Der journalist führt den Spiegel-Chef vor

Die DJV-Zeitschrift journalist hat den Autoren Hans Hoff auf Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo losgelassen. Dabei herausgekommen ist ein bemerkenswertes Interview, bei dem Mascolo nicht immer einen souveränen Eindruck hinterlässt. Hoff konfrontiert ihn mit dem Trend zum Boulevard, mit der Kritik an szenischen Rekonstruktionen und vielen weiteren großen und kleinen Kritikpunkten am Spiegel. Mascolos Reaktion darauf ist allzu oft ein schlappes “Nein”.

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Der Eindruck, der nach der Lektüre des journalist-Interviews mit Spiegel-Chef Georg Mascolo bleibt, ist der eines müden Mannes, der nicht wirklich Lust hat, sich mit Kritik an seinem Blatt auseinanderzusetzen. Am augenfälligsten wird dies in der Passage, in der es um den Spiegel-Titel zur Bild-Zeitung (“Die Brandstifter”) und ein dazu geführtes Interview mit Bild-Chef Kai Diekmann geht. Auf die Vorhaltungen von Hoff, dass die Spiegel-Redaktion laut Bild-Angaben massiv versucht habe, das gedruckte Interview im Nachhinein zu redigieren, obwohl sich Mascolo selbst über das nachträgliche Redigieren von Gesprächen beklagt, reagiert dieser gereizt.

“Ich habe im Büro von Diekmann nicht 500 mal angerufen”, sagt Mascolo. Darauf Hoff: “Sie haben das Interview auch nicht geführt.” Mascolo: “Ich werde mit Ihnen keine Textexegese anstellen.” Später fragt Hoff: “Sie könnten es (das Interview Anm.d.Red.) doch verteidigen. Was sehe ich falsch?” Mascolo: “Ich nehme zur Kenntnis, dass es Ihnen nicht gefallen hat.”

Als Hoff ihm vorhält, dass zur Titelgeschichte über das neue Buch von Charlotte Roche ein besonders plakatives Zitat ausgewählt wurde, das sich zudem in einem Detail auch noch von dem Interview-Text unterscheidet (“Frauen sind halt total neurotisch”), bezeichnet Mascolo das als “Versehen”.

Im Vorwort der journalist-Ausgabe weist Chefredakteur Matthias Daniel darauf hin, dass sich die Argumente von Bild-Chef Diekmann im Spiegel-Interview und die von Spiegel-Chef Georg Mascolo im journalist-Interview “interessanterweise gleichen”. Beide zeigten sich beispielsweise in Fragen der politischen Haltung “betont ausgewogen”. Gerade hat Kai Diekmann im Handelsblatt wieder ein großes Interview gegeben, in dem er eine seiner Lieblings-Thesen verbreitet, dass Boulevard längst zum Mainstream geworden ist und auch Medien wie SZ, FAZ und eben auch der Spiegel sich Boulevard-Themen und -Stilmittel bedienen würden.

Sollte Georg Mascolo vorgehabt haben, diese These mit seinem Interview im journalist zu entkräften, so ist ihm dies auf recht spektakuläre Weise nicht gelungen. In dem journalist-Interview findet sich noch folgender Wortwechsel: Hoff: Ich möchte darauf hinaus, dass der Spiegel in gewisser Weise auf den Boulevard geht. Mascolo: Die These halte ich für falsch. Hoff: Der Spiegel geht gar nicht auf den Boulevard? Mascolo: Nein.”

Einfach nur “Nein” zu sagen, ist da ein bisschen wenig. Manchmal bleibt dann im Kopf des Lesers stattdessen ein "ja" hängen.

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