Die Medien und Benedikt: De Papst kütt

Für deutsche Medienschaffende herrscht in dieser Woche himmlischer Ausnahmezustand: Papst Benedikt XVI. besucht ab Donnerstag drei Tage lang Deutschland. Talkshows, Magazine, Zeitungen und Online-Angebote haben ein publizistisches Papst-Feuerwerk gezündet. Jeder auf seine Weise. Der Spiegel mosert über den “Unbelehrbaren”, die Papst-Fans bei der Bild werfen gewohnheitsmäßig die PR-Maschine an und TV-Talker balgen sich um Gäste mit Papst-Kompetenz.

Anzeige

Den Anfang mit der medialen Papst-Dauerberieselung machte die ARD-Talkshow “Hart aber fair” am Montag, u.a. mit BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken und Spät-Talker Domian. Am heutigen Dienstag folgt Frank Plasbergs Kollegin Sandra Maischberger, die den selbst erklärten Benedikt-Intimus Andreas Englisch ausgegraben hat (unvergessen seine Bild-Serie: “Mein Freund, der Papst”). Zeitgleich talkt im Zweiten Markus Lanz mit dem Theologen Manfred Lütz, der sogar mit dem Papst schon mal ein paar Monate im selben Haus gelebt hat! Ihren Senf dazu geben Lisa Fitz und Humor-Sänger Bernd Stelter ("Mahatma Glück,  Mahatma Pech, Mahatma Ghandi"). 

Maybrit Illner hält ihr Thema der Woche noch unter Verschluss – könnte es etwas sein, das vielleicht mit “P” anfängt und mit “apst” aufhört? Wir werden sehen. Und den Papst-Kehraus-Talk macht dann am Sonntag Günther Jauch, der u.a. mit Thomas Gottschalk über den Pontifex plaudert. Wenn Jauch auf Sendung geht, ist der Papst allerdings schon wieder weg. Wollte Jauch mit seiner Sendung nicht die Themen der nächsten Woche setzen? Und wieso Gottschalk zum Papst? Egal! Jauch und Gottschalk zusammen ziehen immer und Jauch braucht die Quote.

Das Erste kommt seinem Programmauftrag natürlich auch mit ausführlicher Live-Übertragung nach. Am Donnerstag wird die Rede des Papstes im Bundestag live im Ersten übertragen, ebenso wie sein Gottesdienst im Berliner Olympiastadion. Aber was ist mit Phoenix, dem Ereignis-Kanal von ARD und ZDF? Da wird auch übertragen – klar. Wenn man schon mal dabei ist. Doppelt hält besser.

Auch im Print-Segment wird eifrig gepapstelt. Der Spiel titelte schon am Montag “Der Unbelehrbare” und stellte sich damit ganz nach vorne in die Reihe der Papst-Kritiker. Den publizistischen Gegenpol bildet wenig überraschend die Bild-Zeitung. Chefredakteur Kai Diekmann ist ja bekennender Papst-Fan. Und so kann sich die Bild drei Tage lang ganz ihren Lieblingsthemen widmen: Papst und Eigen-Vermarktung. Die Hochzeit zwischen Papst und PR findet ihren augenfälligsten Ausdruck in dem gigantomanischen Plakat, das den berühmten “Wir sind Papst”-Titel der Bild zeigt und die gesamte Front des Springer-Hochhauses bedeckt. Aber mal ganz im Vertrauen, liebe Bild-Leute: Ja, die Zeile war gut – aber wird Euch diese immer wiederkehrende Selbst-Bewienerung wegen einer sechs Jahre alten Schlagzeile nicht auch langsam so ein ganz kleines bisschen peinlich? Nee? Na ja.

A propos peinlich: Schade, dass Kirchen-Fan Wolfram Weimer schon vor dem Papst-Besuch als Focus-Chef abgesägt wurde. Statt lustiger Verbal-Kapriolen aus der Weimer’schen Edelfeder zum Pontifex Maximus titelt der Focus diese Woche: “Ist unser Geld verloren?” mit dem üblichen Griechen-Gedöns. Laaangweilig! Der Papst schafft es beim Focus gerade mal auf die Titel-Randspalte, gleich unter “Schmerz besiegen”.

Wir sind gespannt, was dem Stern zum Thema einfällt. Vielleicht findet sich ja irgendein abgefahrener Dreh, mit dem man den Papst-Besuch und eine Nackte zusammen auf den Titel bringen kann? Das wäre doch was!

Lob verdient ausgerechnet ZDF Online für seine Papst-Coverage. Es gibt ein Blog mit durchaus kritischen Untertönen und einen ganz lustigen Papst-Scanner. Die bisher beste Idee hatten aber die Leute von Spiegel Online. Die haben sich zu Uta Ranke-Heinemann ins Wohnzimmer gehockt und mit der Theologin Uta Ranke-Heinemann zusammen das “Wort zum Sonntag” vom Papst geguckt. Ranke-Heinemann hat während ihrer Studienzeit zusammen mit dem Papst Latein gepaukt, als er noch Joseph Ratzinger war. Reporter beobachten Uta Ranke-Heinemann wie sie das “Wort zum Sonntag” vom Papst beobachtet. Was für eine lustige Idee! Davon hätten wir gerne ein Video gehabt.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige