„Die Falle 9/11“: Austs wuchtige Terror-Doku

Eine Reihe an Dokumentationen füllt zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 das TV-Programm. Ein Film sticht dabei besonders heraus: Stefan Aust und Detlev Konnerth werfen mit "Die Falle 9/11 - Ein Tag, der die Welt veränderte" einen besonderen Blick auf die Folgen des Angriffs. Ihre These: Osama Bin Laden und Al-Qaida haben mit ihrem Terroranschlag die USA in eine Kriegsfalle gelockt. Entstanden ist ein erstklassiger 90-Minüter, der durch seine wuchtigen Bilder beinahe zu beklemmend wirkt.

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"Die Falle 9/11" gleicht einer Chronik: Angefangen vom Morgen des 11. Septembers 2001 bis zur Tötung Osama Bin Ladens am 1. Mai dieses Jahres zeigt der Film, welche Konsequenzen aus den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington gezogen wurden. Im Rückblick zeichnet sich für Aust und Konnerth eine Strategie der Terroristen ab: "Wir haben Indizien dafür gefunden, dass Osama Bin Laden und Al-Qaida mit den Anschlägen vom 11. September die USA in einen blutigen Krieg verwickeln wollten, der sie über einen langen Zeitraum bindet, der viel Geld und viele Opfer kostet, viel mehr als die Anschläge selbst. Und das ist Al-Qaida gelungen", sagt Aust. "Nach zehn Jahren muss man sagen, dass die USA in diese Falle gegangen sind, und es ist sehr schwer für die Amerikaner, aber auch für die Bundeswehr, aus dieser Falle wieder herauszukommen."
Untermauert wird die These durch Aussagen von Zeitzeugen. So konnten die Autoren unter anderem den Nahost-Experten und Bush-Berater Bruce Riedel für ein Interview gewinnen, darüber hinaus sprachen sie auch mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder und dem ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Der frühere Koordinator für Nationale Sicherheit, Richard A. Clarke, gab sogar vor laufender Kamera preis, dass Ex-Präsident George W. Bush am Tag nach den Anschlägen nicht davon abzubringen war, einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Saddam Hussein und den Terroranschlägen zu sehen. "Bush schaute mir direkt in die Augen, fuchtelte mit seinen Händen herum und rief: ‚Al-Qaida-Irak, Al-Qaida-Irak‘. Es war klar, dass er einen Beweis forderte, dass der Irak mit dem 11. September zu tun hatte. Ich war nicht bereit, ihm diesen zu liefern, denn es gab keinen", erinnert sich Clarke.
Die Interviewsituationen sind nicht die einzigen bemerkenswerten Momente in der dicht erzählten Dokumentation. Konnerth liefert von seiner Recherche in Pakistan erstaunliche Einblicke in die Arbeit der US-Army. Dennoch basiert der Film größtenteils auf Archivmaterial, das zum Teil auch von Al-Qaida stammt. Es ist schon eine Herausforderung für den Zuschauer sich am Sonntagabend 1,5 Stunden mit der detaillierten Darstellung der Ereignisse und den wuchtigen Bildern auseinanderzusetzen. Und doch lohnt es, hebt sich der anspruchsvolle Film von anderen Dokus und Erinnerungen zum Jahrestag ab.
Bisher gab es noch keine Analyse in der Form, die die Folgen der Anschläge in einen so großen Gesamtzusammenhang stellt, ohne eine Verschwörungstheorie dahinter erkennen zu wollen. Zwei Jahre arbeiteten Aust und Konnerth an der sichtlich teuren Produktion, die vom Stil her auch eine "Spiegel TV"-Dokumentation hätte sein können. Beide Autoren arbeiteten – Aust als Gründer und Geschäftsführer und Konnerth als Redakteur – jahrelang für das Format. Als Koproduzenten konnte Aust, der inzwischen Co-Eigentümer von N 24 ist, für "Die Falle 9/11" den NDR, Servus TV, Das Erste, den MDR und das Schweizer Fernsehen gewinnen.
Auch wenn sich die Bereitschaft der genannten O-Ton-Geber, in der Dokumentation offen über die politischen Ereignisse zu sprechen, wie ein kleiner Siegeszug gegen die USA interpretieren lässt, bissen Aust und Konnerth bei einem Menschen auf Granit: George W. Bush hat die schriftliche Interviewanfrage bis heute nicht beantwortet und auch sonst nicht im Detail zu den Aussagen der Zeitzeugen Stellung genommen. Er wird wissen, warum.
"Die Falle 9/11 – Ein Tag, der die Welt veränderte" zeigt das Erste am Sonntag, 4. September, um 21.55 Uhr

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