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Alex: „Der ‚Checker‘ bleibt ein Teil von mir“

Alexander Wesselsky ist, auch noch nach seinem Abgang aus der gleichnamigen Sendung, vielen besser bekannt als "Der Checker" vom Männersender Dmax. Am Samstag startet seine neue Sendung „Auto gebraucht!“ bei Kabel eins: Wenn es nach dem 42-Jährigen geht, eine „echte Alternative zu unglaublich viel Trash“ im deutschen „Handbremsen-TV“. Im MEEDIA-Interview spricht er über seine Zeit "als Checker", über die Gründe seines unfreiwilligen Abschieds von Dmax sowie seine Karriereambitionen im TV-Geschäft.

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Herr Wesselsky, Sie sind als „Der Checker“ bekanntgeworden. Stört es Sie, dass Sie nach Ende der Sendung noch als „Checker“ angesprochen werden?
Für mich hat sich nichts geändert: Ich, der große Superheld des Gebrauchtwagen-Marktes. Das stört mich überhaupt nicht. Es wäre absurd, wenn es mich stören würde, denn dann darf man so etwas nicht machen. Ich habe meine Persönlichkeit bewusst und mit voller Absicht à la Bruce Wayne alias Batman hinter den Kunstnamen gestellt und das war eine richtige Entscheidung. Das hat natürlich den Haken, dass viele nicht wissen, dass ich Alexander Wesselsky bin. Da muss man jetzt noch dran arbeiten.
Versuchen Sie von dem Image "Der Checker" wegzukommen?
Nein, „der Checker“ ist eine Rolle, die ich entwickelt und getragen habe. Ich versuche auf keinen Fall der Rolle davonzulaufen. Warum auch? Die Folgen werden nach wie vor auf Dmax wiederholt. Wir waren über lange Zeit die erfolgreichste Sendung, wir haben auch die Ludolfs überrundet. Ich darf zwar jetzt aus diversen Gründen nicht mehr mitfeiern, aber es ist eine Geschichte, auf die ich durchaus stolz sein kann. Auf einem kleinen Sender ist man so hoch wie möglich gekommen. „Der Checker“ ist ein Teil von mir und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Aber ich bin ja nicht mehr bei Dmax und insofern muss man natürlich zusehen, dass Alexander Wesselsky als Moderator, Schauspieler und Frontmann der Band Eisbrecher hinter dem „Checker“ zum Tragen kommt. Es sollte jetzt nicht so sein, dass man zum Opfer einer Figur wird, die man irgendwann installiert hat.
Im Moment laufen auch die neuen Folgen der Show mit Ihrer Ex-Kollegin Lina van de Mars. Schalten Sie ab und zu noch ein?
Nein, außer ich stolpere beim Zappen zufällig rein. Ich habe mir die erste Folge, die sie gedreht haben, als Online-Preview angeschaut. Eigentlich hätte ich die ja noch machen sollen. Nach viereinhalb Jahren erfolgreichem Checker-Dasein hat das ein bisschen was Schwermütiges, aber man ist natürlich neugierig: Da steht immer noch dasselbe Logo "Der Checker – Viel Auto wenig Geld", aber jetzt sind es drei Männer. Das erfüllt mich dann doch mit Stolz, zu sehen, dass man drei Kerle braucht, um einen zu ersetzen.
Die neuen Folgen von "Der Checker" sind für Sie also eine Mogelpackung?
Definitiv für alle, die es sich anschauen und den „Checker“ erwarten und die Interna nicht kennen. Dmax ist ein Indie-Sender, es wird nicht in jeder Fernsehzeitung stehen: "Achtung! Alles neu bei Dmax und der Alex ist nicht mehr dabei" Die Leute schalten ein, freuen sich auf neue Folgen und stellen fest, dass es nicht mehr die alten sind und sind enttäuscht. Das finde ich nicht gut. Ich denke, wenn man es anders gemacht hätte, ein neuer Name, ein neues Konzept, vielleicht "Lina und die Checkers" oder "Lina und ihre Boys" wäre das schlauer gewesen als eine Marke zu verwässern. Man sollte Publikum und Fans nicht unterschätzen und „überfahren“!
Vier Jahre waren Sie bei Dmax. Als wir Ende 2010 auf MEEDIA.de berichteten, dass Sie zukünftig nicht mehr dabei sind, hatten wir um die 100 Kommentare, die Ihren Abgang beklagten. Warum war nach der 8. Staffel Schluss?
Schwierig. Ich sage jetzt mal so: Wir haben uns nicht im Guten getrennt. Ich befinde mich mit Dmax in einem schwebenden Verfahren. Die ganze Sache geht unschön vor Gericht. Das kam leider so, denn ich hätte es auch gerne bis ans Ende meiner Tage weiter machen können. Ich vermisse das Taxi, die quietschende Tür, die liebe Lina und das klassische „Checkern“ durchaus; war ne tolle Zeit und ein tolles Format!
Es geht konkret um die Marke "Checker"?
Wer ist "Der Checker"? Wer darf sich "Der Checker" nennen? Darf sich überhaupt einer "Der Checker" nennen? Da gibt es unterschiedliche Auffassungen. Für jemanden, der jeden Tag auf der Straße als "Der Checker" angesprochen wird, ist das nicht ganz unbedeutend.
Dmax will die Marke "Der Checker" für sich beanspruchen?
So sieht es wohl aus. Für die Menschen bin ich de facto "Der Checker" und ich möchte gerne der sein dürfen, der ich für die Leute bin. Ich glaube dieses Recht habe ich mir erarbeitet.
Dmax feiert diese Woche sein fünfjähriges Bestehen. Sie waren von Anfang an dabei. Wie haben Sie die Anfangszeit bei dem Männersender erlebt?
Im Juli haben wir angefangen zu drehen und am dritten Drehtag war dann die große Kickoff-Party in München, wo sich der Sender für wahnsinnig viel Geld präsentiert hat. Da wurden große Reden geschwungen: Was ist eigentlich Männer-TV? Viele Eigenproduktionen: Maschinen, Helden usw. Ein paar Jahre später ist von der Gründungsmannschaft kaum noch einer da. Ich glaube fast das komplette Personal wurde einmal ausgewechselt, davon, glaube ich, 80 Prozent im letzten dreiviertel Jahr. Man ist mit unglaublich hohen Erwartungen an die Sache herangegangen, aber es hat nicht so brillant von Anfang an funktioniert. Die Events wurden auch von Jahr zu Jahr kleiner und der Realität angepasst. Aber der Sender ist erstmal gut aufgenommen worden: „Die Ludolfs“, „D Motor“, „Der Checker“, „Das Angeln“ usw. Eigentlich fast jede Sendung hatte was Kultiges, weil es tatsächlich Charakterköpfe waren. Da hat Dmax schon was Mutiges geleistet und was Tolles geschafft.
Wo steht der Sender jetzt?
Dmax hat eine spannende Alternative zum teilweise wirklich katastrophal langweiligen, vorhersehbaren deutschen Privatsender-Einheitsbrei etabliert. Der Fokus war, soweit ich mich erinnere: Dmax produziert mehrheitlich einheimisch und kauft wenig Material von Übersee. Jetzt ist es wieder ganz umgekehrt. Die haben, glaube ich, noch pro Woche drei bis vier Stunden – ohne die Wiederholungen – Eigenproduktionen. Der Rest ist eingekauftes Konservenmaterial, das wir schon vor fünf Jahren in England oder sonst wo gesehen haben. Was Dmax dazu gebracht hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, bei den Fans kommt dieser Schwenk nicht so gut an. Ich denke, da hat man sich in die falsche Richtung gedreht.
"Fernsehen für die tollsten Menschen der Welt: Männer" wirbt der Sender. Was halten Sie vom Slogan?
Das ist ein witziger Claim. Als Feministin kriegt man wahrscheinlich das Kotzen, aber wenn man mal entspannt bleibt, dann sagt man "Jajaja, Lasst sie spielen, die Jungs!"
Es gibt auch einen Frauensender.
Genau, es gibt jetzt endlich auch Sixx – den Frauensender. Nicht zu vergessen, dass Katja Hofem-Best früher ein führender Kopf bei DMAX war. Also vom Männersender zum Frauensender scheint es nur ein kleiner Sprung zu sein.
Sie haben die Ludolfs und die vielen Eigenproduktionen schon angesprochen, die mehr und mehr eingestellt werden sollen. Es scheint doch so zu sein, dass bei Dmax kein Geld mehr da war bzw. ist. Wie geht es mit Dmax weiter?
Gute Frage. Ich sehe wie bei anderen Privatsendern auch die Tendenz, dass die Leute ihr Fernsehen selbst machen. Sprich: Ich bau mir ein Haus, es kommt ein Fernsehteam und schaut mir dabei zu. Produktionskosten gleich Null und die Leute sind froh, dass sie ihr Gesicht vor die Kamera tragen können. Ich war eine ganze Weile stolz bei Dmax zu sein. Ich finde, sie haben eine richtig gute Idee gehabt. Mein Tipp wäre: mehr Mut wieder auf Charakterköpfe zu setzen. Und strengt mal wieder eure Rüben an, aber das geht an alle Privatsender raus: Leute, fällt euch wirklich nichts Besseres ein als immer nur die Blindkopie einer billigen US-  oder britischen Sendung zu senden, oder bereits schon mal gefloppte Formate zu reanimieren?
Wie stellen Sie sich das Fernsehen in Deutschland stattdessen vor?
Es darf mal kantiger, frecher, mutiger sein. Man darf auch mal politisch inkorrekt sein. Ich sage nur das Beispiel "Top Gear". Die Deutschen machen zu viel unmutiges Fernsehen, Handbremsen-TV, das sage ich immer wieder. Von dem ursprünglich mutigen Ansatz, von den großen Sprüchen von Dmax, das alles zu revolutionieren, ist nur noch wenig übrig. Beim Fernsehen fehlt mir ein bisschen die Kreativität der Macher und die Kämpfernatur, der Mut, ein Format auch mal wachsen zu lassen! Beim „Checker“ hat DMAX Mut und langen Atem bewiesen. Dafür Respekt!
Für jemanden, der fürs Fernsehen arbeitet, hören Sie sich sehr TV-kritisch an.
Natürlich, jeder TV-Schaffende ist auch Konsument. Ich bin nicht seit meinem 16. Lebensjahr beim Fernsehen und daher komplett betriebsblind. Es kann mir doch niemand erzählen, dass wir hierzulande ein wenigstens witziges, cooles und crazy Niveau haben. Dass es möglich ist, haben zumindest mal Dmax und ein paar Ausnahmen gezeigt. Das hatte mich an den Ludolfs und beim Checker immer gefreut. Das ist ein sympathisches Format, das man sich von 5 bis 85, Männlein oder Weiblein, mit oder ohne Migrationshintergrund, anschauen kann. Man kann damit eine Message verkaufen: Es gibt auch Alternativen zu diesem ganzen glatt geleckten Pseudoscheiß. Davon hätten sich die ganzen anderen Privatsender eine dickere Scheibe abschneiden können.
Am kommenden Samstag strahlt kabel eins die erste Folge Ihrer neuen Serie "Auto gebraucht" aus. Ist das Ihre Antwort auf das schlechte Fernsehen?
Ich bin durchaus ein kritischer Geist. Deswegen habe ich mich mit den Herrschaften bei Dmax auch immer gerne gestritten. Konstruktive Reibung schadet ja nichts! Ich bin nicht der, der alles macht, der alles wegmoderiert was nicht bei drei auf dem Baum ist. Es gibt nur genau einmal die Möglichkeit, so richtig sein Gesicht zu verlieren und wenn dir das  beim Fernsehen passiert, dann war es das. Ich will mich aber nicht zum Arsch machen. Das ist mein Credo. So lange ich es selber gut finde, dann ist es ok. Natürlich erfinden wir mit der Sendung nicht das Rad des Gebrauchtwagen-Suchens neu. Aber es ist uns noch mal gelungen, den speziellen "Alex-Spirit“ aufzugreifen. Es ist zumindest eine echte Alternative zu unglaublich viel Trash, der läuft. Ich kann darauf stolz sein und das ist alles, was zählt. Diese Sendung hat es verdient zu laufen. Wenn es dann nicht sein soll, weil die Quote gegen uns spricht. Dann habe ich Pech gehabt.
Mit "Fort Boyard" haben Sie einen Ausflug in ein anderes Format – außer Autos – gemacht. Welche Ambitionen haben Sie für Ihre TV-Karriere?
Ich würde gerne diese Autogeschichte weitermachen, weil es mir einfach unglaublich viel Freude macht. Wenn ich was fürs Fernsehen mache, möchte ich dahinter stehen können. Ich möchte etwas tun, wo ich mich nicht verbiegen muss. Ich möchte nicht als einer dieser Moderatoren enden, die egal was, egal wo, egal wann, egal wie gut oder wie schlecht moderieren – Hauptsache der Rubel rollt. Das finde ich unbefriedigend. Insofern habe ich, was Ambitionen belangt, nicht wirklich einen Plan. Ich lege es auch nicht darauf an der Nachfolger von Thomas Gottschalk zu werden.
Träumen wir mal: Die Moderation von "Wetten, dass" würden Sie aber übernehmen?
Natürlich. Wer würde nicht das Flagschiff übernehmen? Aber den letzten Seelenverkäufer in der Flotte der TV-Formate, möchte ich nicht spielen müssen. „Wetten dass“ – wenn sie denn kommen und einen brauchen, lass ich Deutschland nicht im Stich.
Könnten Sie sich vorstellen, zu Dmax zurückzukehren?
Das ist immer schwierig. Sag niemals nie, das ist nämlich schnell rausposaunt und hinterher ändert sich viel. Die Schwierigkeiten, die es mit manchen Leuten gab sind schon schier irrelevant, weil keiner mehr da ist. Prinzipiell gilt das Sprichwort: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.
Das trifft auch beim Fernsehen zu?
Im Krieg, in der Liebe und beim Fernsehen ist alles erlaubt.

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