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Chaos bei Techcrunch – Chef Arrington weg?

Wie funktioniert Journalismus 2.0? Diese Frage wird gerade heftigst in den USA diskutiert. Vordergründig geht es allerdings um etwas ganz anderes: Um das Verhalten von AOL, Arianna Huffington, Techcrunch-Gründer Michael Arrington und des New York Times-Medienexperten David Carr. Das Ende der Diskussion könnte der Rausschmiss von Arrington als Techcrunch-Mastermind und das Ende der ungewöhnlichen Unabhängigkeit seiner höchst erfolgreichen Blogger-Redaktion stehen.

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Wie funktioniert Journalismus 2.0? Diese Frage wird gerade heftigst in den USA diskutiert. Vordergründig geht es allerdings um etwas ganz anderes: Um das Verhalten von AOL, Arianna Huffington, Techcrunch-Gründer Michael Arrington und des New York Times-Medienexperten David Carr. Das Ende der Diskussion könnte der Rausschmiss von Arrington als Techcrunch-Mastermind und das Ende der ungewöhnlichen Unabhängigkeit seiner höchst erfolgreichen Blogger-Redaktion stehen.

Auslöser der Querelen ist der Launch des neuen Start-ups-Fonds “the CrunchFund”. Hinter dem Venture Capital-Angebot stehen der Techcrunch-Gründer Michael Arrington und AOL, die vor elf Monaten das Tech-Blog für 25 Millionen Dollar kauften. AOL selbst gilt sogar als größter Geldgeber des neuen Investment-Players.

Der Medienexperte der New York Times David Carr warnt nun, dass AOL und Arrington ihre Start-ups über die eigene journalistische Plattform mit positiven Rezensionen pushen könnten, um damit den Wert der eigenen Investments zu erhöhen.

Techcrunch berichtet extrem kritisch über AOL und sich selbst
Mit dieser Diskussion müssen auch immer wieder die deutschen Web-Business-Portale wie Gründerszene.de und Deutsche-Startups.de rumschlagen. Denn an beiden Angeboten sind mit den Samwer-Brüdern bzw. dem Team Europe Ventures von Lukasz Gadowski auch einflussreiche einheimische Investoren beteiligt.
So weit, so gut: An diesem Punkt fängt es an, kompliziert zu werden. Denn die NYT-Kritik scheint bei AOL einige Entscheider nervös zu machen, die wiederum anfangen Arrington anzuzählen. So sagte die HuffingtonPost-Chefin Arianna Huffington, dass sie einen neuen Chefredakteur für Techcrunch suchen soll.
Was das für Arrington bedeutet, ist jedoch wiederum unklar. Die Redaktion des Web-Portals zumindest tappt komplett im Dunkeln, wie es mit ihr weitergeht. "Mike may be thrown out of the company he founded. Or he may not. No one knows. And if he is, he will be replaced by — well, again, no one knows. No one knows much of anything", bloggt MG Siegler frustriert.
Tatsächlich ist der tagesaktuelle Einfluss des Gründers recht gering. Denn längst ist Techcrunch ein Nachrichten-Portal, dass von mehreren, weitestgehend unabhängig agierenden Bloggern und Journalisten befüllt wird. Diese Konstruktion hat zur Folge, dass die Web-Expeten aus dem Silicon Valley viel schneller auf News reagieren können als viele Old Media-Angebote.
Der Verzicht auf Hierarchien zeigt sich auch in den Selbstbeschreibungen des Portal. So trägt MG Siegler, einer der einflussreichsten US-Tech-Blogger überhaupt den Titel "Kick Ass Pool Party Coordinator”. Davor nannte er sich schon “Super Ultra Editor Supreme”.
Ein weiterer Beleg für die spannende Unabhängigkeit der Tech-Blogger ist auch der Umstand, dass fast zeitgleich zwei Texte online gingen, die sich mit der Carr-Kritik auseinandersetzten und zudem wenig Positives über das Mutterunternehmen AOL äußern. So viel redaktionelle Freiheit wäre in keiner klassischen Redaktion möglich. Weder in den USA, noch in Deutschland.
Update Dienstag 23.00 Uhr: 
Mittlerweile hat sich auch Michael Arrington zu Wort gemeldet. Unmissverständlich fordert der Chefredakteur entweder die redaktionelle Freiheit von der Huffington Post, die AOL den Tech-Bloggern vor einem Jahr zusicherten oder aber, dass AOL Techcrunch wieder an die alten Besitzer zurückgeben solle.
Gleichzeitig kotettiert er ganz offen mit der Möglichkeit, dass AOL ihn feuert. Als Symbolbild zu seinem Posting wählt Arrington ein Foto aus dem Film 300, auf dem sich wenige Spartaner gegen eine Übermacht verschanzen. "Apologies on the corny image. It just reflects exactly how we feel right now. And if this ends up being my last post on TechCrunch, that image is a cool way to exit."

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