dmexco – zwischen Triumph und Häme

Geht man in diesem Jahr durch die Gänge der Kölner Internet-Marketing-Messe dmexco, so fällt auf, dass die Stimmung überaus positiv ist. Von Schuldenkrise ist nichts zu hören, eine Branche feiert sich. Und das nicht ohne Grund: Die Werbeumsätze mit Netz-Inhalten steigen unaufhörlich, die Messe ist trotz Erweiterung von einer auf zwei Hallen auf Ausstellerseite restlos ausverkauft. Doch ihr oft kritisiertes Image als unsympathische Veranstaltung für schnöselige Verkäufer wird sie nicht ganz los.

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Schaut man in soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook, so dauert es nicht lang, bis Tweets oder Statusmeldungen auftauchen, in denen sich Blogger, Journalisten und Kreative über die dmexco lustig machen. Dort ginge es nur ums Banner-Verkaufen, die Messe sei "höchstens die Schach-AG der uncoolen Streber aus der ersten Reihe" (Videojournalist und Blogger Markus Hündgen) und es sei "wirklich unglaublich wie schlecht die Vorträge und Seminare auf der dmexco" seien, "Pseudoprofis dokumentieren ihr Heißluftwissen." (Noch-Wirtschaftswoche-Mann Jochen Mai).

An diesem Negativ-Image ist die Messe zum Teil durchaus selbst schuld. Natürlich ist die dmexco eine Marketing-Messe. Es ist logisch, dass dort viele Verkäufer und Marketingmenschen unterwegs sind. Dennoch: Das, was im Netz vermarktet wird, sind in den meisten Fällen Kreativität, Journalismus, tolle Inhalte. Auf der dmexco merkt man davon aber herzlich wenig. Da ist ein toll designter Stand wie der vom Netz-Musikfernsehen tape.tv schon eine extreme Ausnahme. Bei den Messe-Auftritten der Großverlage beispielsweise wüsste man als Außenstehender überhaupt nicht, was dort im Netz überhaupt gemacht wird, womit um Werbekunden gebuhlt wird. Klar, es gibt ein paar Logos von Medienmarken, es werden (Print!)-Ausgaben von Computer Bild und TV Movie verteilt, doch das Herzblut ist nicht zu sehen.

Das betrifft in ähnlichem Maße die Konferenz. Trockene Marketing-Themen, Kreative kommen nicht vor. Warum also nimmt sich die Messe nicht ein Beispiel an Verkaufsveranstaltungen anderer Branchen? Dem Fernsehen gelingt es doch auch – früher bei der Telemesse und heute bei ihren Roadshows – emotional mit ihren Inhalten für sich zum trommeln. Warum treten bei der dmexco nicht Journalisten und Kreative auf, um den Marketingmenschen und potenziellen Werbekunden mit Engagement und Herzblut zu vermitteln, warum das Netz so ein tolles Medium ist und genau ihre Inhalte so stark und attraktiv für die Kundschaft sind?

Klar, es gibt Ansätze wie das neue Beiboot Ubercloud, doch das wirkt derzeit noch als absoluter Fremdkörper, weil es mit den Akteuren der eigentlichen dmexco nicht viel zu tun hat. Will die Veranstaltung also Leben in die Behauptung, man habe einen "klaren Fokus auf Werbung, KREATIVITÄT, Markenführung, Relevanz und Effizienz" bringen, sollte sie das Thema Kreativität für das nächste Jahr stärken. Und dabei sollten alle Aussteller und Akteure ein gewisses Stück mithelfen.

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