Twitter-Demonstration an der Wall Street

Die Vorlage war groß: Nach den Demonstrationen im Nahen Osten und in Spanien wäre als nächstes das Epizentrum der Finanzkrise fällig, dachten sich Konsumkritiker und organisierten via Twitter unter dem Hastag #occupywallstreet am Samstag ein friedliches Sit-In. Unterstützt von den Netzaktivisten Anonymous versammelten sich tausende Demonstranten, die allerdings kaum wussten, wie sie ihren Protest ausdrücken sollten. Auffällig waren nur die für Anonymous charakteristischen Guy-Fawkes-Masken.

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Die Vorlage war groß: Nach den Demonstrationen im Nahen Osten und in Spanien wäre als nächstes das Epizentrum der Finanzkrise fällig, dachten sich Konsumkritiker und organisierten via Twitter unter dem Hastag #occupywallstreet am Samstag ein friedliches Sit-In. Unterstützt von den Netzaktivisten Anonymous versammelten sich tausende Demonstranten, die allerdings kaum wussten, wie sie ihren Protest ausdrücken sollten. Auffällig waren nur die für Anonymous charakteristischen Guy-Fawkes-Masken.

Das Timing hätte besser kaum sein können: Am Vorabend vor dem lange geplanten Wall Street-Protest warnte New Yorks amtierender Bürgermeister Michael Bloomberg noch vor Massendemonstrationen. In seiner Radioansprache am Samstag erklärte Bloomberg: "Das passierte in Kairo. Das passierte in Madrid. Und hier wollen wir diese Ausschreitungen nicht haben."

Stunden später campierten jedoch die ersten Aktivisten der Gruppierung "AdBusters" im Financial Destrict New Yorks. Der Protest der Kapitalismuskritiker war aber keine direkte Antwort auf Bloomberg, sondern von langer Hand geplant worden. Die kanadischen Globalisierungsaktivisten hatten bereits Mitte Juli, als die Proteste in Spanien immer weiter anschwollen, zu der Wall Street-Aktion aufgerufen.

#occupywallstreet-Bewegung hat sich viel vorgenommen: "Bereit für einen Tahir-Moment?"

"Seid Ihr bereit für einen Tahir-Moment?", tönte AdBusters auf der eigenen Website in Anspielung auf die Demonstrationen in Ägyptens Hauptstadt Kairo, zu denen sich immer wieder Hunderttausende versammelt hatten.

"Strömt am 17. September nach Lower Manhattan, errichtet Zelte, friedliche Barrikaden und nehmt die Wall Street ein." Das ist dann auch genau das Motto, auf das die Bewegung reduziert wurde und im Internet zirkulierte – unter dem Hashtag #occupywallstreet, das sich via Twitter in den letzten 48 Stunden 1,3 Millionen Mal verbreitete.

Via Livestream.com wird die Protestbewegung, die gestern in den zweiten Tag ging, zudem live übertragen. Die Demonstration läuft bislang ausnahmslos friedlich ab. Die tausenden Demonstranten, die zum Teil in den für Anonymous typischen Guy-Fawkes-Masken umherlaufen, protestieren gegen die Auswüchse des Kapitalismus, den sie für die konjunkturelle Misere und die aktuelle Massenarbeitslosigkeit verantwortlich machen.

Handzahme Demo: "Kapitalismus funktioniert nicht"

"Stop trading our future" ist auf einem Plakat zu lesen, "hört auf, unsere Zukunft zu handeln" – "make Jobs, not war", "schafft Jobs statt Krieg zu führen", auf einem anderen. "Kapitalismus funktioniert nicht", lautet eine andere Protestschrift. Die Schmähplakate gegen Neu-Bayern-Star Manuel Neuer hatten gestern dagegen ein anderes Kaliber.

So wirkt die  #occupywallstreet-Demonstration dann auch eher wie eine Klassenveranstaltung der Internet-Gemeinde. Der revolutionäre Funke der Protest-Bewegung aus dem Nahen Osten scheint bislang nicht greifbar – zumindest nicht aus dem Wackel-Stream im Internet.

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