Der Stillstand der Kommissare

Der Kölner "Tatort" mit dem eingespielten Kommissaren-Duo Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) genießt bei den zahlreichen Fans der Reihe hohes Ansehen. Diesen Sonntag läuft der 50. Krimi mit den beiden Ermittlern unter dem Titel “Altes Eisen”. Die Überschrift hat etwas Programmatisches. Wie bei vielen altgedienten “Tatort”-Polizisten dominiert auch bei den Kölnern die Routine. Wer sich zur 50. Folge eine Überraschung oder Frischzellenkur erhofft, wird enttäuscht.

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Dabei ist “Altes Eisen” kein wirklich schlechter Krimi und kein wirklich schlechter “Tatort”. Es ist einfach Dutzendware. Es geht um einen Mord an der unbeliebten Besitzerin eines Mietshauses in einem aufstrebenden Viertel. Mit von der Partie sind ein zwielichtiger Wettkönig, dessen Ex-Freundin und deren neuer Freund, der Sohn der Ermordeten. Die beiden letzteren betreiben recht glücklos einen Eisenwarenhandel und eine Kölner Kneipe, die man wohl als “typisch” bezeichnen könnte.

Die eigentliche Hauptfigur des Films ist unumstritten Edgar Selge als Transsexuelle Trudi Hütten. Selge ist ein toller Schauspieler und die Gelegenheit, in eine Frauenrolle zu schlüpfen, lässt ihn zu Hochform auflaufen. Seine Interpretation der Trudi Hütten ist es, die den Film trotz aller üblichen “Tatort”-Defizite doch noch sehenswert macht.

Was sind aber die üblichen “Tatort”-Defizite? Es wird in diesem Kölner Krimi einmal mehr zu viel deprimiert in die Welt geschaut. Die Handlung baut sich viel zu langsam auf, gegen Ende hin wird alles überzogen gefühlsduselig und die beruflich-privaten Wendungen der Kommissare sind so grauenhaft vorhersehbar. Glaubt denn wirklich einer, Ballauf würde das Angebot annehmen, zum BKA nach Wiesbaden zu wechseln? Oder dass Ballauf mit seiner neuen Flamme Lydia nun ein glückliches Liebesleben bekommt? Natürlich nicht. Natürlich kommt es genau, wie man es sich dachte und am Ende sind Ballauf und Schenk wieder zusammen und frotzeln wie ein altes Ehepaar.

Die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren stimmt, aber nach 50 Folgen kennt man die immergleichen Rituale einfach zu genüge. Wie wohltuend wäre es gewesen, wenn Ballauf tatsächlich mal einen neuen Posten bekommt oder eine Dauer-Freundin. Oder wenn irgendetwas passieren würde, das die öde “Tatort”-Routine endlich mal durchbrechen würde. Es passiert aber nichts. Gleiches kann man übrigens bei anderen Traditions-”Tatort”-Folgen wie Ludwigshafen und München reklamieren.

Es sind keine schlechten Krimis, die da produziert werden, von früheren TV-Großtaten ist die heute dargereichte “Tatort”-Dutzendware aber meilenweit entfernt. Es sei nur an zwei Spitzen-”Tatort”-Folgen aus der Vergangenheit erinnert: “Manila” aus Köln (Thema Kinderhandel und Schenk als Undercover-Ermittler in der Sextourismus-Szene) und “Frau Bu lacht” von Dominik Graf aus München. Filme dieses Formats sucht man heute leider in der “Tatort”-Reihe vergeblich. Ein bisschen außer Konkurrenz laufen die Münster-Folgen, die mittlerweile eher komödiantischen Buddy-Movies ähneln anstatt handfester Krimis. Da muss man schon froh sein, wenn man halbwegs anständige Routine-Kost serviert bekommt, wie jetzt aus Köln, und keinen völligen Murks, wie er leider allzuoft vom “Tatort” aus Leipzig kommt. Es wäre an der Zeit, die alten Kommissare aus Ludwigshafen, Köln und München in Rente zu schicken. Oder ihnen ein paar neue Seiten abzugewinnen.

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