Spiegel-Chef von Wikileaks „erschüttert“

Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron hat auf dem Internationalen Medienkongress in Berlin die Entscheidung von Wikileaks, die US-Depeschen unbearbeitet und mit Klarnamen von Informanten in der vergangenen Woche zu veröffentlichen, scharf kritisiert. Beim Spiegel sei man "irritiert und erschüttert", dass die Dokumente unbearbeitet ins Netz gestellt worden seien. Mit dem Selbstverständnis des Spiegel sei die Veröffentlichung nicht zu vereinbaren.

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Blumencron antwortete auf eine Keynote von Julian Assange, die dieser am Dienstag morgen hielt. Das brisante Material habe sich zwar schon zuvor im Netz "verselbstständigt", so Blumencron. Mit dem Selbstverständnis des Spiegel sei das Vorgehen von Assange, den Blumencron "unberechenbar" nannte, aber nicht zu vereinbaren. Informanten beispielsweise in Diktaturen seien nun gezwungen, zu flüchten, müsten um ihr Leben fürchten. "Wir haben das nicht begriffen", sagte Blumencron.

Das Wort "Medienpartner" sei ihm als Beschreibung des Verhältnisses zwischen Spiegel und Wikileaks "zu nah". Ausgeschlossen sei eine weitere Zusammenarbeit aber nicht, sagte Blumencron. Der Spiegel hatte in drei Fällen gemeinsam mit den Blättern Guardian und New York Times Wikileaks zugespielte Dokumente ausgewertet und publiziert, zuletzt die bekannten "US-Depeschen". Das Material sei "extrem wichtig", rechtfertigte Blumencron die Entscheidung zur Kooperation mit der Plattform Wikileaks.

Assange hatte zuvor in seiner Keynote auf dem Internationalen Medienkongress in Berlin deutschen Medien vorgeworfen, "nicht kritisch genug" zu sein. Die Verantwortung für die Verbreitung der unbearbeiteten Depeschen sieht er beim britischen Guardian. 

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