Web-Protest gegen neue Star-Wars-Versionen

Die Star-Wars-Filme des US-Regisseurs George Lucas sind für viele Menschen Bestandteil der Pop-Kultur. Am Freitag, 16. September, erscheinen die sechs Filme erstmals auf Blu Ray in einer wieder mal neu überarbeiteten Fassung. U.a. wurde dem Ober-Schurken Darth Vader bei “Die Rückkehr der Jedi-Ritter” ein “Noo!” in den Mund gelegt. Der kurze Ruf erzürnt die Fans. Im Internet häufen sich Boykott-Aufrufe für die neue Version und Veralberungen. George Lucas spürt womöglich die dunkle Seite der Fan-Macht.

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Die umstrittene Szene befindet sich ziemlich am Ende von “Die Rückkehr der Jedi-Ritter”. Der böse Imperator ist gerade dabei Luke Skywalker mit Hilfe von Strahlen aus seinen Fingern umzubringen, als sich Lukes Vater, Darth Vader alias Anakin Skywalker, besinnt, den Imperator packt und in einen Abgrund schmeisst. Bisher ging der Sinneswandel des Masken-Mannes Vader stumm von statten. In der neusten Version hat George Lucas ihm zweimal ein gequältes “Noo!” in den Mund gelegt.

Für Fans ist das ein Sakrileg zuviel. In Rezensionen bei Amazon und Fan-Foren häufen sich die Aufrufe und Ankündigungen, die neue Star-Wars-Version zu boykottieren. Vor allem regt man sich darüber auf, dass nicht wenigstens die alten Versionen zusätzlich auf die Blu Rays gepackt wurden. Dabei ist der “Noo!”-Schrei nicht das einzige, was geändert wurde. Obi Wan Kenobi bekam in der 4. Episode, die ursprünglich der erste Film war, auch einen neuen “Schrei” verpasst, als er die Sandleute vertreibt. Und Lucas hat mal wieder mit dem Computer rumgespielt und allerlei neue Effekte und Figuren hinzugefügt.

Die Frickelei an Star Wars hat Tradition. Als die ersten drei Filme zu einem Jubiläum neu herausgebracht wurden, hat Lucas die Filme optisch aufgemöbelt und es wurden mit Computertricks neue Raumschiffe und Wesen hinzugefügt, die tricktechnisch Ende der 70er Jahre noch nicht realisierbar gewesen wären. Später tauschte Lucas in “Rückkehr der Jedi” sogar den Schauspieler, der Darth Vader in dessen Todesszene spielte, am Ende gegen den jungen Hayden Christensen aus, der den jungen Darth Vader in den neuen Filmen darstellt und fügte noch Schauplätze aus den drei neuen Filmen mit ein. Lucas wollte so nachträglich die Illusion erzeugen, dass alle Filme “aus einem Guss” sind. Den Hardcore-Fans stieß das schon immer übel auf.

Die bekannteste Änderung der Star-Wars-Filme war aber der Political Correctness geschuldet. Im ersten Film (Episode 4) gibt es eine Szene, in der Weltraum-Haudegen Han Solo (Harrison Ford) beiläufig und heimtückisch einen Kopfgeldjäger erschießt. In der neuen Version schießt der Kopfgeldjäger zuerst und Han Solo handelt nur aus “Notwehr”. Bei den Fans wurde der Satz “Han shot first!” zum geflügelten Wort.

Die jüngsten Änderungen aber zogen eine bisher ungekannte Protestwelle nach sich, die via Web und Social Media ungeahnte Folgen haben könnte. Mit Fotomontagen und Video-Zusammenschnitten, in denen beispielsweise ein “Noo!” in alle möglichen Filmklassiker hineingeschnitten wird, veralbern die Fans das jüngste Machwerk aus dem Hause Lucas. Es gibt sogar schon eine eigene Website nooooooooooooooo.com mit einem "Instant-No-Button". Gut möglich, dass George Lucas nun zum ersten Mal die dunkle Seite der Macht der Fans zu spüren bekommt – nämlich dann, wenn weniger Leute als erwartet die neuen Blu Ray Versionen der Star Wars Filme kaufen. Das wäre eine Form der Kritik, die gewiss auch George Lucas ernst nehmen würde.

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