Jauch: „Ausreden funktionieren nicht“

Der Austragungsort der Sonntagabend-Talkshow von Günther Jauch ist außergewöhnlich. Der Moderator diskutiert ab dem 11. September immer sonntags aus dem Inneren eines alten Gasometers in Berlin-Schöneberg. Wie Jauch sich anlässlich einer Pressekonferenz präsentierte, war ungleich weniger spannungsreich. Immerhin: Sein Adrenalinpegel sei höher als vor anderen Formaten, bekannte Jauch – "Ausreden funktionieren nicht mehr."

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Keine Frage – der Sonntagabend ist für Günther Jauch eine Art Sehnsuchtsziel. Schon vor Jahren habe er eine "stille Leidenschaft" für den Sendeplatz entwickelt, bekannte er. Der Leidenschaft diametral entgegen steht Jauchs Bedürfnis, im Vorfeld die Erwartungen nicht zu hoch schwappen zu lassen. Er wolle sich nicht festlegen lassen auf ein starres Konzept, nicht die Zahl und die Herkunft und/oder Parteizugehörigkeit von Gästen diktieren lassen. "Ich möchte frei sein", sagte er bei der Vorstellung des Studios.

Jauch jazzt nicht hoch, er wiegelt ab

Zum eigentlichen Konzept sagte der Starmoderator der ARD dann aber recht wenig. Das Thema der ersten Sendung wird vermutlich der zehnte Jahrestag der Terroranschläge auf das World Trade Center sein. Will man sich dafür anmelden, werden persönliche Daten abgefragt – das lässt hohen Politikerbesuch vermuten. Doch Jauch jazzt nicht hoch, er tut das vermutlich aus seiner Sicht einzig Richtige – er wiegelt ab. "Die überbordende Erwartungshaltung werde ich definitiv nicht einlösen können."

Fünf Sessel standen bei der Vorstellung auf der Bühne, daneben eine kleine Insel mit drei Sitzplätzen für Gespräche, die außerhalb des großen Kreises geführt werden können. Im Wesentlichen wird nach dem Prinzip von Sabine Christiansen und ihrer Nachfolgerin Anne Will, deren Nachfolger Jauch nun ist, verfahren. Ein zumindest von der Quote funktionierendes Konzept – vier bis fünf Gäste zu einem Thema mit gelegentlichen Einspielern und Seitenschwenks zu Ergänzungsgästen – ändert man nicht von heute auf morgen. Allenfalls in zehn, zwanzig oder gar dreißig Sendungen werde er vielleicht Details verändern, sagte Jauch, der die Sendung mit seiner Firma I&U auch produziert. Was Jauch sich vorgenommen hat: "Die Zuschauer sollen ein wenig klüger aus der Sendung gehen."

Wie man seinen Status als Trophäe unterläuft

Wie ein Zigarettenautomat, aus dem verlässlich bei Einwurf einer Münze eine Packung Zigaretten der immer gleich guten Qualität falle, sei eine Talksendung allerdings nicht. Der Vergleich hinkte vielleicht und war zudem nicht ganz jugendgerecht, inhaltlich kam Jauchs Botschaft aber an: Ich mache keine Versprechungen. Und: Ich muss sie auch gar nicht machen. Das ist ein Luxus auf dem wichtigsten Talk-Sendeplatz im Ersten. Jauch weiß: Wer im Vorfeld zu viel trommelt, kann nur tief fallen.

Trotzdem hält diese Deeskalationstaktik die ARD nicht davon ab, sich mit dem neuen Star zu schmücken. ARD-Programmchef Volker Herres bemühte den Vergleich zum FC Bayern, der tolle Stars und eine tolle Mannschaft habe. Jauch zog dazu seine bekannte Jauch-Miene – heruntergezogene Mundwinkel, skeptisch-irritierter Blick – und merkte an, der Hamburger SV sei auch toll. Der Moderator tat zumindest sein Bestes, um seinen Status als ARD-Trophäe ein klein wenig zu unterlaufen.

Das Studio soll nachts glühen

Das Fernsehstudio, das im Innenraum des Gasometers aufgebaut wurde, wirkt derweil wie ein kleines Sony-Center oder ein kleiner Reichstag – über den Gästen und Zuschauern wölbt sich eine transparente Kuppel, die wiederum von einem Zelt umfangen wird. Nachts "glühe" das Ding, sagte Jauch. Die Farben der Sendung sind rot-orange – passend zum Rost-Look des Gasometers und der Umgebung, in der sich Gebrauchtwagenhändler und Werkstätten angesiedelt haben. Ein Problem könnte es noch mit der Akustik geben, denn der Raum geht viele Meter über ein normales TV-Studio hinaus und hallte bei der Präsentation gehörig.

Für drei Jahre habe man sich versprochen, sagte Günther Jauch über sein Engagement bei der ARD. "Dann sehen wir weiter." Was wäre der größtmögliche Unfall, der bei der Premiere geschehen könnte? Jauch: "Es geht kein Signal raus und Florian Silbereisen müsste als Ersatzprogramm laufen." Der Meister des Understatements lässt auf mehr solcher Schlagfertigkeiten hoffen.  

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