Anzeige

Böse “Tagesschau”, gute Mediathek

Im Streit zwischen Zeitungsverlegern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gab es zwar erste Zeichen einer Beruhigung - der Streit um die “Tagesschau”-App wird aber weitergehen. Springer-Chef Mathias Döpfner brachte bei der Medienwoche der Berliner Funkausstellung IFA einen möglichen Kompromiss ins Spiel. Der Verband der Zeitungsverleger lobte parallel ausdrücklich die neue Mediathek-App des ZDF. Warum mögen die Verleger die eine App und hassen die andere?

Anzeige

Vorneweg: Die “Tagesschau”-App ist ein Nachrichten-Angebot. Die App der ZDF Mediathek ist eine Angebot für zeitversetztes Fernsehen auf mobilen Geräten. Ein Vergleich der beiden Apps muss also hinken. Trotzdem stehen beide Apps im Zentrum der aktuellen Diskussion zwischen Zeitungsverlegern und ARD und ZDF. Für die eine (ZDF Mediathek) gibt es Lob, für die andere (“Tagesschau”) Tadel von Verleger-Seite. Nach Lesart der Verleger ist die “Tagesschau”-App “böse”, weil sie das zarte Pflänzchen für digitale Bezahl-Inhalte auf Mobilgeräten kaputtmacht, bevor das Geschäft überhaupt richtig losgegangen ist. Darum sagt Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner auch immer wieder, zuletzt auf der IFA-Medienwoche Berlin, es sei ihm lieber, ARD und ZDF würden stattdessen eine gedruckte, kostenlose Tageszeitung herausbringen.

Die App der ZDF-Mediathek ist nach Lesart der Verleger dagegen “gut”, weil sie auf Texte weitgehend verzichtet und nur das TV-Programm des Senders abbildet. "Wenn nach diesem Modell künftig alle öffentlich-rechtlichen Angebote auf Tablets und Smartphones gestaltet werden, dann ist der Konflikt zwischen Verlagen und den Rundfunksendern gelöst", sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.

Werfen einen genaueren Blick auf die beiden Apps.

Die ZDF Mediathek App ist im wesentlichen eine Umsetzung der bekannten ZDF-Mediathek für Smartphones und Tablets. Man kann alte Sendungen nachträglich anschauen (allerdings in eher schlechter Videoqualität – das ist im Web besser) und auch einige Sendungen parallel zur TV-Ausstrahlung mitverfolgen, u.a. auch die "heute"-Nachrichten. Die ZDF Mediathek bietet auch die Möglichkeit, etwa Bundestagsdebatten live zu verfolgen – ein Feature, dass auch die “Tagesschau”-App anbietet.

Soweit – so unspektakulär. Ruft man direkt nach der ZDF-App die “Tagesschau”-App auf, kann man das Gemeckere der Verleger ein Stück weit nachvollziehen. In der Tat bietet die “Tagesschau”-App auf der Startseite zunächst einmal: sehr viel Text. Es gibt Artikel zu aktuellen, politischen Themen, Text-Dossiers zur Griechenland-Finanzkrise oder zu Libyen. Zwar gibt es natürlich auch zahlreiche Videos – etwa wenn Korrespondenten interviewt, Filmbeiträge eingebunden oder auf “Tagesschau”-Ausgaben verwiesen wird.

Aber der Eindruck der Textlastigkeit bei der “Tagesschau”-App ist durchaus vorhanden. Bis hinein zu Rubriken wie “Service”, die dann teilweise die, ebenfalls textlastigen Web-Angebote der ARD einbinden und beispielsweise in einer langen, Text-Bild-Strecke Tipps zur Vorbeugung gegen Fußpilz geben.

Ob es in Sachen “Tagesschau”-App tatsächlich einen Kompromiss zwischen Verlags-Seite und ARD geben kann? Döpfner hatte vorgeschlagen, die “Tagesschau”-App solle nur Videos kostenlos anbieten und Texte als Bezahl-Inhalte vermarkten. RBB-Intendantin Dagmar Reim hatte Springer-Chef Döpfner bei der IFA-Medienwoche geantwortet, sie sei auch sehr für Kompromisse. Nur bei der “Tagesschau”-App könne es keine geben, weil diese zum Kerngeschäft der öffentlich-rechtlichen gehöre.

Wahrscheinlich muss dieser Streit wirklich von Gerichten entschieden werden.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige