Facebook: Börsengang vorerst verschoben

Das Börsenstart von Facebook wird noch ein bisschen länger auf sich warten lassen. Mindestens ein Jahr wird es wohl noch dauern, bis Facebook an die Wall Street strebt. Frühestens im nächsten September könnte es soweit sein, berichtet die Financial Times. Anders als bei den kürzlich auf Eis gelegten Börsenplänen von Groupon sollen nicht die Marktturbulenzen Grund für die Verzögerung sein, sondern eine möglichst lange Bindung der Mitarbeiter, die ihre Anteile im Zuge des IPOs veräußern könnten.

Anzeige

Das Warten geht weiter: Nicht Anfang nächsten Jahres, wie vielfach erwartet worden war, sondern erst im Herbst 2012 will Facebook offenbar an die Börse streben. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Anders als beim Internet-Aufsteiger Groupon, der seine Börsenpläne aufgrund der aktuell schlechten Stimmung an den Aktienmärkten auf unbestimmte Zeit verschob, sind Facebooks Gründe für den Aufschub hausgemacht.

So berichtet die Financial Times, das weltgrößte Social Network wähle diese Strategie, um seine Mitarbeiter weiter an das Unternehmen zu binden. Die Problematik aufstrebender Start-ups, die an Börse gehen, ist bekannt: In frühen Jahren werden Mitarbeiter mit großzügigen Aktienoptionen angelockt, die das nicht immer üppige Anfangsgehalt kompensieren.

Geht das Start-up tatsächlich an die Börse, haben Mitarbeiter irgendwann die Möglichkeit, ihre Unternehmenanteile entsprechend zu veräußern: Je länger die Firmenzugehörigkeit, je wichtiger die Position und je höher der Aktienkurs des Börsendebütanten, desto größer der  zu erwartende Verkaufserlös an der Börse.

Späterer Börsengang, um Mitarbeiter möglichst lange zu binden
Entsprechend besorgt dürfte Facebook auf einen möglichen Aderlass blicken – immerhin wird das IPO des weltgrößten sozialen Netzwerks bereits als der größte Börsengang aller Zeiten gehandelt. Auf 66,5 Milliarden Dollar wird Facebooks Wert derzeit am Sekundärmarkt taxiert – es waren im Frühjahr schon mal 80 Milliarden Dollar.

Börsenexperten rechnen längst damit, dass Facebook, das bereits über die Investmentbank Goldman Sachs einen Teil des Unternehmens an vermögende Kunden verkauft hat, eine Bewertung jenseits der 100 Milliarden Dollar anstrebt. Abhängig von den Haltefrist, dürften sich nicht wenig Facebooker der ersten Stunde da überlegen, ihre Firmenanteile zu versilbern und das Unternehmen zu verlassen.   

Risiko Rezession: Wie sieht die Börsenwelt in einem Jahr aus?
"Es ist wünschenswert, eine Erstemission so lange wie möglich hinauszuzögern", wird der erste Facebook-Investor Peter Thiel in der Financial Times zitiert. Facebook-Rivale Google agierte einst ähnlich und debütierte 2004 ebenfalls relativ spät an der Börse, als der Konzern das Suchgeschäft komplett dominierte und zum Börsendebüt mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewertet wurde. "Das war eine gute Wettbewerbsstrategie. Es hat die Menschen dazu gebracht, auf langfristigen Wert zu achten und nicht auf Quartalszahlen", so Facebook-Investor.

Allerdings machte Google der Aderlass nach einer Wertsteigerung von in der Spitze fast 700 Prozent in drei Jahren ebenfalls zu schaffen: Viele Googler der ersten Stunde lösten ihre Aktienoptionen ein und verließen den Internetgiganten – zum Teil, um mit dem Geld selbst neue Unternehmen zu gründen.

Davon ist Facebook zweifellos noch Jahre entfernt. Ein anderes Risiko nimmt das weltgrößte Social Network allerdings mit der Verschiebung billigend in Kauf: Nämlich die Wette, dass das Marktumfeld in einem Jahr überhaupt einen Börsengang zulässt. Stürzt die Weltwirtschaft tatsächlich in eine schwere Rezession, wie derzeit von nicht wenigen Ökonomen befürchtet werden, dürfte es für Facebook, nicht einfach werden, den 100 Milliarden-Börsengang hinzulegen.

Dass sich Facebook auch ohne Börsengang in jedem Fall Anfang 2012 in die Bilanzen schauen lassen muss, ist nicht mehr als eine Randnotiz. Mit dem Verkauf von Unternehmensanteilen an Goldman Sachs hat das sieben Jahre alte Internet-Unternehmen die Schwelle von 500 Aktionären überschritten und muss nach den Regularien der US-Börsenaufsicht SEC spätestens im ersten Quartal des Folgejahres turnusmäßig seine Bilanz ausweisen – Börsenlisting hin oder her. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige