„Tatort“: Warten, bis der Jauch kommt

Man nehme eine madenzerfressene Leiche einer Lehrerin, stelle sie in den Kontext mit einem unversöhnlichen Schüler sowie rachsüchtigen Eltern und gebe dazu noch eine große Portion an Klischees über die afrikanische Kultur: Fertig ist das Drehbuch für den Ludwigshafener "Tatort" mit dem schlichten Titel "Tod einer Lehrerin", der heute vor der Premiere von Günther Jauch ausgestrahlt wird. Der ARD-Krimi wirkt nicht nur durch die vielen Nebenschauplätzen überfrachtet, sondern ist auch schlecht erzählt.

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Da haben sich die Drehbuchautoren Thomas Freundner und Hans Gerd Müller-Welters aber etwas zusammengebraut: Die Lehrerin Heike Fuchs wurde in ihrem Zimmerspringbrunnen ertränkt. Weil sie sehr zurückgezogen lebte, wird ihr Tod erst dadurch bemerkt, dass sie nach den Ferien nicht in die Schule zurückkehrt. Eine der Schülerinnen, die aus Afrika stammende Eshe Steger (Corazon Herbsthofer), macht sich auf die Suche nach Frau Fuchs und taucht ausgerechnet dann am Tatort auf, als Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihr Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) die (Wasser-)Leiche entdecken. Das Mädchen rennt davon – uneinholbar für die sportliche Odenthal.

Sodann beginnen die Ermittlungen der Kommissare: Das Mädchen muss irgendwie mit dem Fall zu tun haben. Dazu muss es noch irgendwo einen Schüler geben, der wegen eines Schulverweises schlecht auf die Lehrerin zu sprechen war. Und dann müssen doch noch irgendwo Eltern aufzufinden sein, die noch eine Rechnung mit der Fuchs offen haben.

Auch wenn der ARD-Krimi sich hauptsächlich mit diesen Nebenschauplätzen beschäftigt, geht es im Kern um etwas ganz anderes. Doch das soll der Zuschauer erst in den letzten 15 Minuten erfahren. Heike Fuchs beschäftigte sich intensiv mit der afrikanischen Tradition und steckte mit dem Begegnungszentrum für Afrikaner im Clinch, was ihr dann zum Verhängnis wurde. Durch diese Verknappung vergibt der Krimi eine große Chance, ein gesellschaftlich wichtiges Thema nachhaltig in den Fokus des Zuschauers zu rücken.

Es ist schon sehr mühsam, dem Ludwigshafener "Tatort" bis zum Ende zu folgen. Auch der Versuch, die Geschichte um eine frühere Affäre und einer daraus entstandenen möglichen Vaterschaft von Kopper aufzupeppen, ist nur ein billiger Versuch, den Krimi künstlich mit Witz und Homestory zu beatmen. Angesichts des Jahrestages der Terroranschläge vom 11. September hätte man sich einen bedeutenderen "Tatort" in der ARD gewünscht.

Sollte "Tod einer Lehrerin" dennoch eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteil werden, so dürfte das weniger mit der Qualität des Krimis zu tun haben als damit, dass Günther Jauch im Anschluss Premiere als ARD-Talker hat. Auch wenn es in der Regel umgekehrt läuft: Diesmal könnte es sein, dass der "Tatort" vom Talk profitiert.

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