„9/11“-Doku-Duell: Aust schlägt Spiegel TV

Quoten-Duell mit dem Ex-Chef: Am Sonntagabend lief das Spiegel TV Magazin mit der Schwerpunktsendung zu "9/11" in direkter Konkurrenz zur ARD-Doku mit demselben Thema. Für die Auftragsproduktion hatte das Erste niemand Geringeren als Spiegel TV-Gründer und -Langzeitchef Stefan Aust gewonnen. Auf dem Papier endete die Sache eindeutig zugunsten Austs, der den interessanteren und komplexeren Film produziert hatte. Doch anders als Aust hatte Spiegel TV erschwerte Startbedingungen.

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Der zehnte Jahrestag der beispiellosen Terroranschläge vom 11. September 2001 hat zahlreiche Sender veranlasst, eine Chronik der Ereignisse oder Hintergrund-Formate ins Rennen zu schicken. Am Sonntagabend nahmen sich die beiden gegeneinander laufenden Dokus allerdings gegenseitig die Zuschauer weg, sodass am Ende wohl auch die ARD mit den Quoten nicht hundertprozentig zufrieden gewesen sein dürfte. Mit insgesamt 2,54 Millionen Zuschauern konnte die von Stefan Aust und Detlev Konnerth produzierte Reportage im Ersten nicht vom starken "Tatort" (8 Mio. Zuschauer im Gesamtpublikum) profitieren, allerdings lief zwischendurch noch ein zehnminütiges Special zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, das nicht an die Krimi-Quote anknüpfen konnte.
Der Marktanteil für die 90-minütige Reportage lag ab 21.55 Uhr beim Gesamtpublikum bei 11,4 Prozent und damit unter den Normalwerten des Ersten. Im August erzielte der Sender durchschnittlich 12,3 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen reichte es nicht einmal zu einer Million Zuschauer. Nur 980.000 Menschen in diesem Alter schalteten die Dokumentation ein, mit den erzielten 9,3 Prozent Marktanteil lag man aber immerhin über dem Senderschnitt. Das "Tagesthemen extra" zur Landtagswahl kostete etliche Zuschauer. Ab 21.45 Uhr kam die Nachrichtensendung auf 4,15 Millionen Zuschauer – schon hier waren also fast die Hälfte der "Tatort"-Zuschauer nicht mehr dabei.
Für Verunsicherung dürfte auch das RTL-Programm gesorgt haben, denn ab 21.45 Uhr, also noch zehn Minuten vor der Reportage im Ersten, zeigte der Kölner Sender im Rahmen von Spiegel TV ebenfalls ein Rückblick auf den 11. September 2001, der sich allerdings im Gegensatz zur Aust-Doku ausschließlich mit der amerikanischen Wahrnehmung der Ereignisse beschäftigte. Der ehemalige Spiegel TV-Chef hatte einen weitaus ambitionierteren Ansatz und lieferte eine beeindruckende Analyse der Folgen in militärischer und politischer Hinsicht ab. Die Quoten von Spiegel TV war ernüchternd. Nur 1,55 Millionen Menschen ab drei Jahren schalteten ein, der Marktanteil der deutlich kürzeren Sendung lag bei 5,4 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen sorgten 870.000 Zuschauer für 6,5 Prozent.
Diese Werte sind jedoch nicht überraschend, denn im RTL-Vorprogramm lief der Animationsfilm "Ice Age", der ein völlig anderes Publikum anspricht als eine Reportage zu den Terroranschlägen in den USA. Zudem stammt "Ice Age" aus dem Jahr 2002 und wurde im Fernsehen schon etliche Male gezeigt, sodass am Sonntag nur 2,14 Millionen Zuschauer einschalteten.
Möglicherweise zeigt sich bei dem insgesamt eher durchwachsenen Quoten auch ein Trend: Offenbar ist die Aufmerksamkeit für "Jahrestags-Formate" generell gesunken. So fuhren die Sender zuletzt mit Specials zur Loveparade (erster Jahrestag) durch die Bank ebenso schwache Quoten ein wie zuvor mit Sonersendungen zur Katastrophe in Tschernobyl (25 Jahre) oder dem Mauerbau (40 Jahre).
Die Sender setzen zum 10. Jahrestag der Anschläge aber weiter auf Dokumentationen rund um das Thema. So ist am Montag um 22.15 Uhr bei RTL die Reportage "Der 11. September! Wie ein Tag unser Leben veränderte" mit Chefredakteur Peter Kloeppel zu sehen.
Im Ersten startet um 22.45 Uhr die Dokumentation "Fischer, Schily: "Mein 11. September!"", in der die Auswirkungen des 11. Septembers 2001 auf die deutsche Bundesregierung gezeigt werden. Ab 23.55 Uhr zeigt das ZDF "Flug 93 – Die Dokumentation", in der es um das entführte Flugzeug geht, welches am 11. September 2001 von Passagieren über Pennsylvania zum Absturz gebracht wurde. VOX widmet sich am 10. September mit einem ganzen Thementag den Terroranschlägen.

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