Tina setzt auf Nutzwert als Erfolgsrezept

Bei Bauers Tina stellt sich schnell die Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Denn seit Jahren kämpft das Frauen-Weekly mit kräftigen Auflageneinbrüchen. Trotzdem verkauft das Blatt noch immer über 400.000 Hefte pro Wochen und gehört mit einem geschätzten Umsatz von 61,9 Mio. Euro im Jahr 2010 zu den Cashcows des Verlages. Jetzt schickt sich die neue Chefredakteurin Sabine Ingwersen an, den Beobachtern die Beurteilung zu erleichtern. Sie will mit viel Nutzwert die Auflage stabilisieren.

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Die 46-jährige Ingwersen leitet seit dem Frühjahr die Redaktion von Tina und Bella. Sie übernahm den Posten von Sabine Fäth, die als Chefredakteurin zu Jalags Für Sie wechselte.

Zum Start der neuen Chefredakteurin freute sich Geschäftsführer Jörg Hausendorf bereits auf die "erfahrene und erfolgreiche Blattmacherin", die die "Premiumstrategie" bei Tina "konsequent vorantreiben und mit neuen Impulsen weiter aufladen" sollte.

Die ehemalige stellvertretende Chefredakteurin der Bild der Frau und Redaktionsleiterin der Frau von Heute machte sich sogleich ans Werk und richtete die wöchentliche Frauenzeitschrift, die im vergangenen Jahr gerade ihren 35. Geburtstag feierte, noch konsequenter in Richtung Nutzwert und Ratgeberkompetenz aus. "Der Inhalt ist dichter geworden, wird aber trotzdem opulent erzählt", erklärt Ingwersen ihr Konzept gegenüber MEEDIA. "Mir ist es wichtig, immer wieder die Leserinnen mit einzubeziehen. So produzieren wir beispielsweise jede Woche mit einer Leserin eine aufwendige Mode- und Beauty-Umstyling-Geschichte."

Dem Verlagsmanager ist vor allem wichtig, dass die Ansprache auch genau den richtigen Ton für die anvisierte Zielgruppe trifft: "Die Tina-Leserin ist wertkonservativ. Sie steht im Mittelpunkt der Familie und hält alles zusammen", erklärt er gegenüber MEEDIA. "Sie fühlt sich manchmal wie Atlas, der die ganze Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Zudem ist sie sozial sehr engagiert."

Ingwersen verfeinerte zudem die Optik und entwickelte mit dem neuen Heft Land und Leute gleich ein eigenes Sonderheft. Wie man das Thema Landlust aus Sicht einer wöchentlichen Frauenzeitschrift angeht, konnte sie im vergangenen Jahr bereits bei der Bild der Frau direkt beobachten, die selbst einen eigenen Versuch eines solchen Heftes startete.

Die neue Tina Land & Leute soll jedoch auf keinen Fall eine weitere Landlust werden. "Wichtig war uns bei der Konzeption der Inhalte, dass immer Menschen im Mittelpunkt der Geschichten stehen", erläutert sie ihre Idee gegenüber MEEDIA. Die Auflage des Sonderheftes beträgt 200.000 Stück. Ein großer Teil der Exemplare erscheint im Doppelpack mit der aktuellen Tina-Ausgabe zum Preis von 2,95 Euro.

Das Sonderheft erschien erst einmal. Trotzdem verbindet der Verlagsmanager Hausendorf schon die Hoffnung mit dem Experiment, "neue Käuferinnen für die Marke Tina zu begeistern".
Das wichtigste Ziel der Umbaumaßmahnen ist es, die sinkende Auflage zu stabilisieren. Im Gesamtverkauf kommt das Magazin noch auf 460.346 Exemplare. Innerhalb eines Jahres verlor das Women-Weekly sieben Prozent. Das Minus in den vergangenen fünf Jahren liegt bei 27 Prozent.

Die neue Chefin ist jedoch guter Dinge, dass sie die Abwärtsspirale zumindest verlangsamen kann. Immerhin hält sie das Team, das sie bei der Tina getroffen hat, für "brillant".

Bei der Renovierung des Magazins will Ingwersen jedoch nicht auf Promis setzen. "Die Protagonisten müssen zur Zielgruppe passen. Prominente, die zu sehr polarisieren, kommen nicht ins Blatt. Unsere Leserin will sich nicht ärgern, sondern bestärkt werden."

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