WAZ-Zwist: Einsam, zweisam, dreisam

Wer gedachte hatte, mit der geplanten Übernahme der Mehrheit an der WAZ-Gruppe durch Gesellschafterin Petra Grotkamp seien die Machtverhältnisse im Konzern geklärt, dürfte in den kommenden Monaten eines Besseren belehrt werden. Innerhalb des Funke-Familienstamms, in dem die Hälfte an der WAZ-Gruppe verankert ist, gelten weiter die bestehenden Machtverhältnisse. Eine für Außenstehende eher kryptische Mitteilung von Stamm-Sprecher Klaus Schubries zeigt, dass die Grotkamps nicht durchregieren werden können.

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"WAZ-Gesellschafterprozess abgeschlossen: Grotkamp-Klage erfolglos", so die Überschrift der Pressemitteilung, die von Klaus Schubries, dem Sprecher der Funke-Familien-Gesellschaft (FFG), unterschrieben ist. In der FFG liegen 50 Prozent an der WAZ-Gruppe. Die Anteile in der FFG halten zu gleichen Teilen Renate Schubries, die Erben von Gisela Holthoff und Petra Grotkamp. Die Kernbotschaft der Mitteilung, in der es um eine Nichtzulassungsbeschwerde durch Frau Grotkamp geht, die diese zum Bundesgerichtshof gebracht hatte, lautet: Innerhalb der FFG, die aus drei Gesellschaftern besteht, reicht eine Mehrheit von zwei zu eins Stimmen für eine Entscheidungsfindung aus. Während Petra und ihr Ehemann Günther Grotkamp seit Jahren darauf pochen, dass Entscheidungen einstimmig geschlossen werden sollen, votieren die Gesellschafter Schubries und Holthoff für die einfache Mehrheit.

Hintergrund verschiedener Klagen und schließlich der Einreichung der Beschwerde beim BGH war eine Ausschüttung in Höhe von über 400 Millionen Euro an die Gesellschafter im Jahr 2005. Die hatten zuvor beschlossen, einen Anteil an der RTL-Gruppe von 7,4 Prozent zu versilbern und kassierten dafür 550 Millionen. Die Grotkamps forderten, dass ein größerer Teil des Erlöses in der Gesellschaft zu verbleiben habe. Ihre Mitgesellschafter sprachen sich dagegen aus. Ursprünglich hatte das Landgericht Essen eine entsprechende Klage der Grotkamps abgewiesen. Die Berufung wurde vom Oberlandesgericht Hamm zurückgewiesen, eine Revision nicht zugelassen. Das BGH erklärte mit der Zurückweisung der Beschwerde nun formal, dass es sich des Falls nicht annehmen wird. Der Ritt durch die Institutionen erwies sich für die Grotkamps als ziemliche Schlappe.

Warum ist das bedeutungsvoll? Weil in dem Fall und der Kommunikation des Funke-Sprechers Schubries deutlich wird, dass die Grotkamps gegenüber ihren Mitgesellschaftern weiter isoliert dastehen. In Essen heißt es, die Gesellschafter Schubries und Holthoff hielten die Unstimmigkeiten damit für erledigt. Juristisch hat Petra Grotkamp offenbar die letzte verfügbare Karte ausgereizt.

Die Festlegung auf ein Entscheidungsprinzip und der bevorstehende Verkauf der Brost-Anteile an Frau Grotkamp haben rein formell zunächst einmal nichts miteinander zu tun. Doch – nachdem die Grotkamp´sche Offerte an die Brost-Erben zunächst als die Zerschlagung des Gordischen Knotens bewertet wurde, weil die Machtverhältnisse bei der WAZ nun endgültig geklärt würden, ist zu konstatieren: In der FFG bleibt erstmal alles beim Alten. Frau Grotkamp wird künftig eine Stimme als Rechtsnachfolgerin der Brost-Erben haben und über eine Stimme in der FFG verfügen. Die Anteile von 50 Prozent und 16,67 Prozent können vermutlich nicht kumuliert werden. Die Sperrminoritäten der Gesellschafter Schubries und Holthoff blieben bestehen. Oder es käme erneut zu Klagen gegen diese Auslegung, die sich über Jahre hinziehen könnten. Eine andere Antwort auf die drohende Fortsetzung der gegenseitigen Streitigkeiten wäre die Auflösung der Zwei-Stamm-Struktur und eine komplette Umstrukturierung der WAZ-Gruppe, etwa als Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis. Solche Pläne schwelen schon seit einigen Jahren, doch sollen die Grotkamps angeblich keine Befürworter dieser Lösung sein.

Bisher steckte hinter dem Pochen der Grotkamps auf das Einstimmigkeitsprinzip die Möglichkeit, Entscheidungen in der FFG durch ein Nein blockieren zu können. Als – zumindest rechnerische – Mehrheitsgesellschafter müssen die Grotkamps nun die Richtung vorgeben und ihre Mitgesellschafter von ihrer Strategie überzeugen. Die Zauberworte lauten: Koexistenz und Kooperation. Eine Fortsetzung der Blockadestrategie käme alle Gesellschafter teuer zu stehen. Bliebe als Ausweg freilich noch die Möglichkeit, dass Petra Grotkamp auch ihre zwei Mitgesellschafter ausbezahlt – doch diese Variante wäre vermutlich zum jetzigen Zeitpunkt auch für die sehr vermögenden Grotkamps des Machbaren zu viel.

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