„Borgia“: das sexy-frivole ZDF-Gemetzel

Die Kirche ist ein Ort der Stille und des Gedenkens. Priester sind fromm. Und die Führer der Katholiken sorgen sich um das Seelenheil ihrer Anhänger. Diesen Glauben verbreiteten Kardinäle über Jahrhunderte. Heute weiß man, dass vieles davon erstunken und erlogen war. Mit der actiongeladenen und blutrünstigen Serie "Borgia" rückt das ZDF ab 17. Oktober eine Zeit ins Rampenlicht, in der Menschen die Kirche führten, die alles andere als spirituell waren - und spart nicht an frivolen Sexszenen.

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Die Familie der Borgia, die zwei Päpste stellte, verkörpert wie wenige andere den Geist der Renaissance mit ihren heute kaum vorstellbaren Widersprüchen. Die Borgia waren rücksichtslos, korrupt, gewalttätig und intrigant, anderseits erreichte die Kultur der Renaissance unter ihrer Herrschaft mit Genies wie Leonardo da Vinci und Michelangelo ihren Höhepunkt.
Die sechsteilige History-Serie ist eine europäische Produktion. Als Regisseur der ersten beiden Folgen war Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) mit an Bord. An der Produktion beteiligten sich neben dem ZDF die Atlantique Productions, EOS Entertainment, der ORF und Canal+. Auch die Schauspieler kommen aus unterschiedlichen Nationen: unter anderem Andrea Sawatzki und Isolda Dychauk aus Deutschland, John Doman aus den USA und Marta Gastina aus Italien.
Die Serie „Borgia“ beginnt im Jahr 1492. Sie basiert zu einem großen Teil auf wahren Begebenheiten: Kardinal Rodrigo Borgia, ein Spanier, ist Vizekanzler von Papst Innozenz VIII., der schwer erkrankt ist. Mit großem politischen Instinkt laviert Rodrigo zwischen den verfeindeten Königshäusern Italiens sowie zwischen den einflussreichen römischen Familien Colonna und Orsini, um den Stuhl Petri zu beerben.
Als Rodrigo die Nachricht vom Tod seines Erstgeborenen Pedro Luis ereilt, sammelt er seine nicht legitimierten Kinder Juan, Cesare und die junge Lucrezia um sich. Juan soll eine militärische und Cesare eine kirchliche Laufbahn einschlagen. Doch Cesare ist mit der Karriere, die Rodrigo für ihn im Sinn hat, nicht einverstanden. Er lehnt sich auf und zieht den Zorn anderer Familien auf sich. Der angehende Priester, Juan und Rodrigo entfachen ein blutiges Intrigenspiel im Italien des späten 14. Jahrhunderts.
Die Serie heischt für das öffentlich-rechtliche Fernsehen unüblich offen um Aufmerksamkeit. Fast im Minutentakt wechseln sich nackte Frauenbrüste, blutige Schlägereien und Ekelszenen ab. In einem Moment zeigen die Macher unter anderem, wie eine Wahrsagerin aus dem Kadaver einer Ratte die Zukunft liest – Anblick der Innereien inklusive – oder Menschen mit Schweinekot einreibt, um sie vor einer tödlichen Grippe zu bewahren. Dass es sich in Wahrheit, wie Schauspielerin Assumpta Serna am Montag im Nachhinein auf einer Veranstaltung in Hamburg verriet, um Schokolade handelte, macht es nicht viel besser.
Ebenfalls in Hamburg sagte Filmemacher Jan Mojto, dass die Geschichte der Borgia Stoff für zwei weitere Staffeln bieten würde. Die ersten sechs Folgen hätten rund 25 Millionen Euro an Produktionskosten verschlungen, was im Vergleich zu amerikanischen Produktionen noch günstig sei. Bisher hat sich die Serie in 40 Länder verkauft. In Italien sei die erste Folge äußerst erfolgreich gestartet, hieß es auf dem Presse-Event in Hamburg. Deshalb hat sich auch das ZDF für eine prominente Programmplatzierung entschieden: „Borgia“ läuft ab 17. Oktober ab 20.15 Uhr. Eine Folge umfasst 100 Minuten.

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