel erhöhtes Programmvorratsvolumen besteht und wie sich dies auf Auftragsproduktionen einerseits und Lizenzproduktionen andererseits aufteilt“. Ebenso will die Produzentenallianz über die zuvor erwähnten zusätzlichen Aufgaben, die den finanziellen Rahmen verringern, informiert werden.
Für die ARD kommt diese neue Panne zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn erst gestern wurde bekannt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender 1,5 Milliarden Euro mehr Geld für die Gebührenperiode 2013 bis 2016 fordern. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) sprach „von einem völligen Realitätsverlust der gebührenfinanzierten Anstalten“; die Bild schrieb, „das teuerste öffentlich-rechtliche Fernsehen der Welt soll noch teurer werden“ und stellte sogar die komplette interne Finanzvorschau der Sender zum Download bereit.
Bereits 1928 als Deutsche Gesellschaft für Ton und Film gegründet, war die Degeto von 1954 an zunächst für die Filmbeschaffung des HR zuständig. Seit 1959 sind die Landesrundfunkanstalten der ARD bzw. ihre Werbetöchter Gesellschafter der Firma. Firmensitz ist Frankfurt am Main. Geschäftszweck der Degeto sind die Beschaffung und der Erwerb von Lizenzen an Fernsehsendungen aller Art, auch in Form von Kofinanzierungen, Produktionsbeteiligungen und Auftragsproduktionen.

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