“Digitalisierung ist Evolution auf Speed”

Der Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski eröffnete die Internet-Messe dmexco am Mittwoch in Köln mit einer Keynote, in der er Vorzüge und Chancen der Digitalisierung für die Medienwirtschaft pries. Die Digitalisierung habe die Entwicklung der Medien radikal beschleunigt: “Digitalisierung ist Evolution auf Speed”. Trotz aller Unwägbarkeiten seien aber Faktoren wie Inhalte, Qualitätsjournalismus und Service auch in der digitalen Welt unverzichtbare Erfolgsgaranten, so Ostrowski.

Anzeige

Bertelsmann verfüge im Digitalen heute schon über führende Marktpositionen. Über die Online-Plattformen der RTL Group seien allein im ersten Halbjahr 2011 fast eine Milliarde Videos abgerufen worden. Die Bertelsmann-Buch-Sparte Random House habe mittlerweile über 27.000 Titel als E-Books im Programm. In den USA verdiene Bertelsmann jeden fünften Dollar digital, zählte Ostrowski auf.

Dabei sei eine Unterscheidung, wie viel Umsatz analog oder digital gemacht werde, generell weder wünschenswert noch wirklich machbar. Entscheidend sei, dass man mit den Inhalten die Menschen erreiche, egal auf welchem Endgerät.  Ostrowski: “Wichtig ist in erster Linie, dass wir die Botschaften mit möglichst wenigen Streuverlusten in die Zielgruppe tragen.” Der konzerneigene Werbevermarkter IP Deutschland habe darum ein Modell für eine Konvergenzwährung entwickelt, die vergleichbare Kontaktdaten über Plattformen und Endgeräte hinweg schafft. “Ein solches Multichannel-Denken ist zukunftsweisend – und es ist das gute Recht unserer Werbekunden”, so der Bertelsmann-Chef.

Für Bertelsmann gelten laut Ostrowski sieben Erfolgsfaktoren für die digitale Welt: 1. Inhalte, 2. Marken, 3. Qualitätsjournalismus, 4. Paid Content, 5. Vernetzung und Kooperation, 6. Service-Expertise, 7. Kostenorientierung.

Wobei Ostrowski beim Mode-Thema Paid Content durchaus ein paar Einschränkungen machte. Werbung mache bei den Online-Angeboten von Gruner + Jahr über 90 Prozent der Erlöse aus. Das sei so gewollt und werde mittelfristig auch so bleiben, so Ostrowski. “Paid Content wird für unsere journalistischen Angebote eher perspektivisch eine zweite Erlössäule darstellen”, sagte er. Dies gelte dann vor allem für Premiumseiten mit besonders exklusiven Inhalten. Ein schneller, großflächiger Schwenk von Bertelsmann hin zu Paid Content steht also offenbar nicht an.

Beim Stichwort Service-Expertise verwies Ostrowski auf den stillen Star im Konzern, die Dienstleistungssparte Arvato, die auch für Digital-Riesen wie Google, Microsoft oder Amazon tätig sei: “Häufig wird gesagt, dass es genau diese Unternehmen sind, die uns das Geschäft streitig machen. Das Gegenteil ist aber richtig: Wir wachsen mit ihnen!” Arvato kümmert sich dort u.a. um wichtige Infrastruktur-Projekte wie E-Commerce, Kundenbindung, Datensicherheit und Abrechnung. Ostrowski: “Dies sind allesamt Geschäfte, die auf den ersten Blick ganz sicher nicht die Faszination eines E-Books oder einer mitreißenden Fernseh-Show ausüben. Aber sie sind ganz sicher auch mehr als nur Hand- oder Beiwerk.”

Das Sparen, in Ostrowskis Worten “Kostenorientierung”, schließlich habe sich zum Dauerzustand der Branche entwickelt. “Ich verrate Ihnen nichts Neues, wenn ich Ihnen sage, dass sich heute die gesamte Branche darauf eingestellt hat, dauerhaft mit einer niedrigeren Kostenbasis zu arbeiten”, sagte der Medienmanager und hatte ein Beispiel von der Verlagstochter G+J parat. Für die Zeitschrift Schöner Wohnen seien Fotos bis vor kurzem noch in Ateliers teuer inszeniert worden. Heute würden Redakteure online recherchieren und Nutzer dann zuhause besuchen und dort Fotos machen. “Das ist nicht nur günstiger, sondern auch deutlich authentischer und erfolgreicher”, so Ostrowski. Schöne, preiswerte, neue Medienwelt.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige