Rampstyle: „Das Gewicht spielt eine Rolle“

Ramp-Macher Michael Köckritz hat sein Männermagazin Rampstyle an den Kiosk gebracht. Im Interview mit MEEDIA erzählt er, wie sich das 15 Euro teure Magazin finanziert und warum das Gewicht für ihn ein Qualitätsfaktor ist. Der Verleger aus Reutlingen, der auch Mitgeschäftsführer der Agentur köckritzdörrich ist, empfiehlt Medienunternehmen, ihre eigenen Entwicklungsabteilungen zu gründen: "Verlage sollten mehr Mut haben, Medien frisch zu denken."

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An einem lauen Spätsommerabend in Berlin stellt Michael Köckritz sein neues Magazin in einer kleinen Bar im Stadtteil Mitte vor. Der Rahmen ist überschaubar, weniger aufgeregt als bei vergleichbaren Veranstaltungen in der Hauptstadt, in der Lautstärke und Relevanz sich oft disproportional zueinander verhalten. Immerhin: Als kleine Extravaganz gibt es einen Shuttle-Dienst von BMW vor der Tür.  

Michael Köckritz, 53, ist ein Mann der sanften Sprache. Kein dröhnender Chefredakteur, der sein Kerlsein zelebriert. Köckritz hat Medizin studiert und entschied sich später doch für einen Medienjob. Er wurde Mitherausgeber des Magazins Autofocus und gründete die Agentur köckritzdörrich in Reutlingen. Die arbeitet für Markenkunden, auch aus der Autobranche, u.a. entsteht in der Agentur das Kundenmagazin von Lamborghini.

Der Sprung zum eigenen Automagazin war also kein großer, die Idee naheliegend. Gemeinsam mit Christian Gläsel brachte Köckritz vor vier Jahren Ramp heraus – ein brachiales Blatt, in dem Autos zu den Ikonen werden, die sie aus Sicht der Konzerne auch sein sollen. Die Inszenierung der Karossen in Ramp wirkt auf Menschen, die mit Autos nicht viel anfangen können, vollkommen übertrieben. Eine kritische Distanz zum Objekt der Begierde fehlt, doch Köckritz und seinen Mitstreitern ging es offensichtlich auch nicht darum, nur den klassischen Motorjournalismus aufzuwärmen. 

Die Agentur und der Verlag Red Indians Publishing, in dem Ramp, der Ableger Rampstyle und das Kulturmagazin Gapz erscheinen, sind eigene Firmen, bei denen Köckritz das Bindeglied ist. Die positiven Effekte dieser Konstruktion sind indes nicht zu verleugnen – Köckritz selber sagt im Interview, Ramp und Co. seien wie Visitenkarten für Aufträge von Markenkunden. Ramp hat mittlerweile rund 2.000 Abonnenten, sagt Köckritz. Eine genaue Zahl verrät er nicht. Ableger Rampstyle soll im Idealfall wie Ramp viermal jährlich erscheinen. 40.000 Exemplare hat der Chef drucken lassen, doch die werde er wohl nicht alle verkaufen. Seine Rechnung ging dennoch bereits vor Erscheinen auf: Bereits die erste Ausgabe schreibe wegen der guten Werbeerlöse eine schwarze Zahl. 
 
Herr Köckritz, die Hefte, die Sie machen, sind telefonbuchschwere Angelegenheiten. Sind solche Brocken nicht etwas anachronistisch?

Nein, glaube ich nicht. Für solche Qualitätsmedien gibt es einen Platz. Mit denen gehen Leser liebevoll um, die sind wertig und sinnlich. Dabei spielt auch das Gewicht eine Rolle. 

Dicke und Schwere eines Magazins sind Qualitätsmerkmale?

Sie geben einem Magazin eine gewisse Körperlichkeit. Die Substanz wird über die Haptik erlebbar. 

Ramp erscheint vier Mal im Jahr. Warum jetzt noch ein Männermagazin dazu, in dem es unter anderem auch um Autos geht?

Ramp ist ja kein typisches Automagazin. Das ist nicht Test und Technik. Im Prinzip ist das Auto in unseren Augen ein Freiheitstool, mit dem wir in einer spannenden Welt unterwegs sind. Wir zeigen mit Ramp, was wir mit Autos anstellen können. Wir stellen Autos auch in Zusammenhänge. 

Das tun andere so nicht?

Premium-Themen müssen heute anders gespielt werden. Differenzierter. Der Schritt von einem Special Interest Magazin über Autos zu einem Männermagazin ist ja nicht so groß. Aber mir persönlich hat ein solches Heft wie Rampstyle gefehlt. Ich werde dieses Jahr 55. Es gibt wenig Hefte, die mich als Mann ansprechen.

In Deutschland reüssieren Männermagazine nicht so. Es gibt Playboy, GQ…

…das für die Zielgruppe toll gemacht, aber etwas anderes ist. 

Was genau hat Ihnen denn gefehlt? 

Themen, über die ich mich mit meinen Freunden unterhalte, wenn wir zusammen sind. Männerthemen. Das können Frauen sein, Autos, Wirtschaft, aber auch Filme, technische Geräte, Mountainbikes, Fotoapparate. Und: Mir fehlten Geschichten von Männern. Wie wir unsere Kinder erleben, wie wir unsere Freunde erleben. Wie wir das Altern erleben.

Und nun soll Rampstyle nach dem Debut öfter erscheinen?

Ja. Ich finde es extrem reizvoll, aus einem bestehenden Titel einen Ableger zu entwickeln. Aus einem Special Interest-Titel über Autos heraus ein Kulturmagazin für Männer zu machen, das ist Neuland. 

Wie finanzieren Sie das Ganze eigentlich? Die Heftpreise sind mit 15 Euro happig, darum dürften die Vertriebserlöse überschaubar sein. 

Stimmt. Wir verkaufen auch sicher die gedruckten 40.000 Magazine nicht. 

Es muss also über Werbung laufen. Mit Christ, Joop, Boss, Strellson, BMW, Classicon, Mercedes und Co. haben Sie wichtige Luxusmarken an Bord.

Ramp selber funktioniert als kleine Marke ja bereits. Bei Rampstyle haben wir vom Anzeigengeschäft profitiert, das wir mit Ramp aufgebaut haben. Im Kernmarkt Automobil sind wir bekannt, jetzt kommt immer mehr der Luxus-Peripheriemarkt dazu. Die Magazine sind zudem Visitenkarten für das, was wir sonst leisten können. Wir beraten Marken und zunehmend auch Verlage, damit verdienen wir Geld. 

Die Magazine sind dann aber eine recht teure Visitenkarte.

Nein, die tragen sich selber. Das erste Rampstyle wird eine schwarze Zahl schreiben. Das Anzeigengeschäft lief gut, zudem haben wir Unternehmen Creative Space geboten. Marken geben uns ein Produkt und wir spielen damit. Die bezahlen uns, reden uns aber nicht herein. Wenn es gutgeht, haben wir eine visionäre Arbeit für die Kunden gemacht. Wenn es nicht so gut klappt, dann können die sagen: das waren die in Reutlingen. 

Wie viele Mitarbeiter haben Sie überhaupt im Verlag?

Mit Praktikanten sind wir elf. Wir arbeiten vor allem mit freien Autoren. Die erste Ausgabe von Ramp habe ich allein mit einer Sekretärin und einem Grafiker gemacht. Finanziell wäre das anders gar nicht gegangen. 

Dass solche Experimente wie Rampstyle möglich sind – sagt das etwas über die Medienbranche aus? 

Ich habe es ja viel einfacher als große Verlage. Ich bin mein eigener Herr, ich kann schnell entscheiden, ich kann Entscheidungen auch revidieren. Aber Verlage sollten mehr Mut haben, Medien frisch zu denken. Auch mehr Mut haben, alle Medienräume durchzudeklinieren. Sie könnten mehr Entwicklungsabteilungen gründen, die interdisziplinär arbeiten. Ich sehe, was es mir bringt, mit internationalen Medienwissenschaftlern zu arbeiten. 

Die Medienwissenschaft steht sonst eher nicht so im Fokus der Medienmacher. Die Zunft ist vielen Praktikern oft zu theoretisch.

Leute wie Bernhard Pörksen und Tino Meitz geben uns tolle Anregungen. Wir betreiben ja keine Marktforschung. Wir reden darüber, wie sich Themen entwickeln.

Ein Berater hätte Ihnen vermutlich empfohlen, eine App zu entwickeln. Was halten Sie von diesen digitalen Formaten?

Das sind tolle Möglichkeiten. Vor einem Jahr wollte ich schon eine App machen. Dann gab ein Kunde eine in Auftrag und wir hatten keine Zeit mehr, etwas für uns zu entwickeln. Als nächstes möchte ich, dass wir die drei Titel, die wir nun haben, konsolidieren und eine digitale Plattform aus ihnen entwickeln. So etwas wie eine männergeprägte kleine Familie.

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