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Gaby Köster und ihr Medien-Comeback

Obwohl sie bisher nur kleine Schritte machen kann, hatte Gaby Köster am Mittwoch ihren großen Auftritt: Steffen Hallaschka begrüßte die Kabarettistin nach drei Jahren Medien-Abstinenz zum ersten Fernseh-Interview bei "stern TV". Der Scoop verschaffte dem Format einen Marktanteil von 26,2 Prozent in der jungen Zielgruppe. Was im TV schon gelang, folgt heute in Print. In der stern-Titelgeschichte spricht Köster über ihren Schlaganfall, die Reaktion der Medien und den Auftritt von Monica Lierhaus.

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Im Januar 2008 erlitt Gaby Köster einen Schlaganfall. Seitdem ist ihre linke Körperhälfte gelähmt. Mittlerweile macht ihr linkes Bein die kleinen Schritte wieder mit. Bei ihrem ersten Auftritt brauchte sie dennoch die Unterstützung von Steffen Hallschka, der sie zu ihrem Sessel führte. Die 49-Jährige ist sichtlich gezeichnet von ihrer Erkrankung, ihren linken Arm kann sie nicht bewegen, ihre Gesichtszüge sind etwas verhärtet. Doch ihren Humor und ihre kölsche Schlagfertigkeit hat sie nicht verloren. 
Köster wirkte im TV-Interview mutig und trotzig. Sie sei froh, wieder im Fernsehen auftreten zu können. "Jetzt muss ich mich nicht mehr verstecken." Sie habe sich dem Tod sehr nah gefühlt, habe in der schweren Zeit auch ihren Vater gesehen, der seit dreißig Jahren tot ist. "Ich habe keine Angst mehr vor dem Sterben. Ich weiß jetzt, meine Lieben werden mich abholen." Schwer sei es für sie, Hilfe von Fremden zu akzeptieren. "Ich muss halt bei allem, was ich machen will, überlegen. Muss erst gucken, wer hat Zeit, wer kann mitgehen. Und das ist zum Kotzen."
Dass es über ihre Krankheit viele Spekulationen – von einer HIV-Erkrankung bis zum Tod – gegeben habe, habe sie genervt. Gegenüber Hallschka sprach sie auch von einer unerfreulichen Begegnung mit einem Boulevard-Journalisten, als sie im Rollstuhl vor der Klinik saß und sie fotografieren wollte. "Und dann hab ich zu ihm gesagt, er soll abhauen. Dann sagt er zu mir, dann lauf doch weg. Und wenn ich da schon so weit gewesen wäre wie jetzt, dann hätte ich dem in seine nicht vorhandenen Eier getreten." Gegenüber Hallschka erklärte sie die dreijährige Nachrichtensperre so, weil das Management sich dazu entschlossen hätte, nur sie selbst über ihre Krankheit reden zu lassen. Das sei in dem Moment aber nicht möglich gewesen. Trotz der ganzen verärgerten Fans: "Ich habe es mir nicht ausgesucht", so Köster.

Im achtseitigen stern-Artikel schreibt Autor Michael Stoessinger, dass Köster nachts, wenn sie nicht schlafen konnte, ihren Namen gegoogelt habe. Stoessinger schreibt: "Es gibt da dieses fatale Missverständnis, dass Menschen, die darstellendes Talent haben, als Allgemeingut gelten, wenn sie nur lang und oft genug im Fernsehen präsent sind." Eine Wertung der ganzen Verschwörungstheorien seitens Köster bleibt der Text aber schuldig. Ihr Kommentar zum Preis der Prominenz: "Prominenz, Prominenz hat mich nie interessiert."
Köster habe den ersten Auftritt von Monica Lierhaus nach ihrem Aneurysma bei der "Goldenen Kamera" verfolgt. "Um Gottes Willen, dachte ich, als die Lierhaus da reinkommt und das Pult anvisiert. Sie hatte ja die Stabilisierungsschienen an, die ich auch trug, das habe ich gleich gesehen. Und gedacht: Oh Gott, hoffentlich stürzt die jetzt nicht."

Das Lierhaus, wie sie später im Zeit-Interview sagte, einen "würdigen Rahmen" für ihre Rückkehr in die Öffentlichkeit gesucht habe, will Köster nicht werten, und doch kann man in ihrer Antwort ihr Unverständnis ablesen: "Mich selbst waschen zu können ist Würde. Alleine auf die Toilette zu gehen, was ich zuhause kann, weil ich da eine Sitzerhöhung habe, das ist für mich Würde. Die Würde und Intimität habe ich damals im Notarztwagen abgegeben, jetzt erkämpfe ich sie mir zurück." Dass sie nun wieder in die Medien zurückkehrt und das Buch "Ein Schnupfen hätte auch gereicht" geschrieben hat, begründet Köster damit, dass es ihr erster Schritt zurück ins Berufsleben sei. Dass sie diesen Weg auch aus finanziellen Gründen gewählt hat – draus macht sie keinen Hehl. Denn in den zurückliegenden Krankheitsjahren habe sie ihre "Rente verblasen".

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