Eine zweite Chance für die Mom

Diese Woche gab es gleich mehrere neue Zeitschriften. Da ist zum einen der Brigitte-Ableger Mom, der aber eigentlich gar nicht so neu ist. Vor zehn Jahren probierte es der heutige Brigitte-Chef Andreas Lebert schon einmal mit einer Mom. Das Auto-Heft ramp versucht mit rampstyle einen Ableger und dann war da noch das deutsche Wired - inklusive infantiler Blogger-Empörung über die Koppelung an GQ. Und WAZ-Chef Christian Nienhaus präsentierte zwar keine neue Zeitschrift, hatte aber dafür neue Einsichten.

Anzeige

Der Begriff “zurückrudern” wurde Anfang der Woche von WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus ganz neu definiert. Er hatte ja zuvor in einem auf Krawall gebürsteten Interview mit der FAZ behauptet, der WDR habe Landespolitiker in Nordrhein-Westfalen unter Druck wegen einer Abstimmung um eine geplante Mediengebühr gesetzt und sogar mit negativer Berichterstattung gedroht. Eine erstaunlich steile Behauptung. Als der WDR wegen der Behauptung mit rechtlichen Schritten drohte, hieß es plötzlich von Nienhaus, er sei “missverstanden” worden. Nur: Was konnte man da missverstehen? So unglaublich seine Anschuldigungen in der FAZ gegen den WDR auch waren – missverständlich waren sie eigentlich nicht.

Diese Woche erschien die erste (und hoffentlich nicht letzte) Ausgabe der deutschen Wired im Bundle mit dem mode-orientierten Männermagazin GQ. Die Koppelung von Wired an GQ sorgte für einiges an emotionaler Aufregung unter bloggenden und twitternden Wired-Fans. Viele moserten via Twitter, dass sie Wired wegen der GQ nicht kaufen würden, das sei ja eklig usw. Ein Blogger stellte sogar ein infantiles Video online, das zeigt, wie er die Wired auspackt und die GQ in den nächsten Mülleimer schmeisst. Nun muss man die GQ und Männermagazine ja nicht mögen und kann auch die Methode des Bundles doof finden – aber diese Empörungswelle wirkt dann doch ein bisschen lächerlich. Mag man die GQ nicht, tut man sie halt weg. Oder blättert sie kurz durch oder lädt sich die Wired-App runter oder wartet bis das Heft einzeln in den Handel kommt oder was auch immer. Sich als pseudo-subversiver Medien-Rebell zu inszenieren, indem man seinen GQ-Hass zelebriert, wirkt ein bisschen sehr armselig.
Im gleichen Segment wie das Männerheft von Condé Nast startete jüngst die Stilfibel rampstyle des Reutlinger Independent-Verlegers Michael Köckritz (ramp). Das mehr als 300 Seiten starke Magazin ist ein mutiges Bekenntnis zum Print und brachte dem 54-Jährigen Selfmade-Mann einige Sympathien ein. Dennoch machten die Blattkritiken auch deutlich, dass rampstyle abgesehen vom Umfang keine neuen Maßstäbe setzt. Der Inhalt und die Protagonisten (Hemingway, Steve McQueen, Yves Saint Laurent) wirkten derart old fashioned, dass der Titel auch in den 90ern – der großen Zeit des seit langem schwächelnden Männermarkts – so hätte erscheinen können. Ein Heft "aus dem Bauch heraus" verspricht Köckritz im selbstverfassten Editorial. Das Versprechen löst er ein. Aber: Entweder haben sich die Männer und ihre Bedürfnisse seit Jahrzehnten so gar nicht verändert. Oder die Branche (und eine große Zielgruppe) wartet nach wie vor auf eine Magazin-Innovation, die den aktuellen Interessen der männlichen Best Ager gerecht wird. Hoffen wir auf Letzteres.

Manchmal kommen sie wieder – die Medienkonzepte aus der Vergangenheit. Diese Woche gab es einigen Buzz wegen des Starts der neuen G+J-Zeitschrift Brigitte Mom. Ein frisches, lifestyliges Mütter-Magazin, das nicht als problemorientierter Ratgeber wie Eltern daherkommen will. Mom? Moment mal – gab es das nicht schon mal….doch! Es war im Jahr 2001, da testete der heutige Brigitte-Chef und Mom-Mann Andreas Lebert ein Magazin namens Mom für G+J.  Das Konzept damals: ein frisches Magazin für Mütter, das eben kein problemorientierter Ratgeber sein will. Mom wurde 2001 nur in Hessen getestet. Das Cover zierte eine kühle Frau, die eher achtlos ein kleines Kind im Arm hielt. Die Marktforschungsergebnisse sollen nicht ganz so toll gewesen sein – das Projekt wurde nach dem Hessen-Test sang- und klanglos beerdigt. Aber offenbar nicht im Kopf von Andreas Lebert. Zehn Jahre später gibt es nun also einen neuen Anlauf für Mom – diesmal unter Brigitte-Fittichen. Vielleicht hat Andreas Lebert sich in den Jahren als Brigitte-Chef noch mehr in die Denke der Weiblichkeit hineinversetzen können. Vielleicht war Mom damals auch einfach seiner Zeit voraus. Wir werden sehen, wie sich die neue Mom am Markt schlägt.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige